Premiere zum Frühlingssingen

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Gelungene Premiere vor vollem Haus: Der Projektchor „Junge Töne“ des Liederkranz Hergershausen bei seinem Auftritt mit Chorleiter Peter Wilhelm .

Hergershausen ‐ Freunde der Chormusik kamen am Samstagnachmittag im Bürgerhaus voll auf ihre Kosten: Rund drei Stunden währte das Stelldichein von gleich sechs Gesangsvereinen, die der Einladung des Liederkranz 1891 zum ersten „Frühlingssingen“ gefolgt waren. Von Michael Just

Als der letzte Ton der Sänger aus Altheim, Harreshausen, Sickenhofen, Schaafheim, Rodgau und natürlich Hergershausen verklungen war, wirkte vor allem Moderator und Vorsitzender Manfred van Bürk erleichtert, denn die Einhaltung des geplanten Programmablaufs zeigte sich alles andere als einfach. Einmal monierte er dies sogar über das Mikrofon: „Da gibt es Chöre, die singen einfach mehr Lieder als vereinbart oder halten die Reihenfolge der Auftritte nicht ein.“

Dass immer wieder improvisiert werden musste, nahm die zweite Vorsitzende, Christel Kirchhöfer auch deshalb gelassener, weil ihr keine Zeit für Aufregung blieb. Zum einen half sie an der stets frequentierten Kuchentheke, zum anderen schlummerte in ihr eine gewisse Spannung. Die rührte daher, weil der neugegründete Projektchor „Junge Töne“, dem sie ebenfalls angehört, seinem ersten öffentlichen Auftritt entgegenfieberte. „Wir wollen uns vorstellen, dazu soll das Ganze ein Kennenlernnachmittag sein, bei dem wir andere Sänger treffen“, führte sie an.

Mit der Premiere von „Junge Töne“ unternahm der vor einem Dreivierteljahr aus der Taufe gehobene Projektchor einen großen Schritt nach vorne. „Noch sind wir im Aufbau, aber derzeit sieht alles sehr viel versprechend aus“, konstatierte Kirchhöfer. So konnte man die Zahl der Mitglieder von vormals 16 auf jetzt 31 steigern. Luft nach oben bleibt trotzdem noch, wie der Mangel an Tenören in dem gemischten Chor aufzeigt.

Applaus für „Junge Töne“

Der bisher gute Zuspruch ist einer intensiven Werbekampagne von van Bürk und Kirchhöfer zu verdanken, die sich im Ort nicht scheuten, unzählige Personen anzusprechen und dabei auch von Haus zu Haus zu gehen. Offiziell abgeschlossen wird das Projekt im Frühjahr 2011, wenn der Verein sein 120-jähriges Bestehen feiert. Dann soll „Junge Töne“ das große Festkonzert eröffnen. „Ich denke, die meisten bleiben dabei und wir haben Erfolg. Das deutet sich jetzt schon an“, zeigt sich Kirchhöfer zuversichtlich.

Dass der Projektchor eine unausweichliche Maßnahme war, um die Zukunft des Vereins zu retten, daran lässt die passionierte Sängerin keinen Zweifel und verweist auf das Durchschnittsalter des Stammchores von 70 Jahren.

Grundlegend für den neuen Chor, der derzeit eine gute Mischung aus jungen und älteren Sängern beinhaltet, ist aber nicht das Alter sondern eine moderne Literatur, die auch englischsprachige Stücke oder Gospel beinhaltet. Dafür bekam „Junge Töne“ am Samstag bereits reichlich Applaus. So brillierte der Chor im ersten Teil mit einem Musicalstück („Ich wollte nie erwachsen sein“) und einem mitreißenden afrikanischen Gospel, bei dem sich Rudi Svecak als Solist hervortat. Für den zweiten Teil hatte man zwei englischsprachige Stücke in petto.

Laut Kirchhöfer werde trotz der neuen Gesangsausrichtung der Ausgleich mit der althergebrachten Literatur und auch dem Stammchor des Vereins gesucht. „Wir haben Auftritte, bei denen wir gemeinsam auf der Bühne stehen und singen“, erzählt die Hergershäuserin, die sich in beiden Chören engagiert. Die althergebrachte Literatur mit der großen Fülle an Volksliedern will sie alles andere als abschaffen, schon deshalb nicht, weil es für sie der unweigerliche Auftrag jedes Gesangvereins ist, deutsches Kulturgut zu erhalten. Dazu seien viele junge Sänger jener Literatur „in Maßen“ gar nicht so abgeneigt: „Wir lassen die Volkslieder mal einfließen, man sollte es aber auf keinen Fall übertreiben.“

Quelle: op-online.de

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