Erster Praktikant beim Turnverein

Schritt für Schritt zum Traumberuf

 Beim Kinderturnen passt Jakob Lindemann nicht nur auf, er ist auch für jeden Spaß zu haben. - Foto: Hiss

Babenhausen - Sporthalle anstatt Schulbank: Jakob Lindemann ist der erste Praktikant beim Turnverein Babenhausen. Von Corinna Hiss 

Etwas unsicher steht das kleine Mädchen auf der Kante des Kastens. Alleine runterzuspringen traut sie sich nicht, will schon umdrehen – da streckt ihr Jakob Lindemann helfend die Hand hin. Gemeinsam mit ihm schafft sie den Absprung und landet sicher auf der weichen, blauen Matte am Boden. Der 15-Jährige hilft Thea Scharwinski bei der Kindergruppe „Ich turne allein“. Dabei hat der Schüler immer ein wachsames Auge auf die kleinen Mädchen und Jungs, die die neue Turnhalle des TV Babenhausen lärmend füllen. Mit Jakob Lindemann hat der TVB ein Pilotprojekt gestartet: Erstmals nimmt der Verein Schüler auf, damit sie ihr Pflichtpraktikum absolvieren können.

Sport ist auch das große Interesse von Jakob Lindemann. Der begeisterte Fußballer, der in Hergershausen in der B-Jugend kickt, hat sich deshalb bei seinem Schülerpraktikum für den Turnverein entschieden. Dort spielt der Fußball zwar keine Rolle, dafür aber viele andere Sportarten.

Die erste Berufsluft

Beim Kurs „Ich turne allein“, ist vorgesehen, dass die Kinder sich – wie der Name schon sagt – ohne ihre Eltern am Boden oder an den Ringen versuchen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass genügend Übungsleiter da sind, um die Horde zu überwachen. „Meistens sind wir zu zweit, aber mit Jakob jetzt zu dritt“, freut sich Thea Schwarwinski über den Zuwachs. Bei der Größe der Gruppe seien drei Helfer ideal.

Der 15-jährige Harreshäuser, der die Joachim-Schumann-Schule besucht, schnuppert beim TVB das erste Mal Berufsluft. Bei dem Pflichtpraktikum, das jeder in der achten Klasse machen muss, sollen die Schüler Erfahrungen in der Arbeitswelt machen. Jakob Lindemann weiß schon jetzt: Die Arbeit im sportlichen Bereich ist sein Traumberuf.

Für den TVB ist er zwar eine Entlastung, da er bei vielen Kursen mithilft und die Übungsleiter unterstützt, seinen Arbeitsalltag zu koordinieren ist aber nicht immer eine leichte Aufgabe. „Anders als in Betrieben arbeiten im Verein viele ehrenamtlich“, erläutert Vorsitzende Ute Teuchner. „Es muss immer jemand bei ihm sein, damit er auch richtig eingebunden wird.“ Dennoch begrüßt sie es, dass der TVB nun Schülerpraktika ermöglicht. „Uns ist wichtig, dass wir auch sozial engagiert sind. Daher sehe ich es als Aufgabe des Vereins an, jungen Menschen bei der Berufsfindung unter die Arme zu greifen“, so Teuchner.

Hallenbau in Babenhausen (August 2013)

Hallenbau in Babenhausen

Für Jakob Lindemann heißt es also nun anstatt Schulbank drücken in der Sporthalle anwesend sein. Neben den Turngruppen steht auch Klettern oder Basketball für ihn auf dem Programm. Dass Sport für ihn die richtige Wahl ist, weiß der Bayern-Fan nun nach seiner Zeit beim TVB. Bis Freitag dauert sein Praktikum noch, danach wartet wieder der Schulalltag auf ihn. „Mir macht die Arbeit hier viel Spaß, weil sie so abwechslungsreich ist“, erzählt der Harreshäuser. Eins gefällt ihm aber nicht so gut: „Ich wäre lieber mehr draußen und nicht so viel in der Halle.“ Gegen 9 Uhr morgens beginnt meistens sein Arbeitstag, es kommt aber auch vor, dass er bis 20.30 Uhr da ist, je nachdem viel lang ein Kurs geht.

Beim Kinderturnen ist er Sportlehrer, Erzieher und Spaßmacher in einer Person. Als die blaue Matte hinter dem Kasten verrutscht, ist Jakob Lindemann sofort zur Stelle, um sie wieder richtig hinzulegen. Die Sicherheit der Kinder hat für ihn oberste Priorität. Auch wenn es ans Abbauen geht, hilft er unaufgefordert mit. Denn das soll im Praktikum ja auch gelernt werden: Selbstständigkeit.

Quelle: op-online.de

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