180 Gerichte frisch auf den Tisch

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Ohne Frage sehr gesund: Berkan Konakci, Doris Schimsheimer und Christian Geißler präsentieren ihren Obstsalat.

BABENHAUSEN - Schon um acht Uhr geht es in der Mensaküche hoch her. 20 Jungköche schnipseln Obst und Rohkost, schälen Kartoffeln und panieren Schnitzel. Von Ursula Friedrich

„Unser Fleisch stammt vom Odenwälder Metzger“, erklärt Doris Schimsheimer, Fachlehrerin für arbeitstechnische Fächer an der Joachim-Schumann-Schule, ein Zertifikat bescheinigt die Authentizität des Produkts. Was in der Lehrküche verarbeitet wird, stammt ausnahmslos von regionalen Betrieben und Erzeugern.

„Wir kochen hier nicht anonym“, erklärt die Fachfrau, die hier seit zwei Jahrzehnten jungen Menschen das Rüstzeug für gesunde Ernährung, handwerkliche Fertigkeiten und soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit mitgibt. Im Arbeitsprojekt „Schüler kochen für Schüler“ werden täglich 180 Gerichte zubereitet, frisch, ohne chemische Zusätze. Seit August 2012 wurden 12.000 Portionen gekocht.

Während sich die 14 Helfer des Jahrgangs sieben mit Obstsalat stärken, kommt die zweite Mannschaft, der Jahrgang acht mit 20 Schülern, die sich ebenfalls im Wahlpflichtangebot für das Mensaprojekt entschieden haben. Gekocht wird vom Jahrgang sieben bis zehn. Im zweiten Jahr besteht eine Kooperation mit der SchuB-Klasse der benachbarten Eduard-Flanagan-Schule.

80 junge Leute lernen im Projekt Elementares über gesunde Lebensmittel, Hygiene, Planung und Organisation in der Küche und natürlich den Prozess des Kochens selbst. „Nächste Woche wollen wir Lamacun machen“, sagt Lirim Hakiqi stolz, er hat bereits das Rezept für 100 Portionen ausgerechnet – auf Wunsch gibt es den türkischen Fladen in vegetarischer Variante. Die Kinder und Jugendlichen haben großen Anteil am Speisenplan, suchen gemeinsam nach Rezepten und sammeln Wünsche ihrer Mitschüler.

Ein Schock für alle war der Tag, als der Pferdefleischskandal publik wurde – ausgerechnet da hatte es Lasagne gegeben. Doch Doris Schimsheimer beruhigte Küchenhelfer und Mensabesucher, denn in ihrer Küche bleibt nichts dem Zufall überlassen. „Auf diesem Zertifikat sind vier D´s“, erläutert sie, „das heißt: deutscher Bauer, deutscher Schlachthof, deutscher Verarbeitungsbetrieb, deutscher Vertrieb.“ Das Fleisch kommt aus dem Odenwald, die Kartoffeln vom Bauer im Nachbarort, das Obst ebenfalls aus Deutschland. Ihre Akribie, von Kollegen zum Teil belächelt, erntet nun, da fast täglich neue Lebensmittelskandale Verbraucher beunruhigen, Dankbarkeit. „Wenn Fleisch billiger als Hundefutter ist, dann kann etwas nicht stimmen“, macht sie ihren Schülern ganz pragmatisch klar. Die wissen längst, dass Fertigprodukte ungesund sind, ihr Inhalt nur schwer nachvollziehbar ist. Pizza, Döner und Burger sind deshalb nicht tabu, werden jedoch in der eigenen Küche nach eigener Philosophie produziert.

„Ich gehe auch Mal zu McDonald´s“, erklärt Berkan Konakci, der im zweiten Lehrjahr seine Kochausbildung an der Offenen Schule absolviert, „aber das ist die absolute Ausnahme.“

„Man weiß, was man macht und man weiß, was man isst“, bringen es Lirim und Mitschüler Robin Schrodt auf den Punkt. Von diesem Essen profitiert auch die Familie, die beide Jungen gerne bekochen – ausnahmslos frisch.

In der Schullandschaft Babenhausens ist das Schülerprojekt an der OSB ein Alleinstellungsmerkmal. Wenn die Bauarbeiten an der Gesamtschule abgeschlossen sind, könnten auch Schüler und Lehrer benachbarter Schulen von dem gesunden Essen profitieren. Im Neubau wird es eine größere Küche und eine größere Mensa geben, die ihre Pforten dann auch für die Bachgauschule und die Grundschule im Kirchgarten sowie die Flanagan-Schule öffnen wird. Eine Herausforderung, die Doris Schimsheimer zuversichtlich annimmt – freilich nur nach bewährtem Konzept.

Quelle: op-online.de

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