Projekt „Ich lebe und arbeite in Babenhausen“

Große Chance nutzen

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Erste persönliche Kontakte: Claudia Goes (links, Leiterin des Arbeitgeber-Service in der Kreisagentur für Beschäftigung), Jobcoach Ute Thiesen (Zweite von rechts) und Filiz Yanc Gülbey (rechts, Jobcoach und Projektleiterin in Babenhausen) im Gespräch mit Teilnehmerinnen.

Babenhausen - Viele Namenschilder liegen auf einem Tisch in der Babenhäuser Stadtmühle. Nach und nach kommen die Namensträger, nicht alle, und manche auch ein wenig später.

Sie werden freundlich begrüßt, vor allem von Filiz Yanc Gülbey, die als „Jobcoach“ der Kreisagentur für Beschäftigung die nächsten acht Monate ein Projekt mit dem Titel „Ich lebe und arbeite in Babenhausen“ leiten wird. Für Babenhausen ist es die dritte Auflage des sogenannten Regionalprojekts „Ich lebe und arbeite in Babenhausen“, landkreisweit die 28., und alle sprechen von einer „Erfolgsgeschichte“. Der Begriff findet seine Berechtigung in der Tatsache, dass die Vermittlungsquote in den ersten Arbeitsmarkt bei durchschnittlich 50 Prozent liegt – auch wenn dazu Teilzeitjobs gehören und manche der Vermittelten weiterhin auf staatliche Transferleistungen angewiesen bleiben.

Einer der Grundgedanken ist, in Ortsbezogenheit Informationsnetzwerke anzuzapfen, „denn 60 Prozent der offenen Stellen werden überhaupt nicht öffentlich angeboten“, wie Ute Thiesen erläutert. Sie ist eine „alte Häsin“ dieser Regionalprojekte, die 2008 begonnen haben. An ihren Ausführungen lässt sich auch ablesen, wie sich diese Projekte in fast einem Jahrzehnt verändert haben. Zwar ist es immer noch so, dass Fallmanager der Kreisagentur ihre Kunden dorthin schicken und die Schreiben auch den üblichen Rechtshinweis auf mögliche Sanktionen bei Nichtbefolgung enthält, aber Thiesen weist ausdrücklich darauf hin, dass am Anfang zwei Informationsveranstaltungen stehen, nach denen jeder Teilnehmer frei entscheiden kann, „ob das etwas für Sie ist oder nicht und ob Sie teilnehmen wollen. Falls nicht, drohen Ihnen keine Sanktionen.“ Später, im persönlichen Gespräch, sagt Thiesen auch: „Warum sollen wir versuchen, mit Menschen zu arbeiten, die gar nicht mit uns arbeiten wollen?“ Was der erfahrene Jobcoach Thiesen aber auch sehr deutlich herausarbeitet, ist die Tatsache, dass die Möglichkeit zur Teilnahme als Privileg und große Chance gewertet werden kann.

Die Chancen erhöhen sich dadurch, dass auch die Kommune eingebunden ist – nicht nur als Gastgeber in der Stadtmühle, sondern auch mit ihren lokalen Netzwerken. Wirtschaftsförderin Sylvia Kloetzel ist zwar verhindert, aber Bürgermeister Joachim Knoke lobt die inzwischen gut eingespielte Zusammenarbeit mit der Kreisagentur. Und das erste Mal wird bei einem solchen Projekt eine Fachkraft für Akquise eingeschaltet.

Auch Kreissozialdezernentin Rosemarie Lück und Roman Gebhardt begrüßen die inzwischen knapp 20 potenziellen Teilnehmer, die sehr konzentriert den weiteren Ausführungen Thiesens folgen. Sie erfahren, dass zu diesem Projekt die stattliche Zahl von 40 Teilnehmern eingeladen worden ist, dass in einer Vormittags- und Nachmittagsgruppe gearbeitet werden soll, dass es einen festen Plenumstag pro Woche geben soll, aber auch eine Eingangsphase mit intensiven Einzelgesprächen, mit einem Ausloten der persönlichen Stärken, mit der Fortsetzung in Gruppen, die „Erfolgsteams“ heißen, mit Bewerbungstraining und Arbeitgeberkontakten – und relativ guten Aussichten auf einen Job.

Bilder: Babenhausen und Stadtteile

Nach rund einer Stunde Einführung ist Pause – Gelegenheit zum ersten Kennenlernen untereinander und zum Gespräch mit den ebenfalls eingeladenen Pressevertretern. Die Kreisagentur sucht die Öffentlichkeit, manche der potenziellen Teilnehmer scheuen diese eher – aus verständlichen Gründen, denn Arbeitslosigkeit gilt immer noch als gesellschaftlicher Makel. Die Kreisagentur hingegen verspricht sich einen Werbeeffekt für das beachtliche Potenzial an Arbeitskraft, das in einem solchen Projekt versammelt ist.

Relativ offen sprechen zwei Frauen über ihre Situation, wollen aber trotzdem anonym bleiben. Beide sind nicht mehr die jüngsten, wollen und müssen trotzdem wieder arbeiten. Beide sind qualifiziert, eine mit Berufsausbildung, die andere kann sogar ein Studium vorweisen. Sie kann sich eine Beschäftigung in der Flüchtlingsbetreuung vorstellen. Die andere kommt aus der Seniorenpflege, möchte dort aber nicht mehr arbeiten, sondern sucht eine Beschäftigung im Büro. Beide sind sehr angetan von dem, was Thiesen ihnen erklärt hat, und glauben, dass eine Teilnahme am Projekt Hilfe auf dem Weg in einen Job geben kann. (sr)

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Quelle: op-online.de

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