Protest per Luftpost

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Post für Volker Bouffier: Mit ihrer Ballonaktion an den Hessischen Ministerpräsidenten protestierten der Nachwuchs der städtischen Kindertagesstätten gegen das geplante Kinderförderungsgesetz.

Babenhausen - Die Proteste in der Stadt gegen das geplante Hessische Kinderförderungsgesetzes (Kifög) ebben nicht ab. 230 Kinder, Eltern und Erzieher trafen sich gestern zur Kundgebung auf dem Marktplatz. Von Ursula Friedrich

Heute starten die Demonstranten an der Stadthalle per Bus in die Landeshauptstadt zur zentralen Kundgebung (Beginn ist um 16 Uhr am Hauptbahnhof in Wiesbaden).

Die Gewerkschaft ver.di sammelte bereits 120 000 Unterschriften gegen die in der gelb-schwarzen Regierungskoalition Hessens entwickelte Gesetzesvorlage.

„In allen unseren Krippengruppen für Ein- und Zweijährige wird es mit dem neuen Gesetz gravierende Verschlechterungen geben“, sagte Martina Barz, Bereichsleitung Kindertageseinrichtungen beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Der ASB ist Träger von derzeit sieben städtischen Einrichtungen in Babenhausen (3) und seinen Ortsteilen (4) – rund 600 Kinder besuchen die kommunalen Betreuungseinrichtungen.

Bürgermeisterin Gabi Coutandin brachte weitere Argumente gegen das umstrittene Gesetz vor: „Geringere Öffnungszeiten werden attraktiv gemacht, Nichtfachkräfte spielen eine große Rolle und ausgerechnet Integrationskinder erhalten keine Zusatzförderung mehr.“

Transparente und Pfeifkonzert

Mit Transparenten und Pfeifkonzerten untermauerten die gut 150 kleinen Demonstranten die Protestreden der Erwachsenen. Zu guter Letzt „schwebte“ der gebündelte Protest in Form vieler Luftballons Richtung Wiesbaden. „Kita-Qualität im Sinkflug“ war auf den an den Luftballons befestigten Kärtchen zu lesen, die an Ministerpräsident Volker Bouffier adressiert waren.

Die neue Förderungssystematik nach Kifög könne insbesondere für die fachliche Qualifikation der Erzieher, Inklusionsgruppen, bedarfsgerechte Bildungsangebote, Vor- und Nachbereitungszeiten der Erzieher und Gruppengrößen entscheidende Nachteile mit sich bringen, so Coutandin. „In den U3-Gruppen können bis zu 16 Kinder untergebracht werden“, sagte Coutandin, in Ü3-Gruppen wären 25 die Regel.

Ein Beispiel für die Auswirkungen vor Ort: In der neuen altersübergreifenden Gruppe in der Harpertshäuser Einrichtung würden statt geplanter 15 künftig 20 Kinder betreut. Personalstunden für Fachkräfte müssten allerdings gestrichen werden.

Nicht tangiert wäre dagegen die Gruppenstärke in Hergershausen, wo nach der Umstrukturierung von zwei Gruppen sogar eine quantitative Verbesserung erreicht würde, wie Martina Barz erläuterte: „Ansonsten trifft die Einrichtung aber das selbe Schicksal wie die anderen auch. Wir haben einen deutlich geringeren Fachkräfteanteil.“

Quelle: op-online.de

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