Trainiert werden Akrobatik und der Sprachwitz

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Alois Kaselowsky erfüllte die Zirkusträume der Projektschüler.

Babenhausen - Ein Zirkus mit 150 Artisten? Das klingt erstmal ziemlich unglaubwürdig, und doch gibt es ihn. Er heißt Cassely, seine Artisten sind Kinder von Schulen oder Ferienspielen. Von Michael Just

In ihrer Projektwoche wurden nun die Grundschüler von der Schule im Kirchgarten zu Stars in der Manege.

„Wir haben von anderen Schulen gehört, die das bereits ausprobiert haben. Deshalb machten wir uns kundig und trafen uns dann mit einer ganzen Reihe von Zirkusvertretern“, erzählt Lehrerin Jutta Bennewitz. Für die nicht ganz billige Buchung fand man eine Reihe von Sponsoren, so dass die Schüler keinen Cent bezahlen mussten. Lediglich die Eltern waren mit vier Euro für die große Abschlussshow dabei. Alois Kaselowsky heißt der Chef, der Zirkusträume erfüllt. Seine acht Töchter führen in der siebten Generation eine lange Zirkustradition fort. Mit seiner Familie übte er mit den Schülern mal leichtere und mal schwerere Übungen am Trapez, bei der Akrobatik, im Laufrad oder dem (niedrig hängenden) Drahtseil ein. Dazu wurden Clowns und Fakire auf Gesten und Sprachwitz trainiert.

„Alle Kinder wollen zu den Tieren“

„Die Einteilung ist nicht einfach, weil alle Kinder zu den Tieren wollen“, erzählt der 59-Jährige. Bei der Zuordnung verlassen sich die Zirkusleute auf ihren Bauch: „Wir beobachten die Kinder ganz genau. Ihre Motorik oder wie sie sich geben, sagt uns dann, was passt.“ Dass mit Finja (7) und Sevan (9) zwei Mädchen bei der Pferdedressur landen, die auch privat reiten, beschreibt er als reinen Zufall.

Die Zusammenarbeit der Kinder mit den Tieren klappt stets einfacher als geglaubt. „Die müssen nur die richtigen Kommandos anzeigen. Dann wissen die Tiere genau, was sie zu tun haben“, erklärt einer der Cassely-Töchter. Dass die Eltern es später als Wunder ansehen, dass die Tiere ihren Kindern wie von Zauberhand gehorchen, beschreibt sie als nette Begleiterscheinung.

Schon seit zehn Jahren agieren die Bielefelder als Projektzirkus. Wegen der großen Nachfrage hat sich die Familie schon geteilt und kommt mit zwei Zelten den rund 80 Verpflichtungen im Jahr nach. Derzeit tingeln in der Bundesrepublik über 400 kleine Zirkusse umher, die oft nur vor 30 bis 50 Personen spielen. Bei den Casselys füllen 450 begeisterte Eltern, Omas und Opas das Zelt, die Fotos und Videokameras in die Höhe recken, um das Manegendebüt ihrer Kleinen einzufangen. Früher hatte der Zirkus meterlange Ställe mit Tieren und reichlich Arbeit und Futterkosten. Jetzt reichen Pferd Willi, Hund Lucky, zwei Ziegen und ein paar Tauben aus. Die Kinder sind die Stars. „Viele wollen es uns nachmachen, aber nur die wenigsten schaffen es. Die Arbeit mit Kindern sieht leichter aus als sie ist“, weiß der Zirkus-Chef.

Eignung durch drei Zertifikate ausgewiesen

Dessen Eignung wurden schon durch drei Zertifikate, darunter von der Bezirksregierung Arnsberg in Nordrhein-Westfalen, ausgewiesen. „Die pädagogische und organisatorische Eignung von zirkuspädagogischen Projekten mit Schulen wird hiermit bestätigt“, heißt es da. „Bei uns lernen die Kinder Selbstwertgefühl, Teamgeist und Sozialverhalten“, erklärt Kaselowsky. Die pädagogischen Hintergründe interessierten den Nachwuchs eher weniger.

Begeistert gingen die Schüler bei der stets flotten Hintergrundmusik, dem Anfeuern der Kollegen und dem Beifall für die eigene Person auf. Für die Show hatte der Zirkus einen extra Kostümfundus parat. Die Projektwoche sieht Finja als klasse Erfahrung für sich – und auch für die Eltern: „Deren Augen will ich bei unserem Auftritt sehen“, sagt sie.

Quelle: op-online.de

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