„Predigten abseits des Konformen“

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Hans-Josef Born ist der neue Pfarrer für 1 300 Protestanten in Langstadt und Schlierbach.

Langstadt - Die Begrüßung im Gemeindehaus ist herzlich, doch nicht Hans-Josef Born (56) öffnet die Tür. Beate Born begrüßt den Journalisten - ihr Mann telefoniert nebenan noch rege in Sachen EDV. Von Jens Dörr

Nach fünf Minuten hat der neue Pfarrer für die Evangelischen Kirchengemeinden in Langstadt und Schlierbach dann Zeit und nimmt sich davon viel, um einen Einblick in sein bisheriges Leben und seinen Start in der hiesigen Region zu geben. Langweilig dürfte es mit Born nicht werden - das vermittelt schon ein 70-minütiges Gespräch.

Ist das Nachfolgende vielleicht das Bemerkenswerteste, wenn man die Person Hans-Josef Born vorstellen möchte? Auf jeden Fall ist es mehr als nur eine Randnotiz wert: Der evangelische Pfarrer war früher katholisch. „In dieser Lehre waren mir aber zu viele Ecken drin“, meint er unumwunden. Mit 16 beschäftigte er sich - aus einem entschieden katholischen Elternhaus im Westerwald stammend - auch mit anderen Strömungen des Christentums. „Letztlich war man in den 70er Jahren als religiöser Mensch ein Außenseiter“, spricht Born Klartext. Die Kirchen seien „auch damals schon leer“ gewesen. Allenfalls Taufe und Trauung seien noch etwas selbstverständlicher als heute gewesen.

Als religiöser Mensch ein Außenseiter

Mit 20 hatte Born dann genug gesehen und experimentiert. Er entschied sich für den Eintritt „in eine ganz normale evangelische Gemeinde“. Protestant statt Katholik - diese Entscheidung teilte er vormittags seinen Eltern mit. Am Abend lernte er Beate kennen. Sie als Grund für den Wechsel heranzuziehen, trage als Argument also nicht, sagt er lachend. Wobei er seine Frau, mit der er seit 33 Jahren verheiratet ist und zwei Töchter sowie einen Sohn hat, im Gespräch so häufig erwähnt, dass die Liebe zu ihr gewiss ein großes Fragezeichen vor den Zölibat gesetzt hätte.

Für einen Protestanten letztlich kein Thema mehr - „und meine Eltern haben deswegen auch nicht mit mir gebrochen“. Zumal Born nach Abitur, Intermezzo bei der Bahn und Zivildienst erst mit dem Theologiestudium in Bonn und Münster begann. „Die ersten drei Semester habe ich von meinem Ersparten finanziert. Dann hat meine Frau, damals bei der Commerzbank, mein Studium bezahlt.“ Was heute oft undenkbar scheint, war für das junge Paar damals selbstverständlich: gemeinsame Kasse, bedingungsloses Vertrauen. „Keiner von uns hat das ausgenutzt“, blickt der „Neue“ für Langstadt und Schlierbach zurück.

Stelle war lange vakant

Lange haben die beiden Kirchengemeinden in Langstadt und Schlierbach auf ihren neuen Pfarrer warten müssen. Mehr als anderthalb Jahre war die Stelle vakant. So lange ist es her, seit Borns Vorgänger Frank Couard weggezogen ist. Der Weg für den neuen Pfarrer wird gleichwohl ein anspruchsvoller. Denn durch die lange Vakanz ist vor allem in Schlierbach die Zahl der Gottesdienstbesucher zurückgegangen. Hinzu kommt, dass sich sein Pfarrbüro ebenfalls in Langstadt befindet. „Mein Eindruck ist, dass sich die beiden Dörfer ziemlich voneinander unterscheiden. Auch das Fehlen eines gemeinsamen Gremiums ist eine Herausforderung“, spielt er auf zwei autonome Gemeindevorstände an.

Seit 26 Jahren steht Born, der nun offiziell in sein Amt eingeführt wurde, im Dienst der Kirche, arbeitete in Krappach und Steeden an der Lahn. Prägend seien auch die Monate als Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt Limburg gewesen. Dort habe er für einen einsitzenden Muslimen aus der Türkei zum Ramadan auch mal einen Koran besorgt. „Ich habe immer über den Tellerrand hinausgeschaut“, so Born und meint das einerseits in Sachen Glaube, andererseits auch mit Blick aufs Weltliche. Er habe „vom Judentum viel mitbekommen“ und könne darüber einiges erzählen. In den 80ern beschäftigte sich Born aber auch mit Informatik und beriet Schuldner. „Heute sitzen da BWL-Studenten“, zuckt er mit den Achseln und lacht wieder einmal herzlich.

„Stehe mit beiden Beinen in der Welt“

Was ihn als Pfarrer auszeichne und wie er die Protestanten in Langstadt und Schlierbach erreichen wolle? „Ich denke, dass ich in meinen Predigten durchaus etwas zu sagen habe. Sie sind abseits des Mainstreams.“ Es könne durchaus sein, dass er Positionen vertrete, mit denen die Glaubensbrüder und -schwestern nicht immer einverstanden seien. Born hält beispielsweise nichts vom modernen Engelkult. „Ich stehe mit beiden Beinen in dieser Welt. Und für diese Welt hat Jesus auch was gesagt.“

Wer Beten mit Bittstellen verwechsele, dem empfiehlt Hans-Josef Born ebenfalls ein Umdenken: „Wir gehen mit Gott manchmal um wie ein Chef mit seinem Angestellten. Das sollte aber eher andersherum sein.“

Dies und sicher einiges Prägnante mehr können potenziell 1 300 Gemeindemitglieder - Langstadt und Schlierbach addiert - künftig von ihrem neuen Pfarrer mitnehmen. Irgendwie findet er neben seiner neuen Aufgabe vermutlich auch noch ein wenig Zeit für sein Hobby, die Fotografie. Obwohl er sagt: „Ich bräuchte eigentlich drei Leben.“

Quelle: op-online.de

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