Garnelen züchten ist kompliziert

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Wissenswertes zum Thema „Fischen und Überfischen“ präsentieren Stefanie Mühlhäuser (dritte von links) und Carolin Breuckmann (vierte von links) sowie ihre Schulkollegen von der Offenen Schule in einer Ausstellung im Rathaus.

Babenhausen - Moritz Wegstein, Schüler der neunten Klasse der Offenen Schule, züchtet seit einem halben Jahr Garnelen. Der Schüler hat im Rahmen des Projektes „Das Verhältnis von Mensch und Tier“ die Meerestiere gezüchtet. Von Ulrike Bernauer

Allerdings nicht die großen Exemplare, die viele Deutsche gerne in Knoblauch gebraten verspeisen, sondern die Art Red Fire, mit einer Größe von höchstens 2,5 Zentimeter ein eher unergiebiger Happen. Im Rahmen der „Comenius-Aktion“, einem multinationalen Projekt, haben sich zahlreiche Acht- und Neuntklässler der Offenen Schule Babenhausen aber nicht nur mit Garnelen, sondern auch mit dem Zustand der Mangrovenwälder, dem Beifang beim Fischfang oder der Problematik von Fischfarmen beschäftigt.

Die Ergebnisse ihrer Arbeit sind nun in einer ausgesprochen sehenswerten Ausstellung im unteren Foyer des Rathauses zu besichtigen.

„Science across Europe“

Das Projekt läuft auch unter dem Titel „Science across Europe“, weil die Themen der Comenius-Aktion im Wesentlichen im naturwissenschaftlichen Bereich angesiedelt sind und immer mit jeweils zwei Partnern aus anderen europäischen Ländern abgewickelt werden müssen. „Unsere Partner sind aktuell eine Schule in Västeras in Schweden und im französischen Nizza“, erklärt Tom Feuerstein, neunte Klasse, die Rahmenbedingungen des Projektes.

Für Stefanie Mühlhäuser und Carolin Breuckmann war die internationale Zusammenarbeit ein Beweggrund, sich schon im zweiten Jahr für dieses Wahlpflichtfach zu entscheiden. Stefanie vertrat ihre Schule schon auf einer Konferenz in Nizza, Carolin in Schweden.

Die beiden Mädchen fanden aber auch das Thema spannend: „Im letzten Jahr haben wir den perfekten Zoo entworfen und uns damit beschäftigt, welche Tiere man isst.“ Auch die anderen Schüler scheinen vom Thema „Fishing and Overfishing“ fasziniert gewesen zu sein. Umfassend sind die Informationen zum Mangrovenwald auf einem Plakat dargestellt. Diese spezielle Art des Waldes, der die Kinderstube für viele Fischarten darstellt, ist aber durch die Einrichtung von Zuchtfarmen für Garnelen gefährdet, haben die Schüler festgestellt.

Sehr sachkundig sind auch die Informationen der Schüler zum Beifang, also Meeresgetier, das unbeabsichtigt in den Netzen der Fischereiflotten landet. „Bei manchen Fischarten werden pro Kilogramm Fisch bis zu 20 Kilogramm Meerestiere mitgefangen, das ist eine gigantische Verschwendung, die ganze Arten an den Rand des Aussterbens bringt“, erläutert Stefanie Mühlhäußer.

Missstände beim Fischfang

Die Schüler beklagen aber nicht nur die Missstände beim Fischfang oder bei den Fischfarmen, die durchaus nicht helfen, die natürlichen Bestände zu schützen. Zum einen, weil die Fische in den Farmen teilweise mit ihren wildlebenden Artgenossen gefüttert werden, zum zweiten wegen der hohen Antibiotikagaben. Sie zeigen auch Wege auf, wie der Verbraucher die Fischbestände schützen kann. In einem Einkaufsratgeber kann sich der Fischliebhaber Tipps holen, welchen Fisch er bedenkenlos verspeisen kann.

Die Ausstellung ist noch bis zum Mittwoch, 30. Mai, zu den üblichen Öffnungszeiten des Rathauses im unteren Foyer zu besichtigen.

Sehen können die Besucher der Ausstellung in einem Aquarium auch die kleinen Garnelen von Moritz Wegstein. Man muss allerdings genau hinschauen, um die männlichen fast durchsichtigen Red Fire-Garnelen zu erspähen. „Die Weibchen sind größer und auch kräftiger in der Farbe“, erklärt der Neuntklässler, der nun zum Garnelenfachmann geworden ist. Nach Beendigung des Projektes will er aber nicht weiterzüchten: „Die Zucht war sehr zeitaufwändig und kompliziert, ich werde die Garnelen nun wieder verkaufen.“

Quelle: op-online.de

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