Hessisches Kinderförderungsgesetz

Protest gegen „reine Aufbewahrungsanstalten“

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Mit Plakaten und Trommeln: Nach einem Gottesdienst ging es für einen Protestmarsch gegen Kifög durch Babenhausen.

Babenhausen - Mit Glockengeläut und Protestmärschen demonstrierten Eltern, Kinder und Erzieher der evangelischen Kindergärten gestern gegen die Auswirkungen des geplanten Hessischen Kinderförderungsgesetzes (Kifög), das am 1. Januar 2014 in Kraft treten soll. Von Ursula Friedrich

„Allein der Name dieses Gesetzes ist ein Schlag ins Gesicht der Eltern und Kinder“, sagte Ursula Scherer, Leiterin des evangelischen Kindergartens in Babenhausen. Die Einrichtung mit derzeit 25 Kindern ab drei Jahren würde nach neuer Gesetzeslage in ihren Personalstunden derart gekürzt, dass lediglich eine Fachkraft die Gruppe betreuen könnte.

Der aktuelle Stand, 90,8 Betreuungsstunden wöchentlich, würde dann um 33,5 Prozent auf 52,5 Stunden heruntergefahren. Der Kindergarten ist existenziell bedroht, selbst wenn eine zweite Passage des Gesetzes greifen sollte: Den Kindern nach sechs Stunden Betreuungszeit ein warmes Mittagessen zu reichen.

Um den Ansprüchen der vielen berufstätigen Kindergarteneltern Rechnung zu tragen, werden derzeit in Babenhausen zwei Betreuungsmodel geboten. Eines von 7.30 bis 13.30 Uhr, ein zweites von 8 bis 14 Uhr. Ein Mittagessen zu stemmen, wäre im Moment nicht möglich.

„Die Stimmen im Dekanat vereinen sich“, schilderte Pfarrerin Andrea Rudersdorf. Denn von 20 Einrichtungen des evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald müssten bei Inkrafttreten von Kifög 17 Betreuungseinrichtungen zum Teil erhebliche Einschnitte verschmerzen.

So funktioniert das Betreuungsgeld

So funktioniert das Betreuungsgeld

„Wir wären kein Kindergarten, sondern eine reine Aufbewahrungsanstalt“, sagte Scherer empört. Sie hatte Eltern mobil gemacht, um nach dem gemeinsamen Gottesdienst in der Stadtkirche zu einer Demonstration aufzubrechen. „Nein zu Kifög – so nicht!“, mit handsignierten Transparenten marschierte der Protestzug durch die Kernstadt. Sie fühle sich für ihren gesamten Berufsstand verantwortlich, sagte Scherer. Die Ausbildung zur Erzieherin dauert fünf Jahre, „seit Jahren werden die Arbeitsbedingungen schlechter, bereits jetzt gibt es zu wenig Fachkräfte. Weitere Verschlechterungen nehmen wir nicht stillschweigend hin.“

Quelle: op-online.de

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