Überfall auf Langstädter wird verhandelt

Rabiate Räuber stehen nun vor Gericht

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Langstadt/Darmstadt - Gut ein Jahr nach dem schweren Raub in einem Einfamilienhaus in der Langstädter Schillerstraße muss sich seit gestern ein mutmaßlicher Täter vor dem Landgericht Darmstadt verantworten. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Als einziger der wahrscheinlich drei oder vier jungen Männer konnte Remzi D. (24) aus Groß-Umstadt aufgrund einer DNA-Spur im September festgenommen werden. Wichtigster Zeuge ist Raubopfer und Hauseigentümer K. W.. Knapp drei Stunden verhörte ihn Richterin Cornelia Hartmann-Grimm. Er konnte zur Tat, die aus „Aktenzeichen XY“ stammen könnte, sehr detaillierte Angaben machen. Seine Schilderung des Sonntagabends am 26. Februar 2012: „Ich wollte fernsehen, als es klingelte. Ich erwartete meinen Nachbarn F. und war der Meinung, ihn durch die Milchglasscheibe der Haustür erkennen zu können.“ Doch als der selbstständige Kaufmann öffnet, geht alles ganz schnell. Ein Handschuh wird dem verdutzen W. aufs Gesicht gedrückt, er wird ins Haus geschoben, verliert das Gleichgewicht, fällt hin. Mehrere Personen fixieren den 1,70 Meter großen Mann auf dem Boden, legen ihm Handschellen an, wickeln ihm Panzerband um Augen, Kopf und Füße. Dann tragen sie den 65-Jährigen ins Wohnzimmer und halten ihm ein Messer an den Hals – was W. an der Klingenspitze erspüren kann.

Bei den Fragen der Täter wird W. schnell klar, wohin die Reise geht. „Wo ist dein Geld? Wo ist der Tresor? Wo ist der Schlüssel dazu?“ W., der seit Jahrzehnten als Handelsreisender agiert und schon Messer-Überfälle in Polen und Bulgarien hinter sich hat, verfällt nicht in Panik, gibt ehrliche Antworten. Nur den zweiten geheimen Tresor im Archiv erwähnt er nicht. Doch die Täter geben sich nicht mit ein paar Münzen, einer Goldkette und dem Herrenring zufrieden. Sie scheinen über Insider-Wissen zu verfügen, laufen durchs Haus, suchen gezielt und entdecken den hinter Aktenordnern versteckten Safe. Notgedrungen verrät W. auch dieses Schlüsselversteck. Hier werden die Täter fündig: 538 Silbermünzen, die als Notgroschen für seine fast erwachsenen Zwillinge bestimmt waren, Silberbarren und Uhren im Wert von 23.500 Euro. Danach verschwinden die türkisch und in Akzentdeutsch sprechenden Täter. W. gelingt es, das Klebeband abzustreifen und über seinen Nachbarn, der zu Hilfe eilt, die Polizei zu rufen.

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„Von dem Tresor wussten nur meine Söhne und meine Ex-Frau. Ich bin mir sicher, sie hat ihrer Tochter davon erzählt, und die steckt dahinter.“ Eine Behauptung, die sogar die Nachbarn im Zeugenstand teilen. Der Kaufmann: „2006 hat meine kubanische Frau ihre 14-jährige Tochter R. mit in die Ehe gebracht. Nach zwei, drei Jahren wurde es unhaltbar mit ihr, unsere Ehe ist daran gescheitert.“ R. habe ihn und andere bestohlen, in seiner Abwesenheit exzessive Partys im Haus gefeiert, Schule geschwänzt, gelogen, betrogen und „ein Gossenleben“ geführt. Zurzeit lebt R. auf Kuba, sie soll möglichst als Zeugin aussagen.

Der Angeklagte schwieg zu den Vorwürfen, sprach nur zu seinem Lebenslauf. Als Zweijähriger kam er mit seiner Familie 1990 aus der Türkei nach Deutschland. Nach dem Hauptschulabschluss fand er keine Lehrstelle und jobbte mehrere Jahre über Leihfirmen. Der Prozess wird am 10. Mai fortgesetzt.

Quelle: op-online.de

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