Projekt verschiebt sich

Pferde kommen später

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Solche Wildpferde werden in diesem Jahr noch nicht in Babenhausen grasen.

Babenhausen - Die Ansiedlung der Przewalski-Pferde auf dem Naturschutzgebiet hinter der Kaserne verschiebt sich um ein Jahr. Hintergrund ist die Suche nach einem Grundstück, das die seltenen Tiere aufsuchen können, um sich gegen Wind und Wetter zu schützen. Von Stefan Scharkopf

Wie mehrfach berichtet, will der Bundesforst in Zusammenarbeit mit der Stadt einige der Einhufer zunächst hier heimisch machen und später woanders auswildern.

Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz südlich der Kaserne sollen die Pferde auf etwa 40 Hektar durch Beweidung die Konkurrenzvegetation der wertvollen Magerrasengesellschaften zurückdrängen. Sie dienen so quasi als Landschaftspfleger im Managementkonzept des Natura-2000-Gebietes.

Der Bundesforst hatte ein Waldgebiet in städtischem Besitz ins Auge gefasst, südlich des Truppenübungsplatzes gelegen. Dieser Wald hat aber einigen Wert in Form von Ökopunkten. Zur Bewirtschaftung taugt der Wald allerdings wenig, da die Bäume wegen der militärischen Vornutzung teils stark beschädigt sind.

Stadt hält an der Realisierung fest

Im Laufe der Verhandlungen, teilt Bürgermeisterin Gabi Coutandin mit, fragte die Stadt nach einer Tauschfläche auf dem Konversionsgebiet. „Das von uns gewünschte Gebiet umfasst den Baseballplatz, den benachbarten Parkplatz wie auch die Fläche des Hundesportvereins. In Zusammenhang mit der geforderten Südumgehung der B26 und der angrenzenden Gewerbegebiete könnte diese Fläche erhebliche strategische Bedeutung erlangen.“ Vor etwa zwei Wochen wurde die Verwaltung vom Bundesverkehrsministerium angeschrieben, ob der Verkehrswegeplan im Fall von Babenhausen nach aktuell sei. Die Südumgehung steht nach wie vor im vordringlichen Bedarf. Die Stadt hält an der Realisierung fest.

Für den Flächentausch gibt es nun grünes Licht vom Bundesforst. Zunächst ist es an den Stadtverordneten, am 14. Februar dem Tausch zuzustimmen. Danach will der Bundesforst im Sommer mit den vorbereitenden Arbeiten für das Projekt beginnen. Es muss ein Strom- und Wasseranschluss gelegt werden. Die Tiere grasen innerhalb eines Doppelzauns, wobei der innere stromführend sein wird. Der Zaun hat eine Länge von rund sechs Kilometern.

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Weil die Flächenbewertung einige Zeit in Anspruch genommen hat, verschiebt sich das Projekt um ein Jahr. Es ist daran gedacht, zunächst vier Przewalskis dort anzusiedeln. Wenn sich herausstellt, dass die Tiere sich in ihrem neuen Habitat wohl fühlen, also beispielsweise den Magerrasen gut vertragen, sollen noch zwei weitere Pferde dazukommen.

Derweil hat die Energie- und Umweltberaterin der Stadt, Tanja Hollenbach, die Projektleitung übernommen. Sie macht sich kundig, beispielsweise in Hanau, wo bereits Przewalskis auf dem ehemaligen Militärgelände Campo Pond grasen, und überlegt, wie das Wildpferde-Projekt touristisch vermarktet werden kann. Das Projekt mit den fast ausgestorbenen Tieren ist auch als Umweltbildung für alle Altersgruppen gedacht. So könnten etwa auch Schulen mit eingebunden werden.

Dass dieses Konzept aufgehen kann, beweisen die Erfolge im benachbarten Hanau, ist sich der Bundesforst sicher. Auch hier beweiden seit 2009 Przewalski-Pferde einen ehemaligen Übungsplatz. Das Projekt ist bereits mit dem Sonderpreis der „Entente Florale“ ausgezeichnet worden und wird von der Bevölkerung laut Bundesforst „eindrucksvoll unterstützt“.

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Quelle: op-online.de

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