Zaun gesetzt

Przewalski-Pferde kommen

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Mehrere LKW-Ladungen an Pfählen und Latten bedufte es für den Zaun der Przewalski-Pferde. Mit der Abgrenzung ist die Planungs- in die Umsetzungsphase des Artenschutzprojekts übergegangen.

Babenhausen - Schon vor rund zwei Jahren wurde das Thema Przewalski-Pferde in Babenhausen lebhaft diskutiert. Nun sollen die Stuten tatsächlich kommen. Von Michael Just

Nach dem Parlamentsbeschluss für die Ansiedlung wurde es ruhig um die letzten Wildpferde der Erde. Jetzt ist das Thema wieder aktuell: In diesen Tagen wird der Zaun gesetzt. Und in der Stadt macht eine große Frage die Runde: „Ja, wann kommen sie denn?“.

„70 Hektar ist das Areal auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz der US-Streitkräfte groß“, berichtet Christoph Göbel vom Bundesforst. Damit haben die Pferde ausreichend Platz, sich wohlzufühlen. Für den vier Kilometer langen Zaun werden in relativ kurzen Abständen rund 2 000 Pflöcke gesetzt. Die runden Stämme kommen nicht direkt in den Boden: An der Basis sind sie an einer Metallhalterung befestigt. Fast gleicht es einer Materialschlacht, wenn man die Unmenge an Pfählen und Querlatten sieht, die verbaut werden. Mehrere Wochen wird das vom Bundesforst organisierte Team dafür brauchen.

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Pferde kommen später

Optik und Konstruktion sprechen für die Bedeutung des Artenschutzprojekts, das in erster Linie der Bundesforst, aber auch das Europäische Zuchterhaltungsprogramm (EEP) mit einer nicht genau bezifferten sechsstelligen Summe bezahlen. Dieses wird über sogenannte „naturschutzfachliche Leistungen“, wie etwa Ökopunkte von Großunternehmen, rückfinanziert.

Hohe Investitionskosten

Die hohen Investitionskosten sind laut den Beteiligten gut angelegt, denn die kleinen Pferde mit der borstenartigen Stehmähne sind vom Aussterben bedroht. Beim WWF stehen sie auf der gleichen Liste wie Tiger, Nashorn oder Schneeleopard. Die Vierbeiner wurden 1879 von russischen Soldaten in der Mongolei entdeckt. 1970 galten sie in der freien Wildbahn als ausgestorben. Mit nur 13 Exemplaren begann die Nachzucht in den zoologischen Gärten Europas, darunter auch in Deutschland. 2 000 Przewalskis gibt es momentan wieder, von der reinrassigen A-Linie nur etwa 100. Genau von denen sollen fünf nach Babenhausen kommen. „Geplant ist eine Stutengruppe. Deren Haltung ist unproblematischer“, weiß Göbel.

Solche Wildpferde sollen in Babenhausen grasen.

Der Bereich, wo früher Panzer fuhren und Soldaten robbten, wird zukünftig wieder zum Trainingslager – diesmal aber für Vierbeiner. Denn die Pferde, die vermutlich aus dem Münchner Zoo kommen, sollen sich hier auf ihre Auswilderung in Kasachstan, der Mongolei oder China vorbereiten. Das Gelände eignet sich dafür hervorragend: Die sandige Steppe kommt ihrer Heimat gleich. Nie landwirtschaftlich genutzt und gedüngt, hielten die Panzer das Gebiet von Bewuchs frei. Der magere Heideboden gibt vielen seltenen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum. Mit den Pferden schlägt man nun zwei Fliegen mit einer Klappe: Die finden ideale Lebensbedingungen vor, zum anderen verhindert ihr Hunger den Wuchs von Baumtrieben.

Doch wann kommen die seltenen Pferdchen nun? „Wir rechnen mit Frühjahr 2014“, kündigt Göbel an. Bis dahin entsteht noch ein zusätzlicher Elektrozaun im Inneren des Areals, um Abstand zum Menschen zu schaffen. Die Versorgung mit Wasser und Strom ist soweit abgeschlossen. „Anfassen und Füttern wird nicht möglich sein“, sagt Göbel. Die Wildpferde sollen schließlich wild bleiben. So dienen die Zäune in erster Linie dazu, die Pferde vor den Besuchern schützen – und nicht umgekehrt. Die Bürger haben aber trotzdem die Möglichkeit, was zu sehen: Von einem Hügel aus lassen sich die neuen Stars von Babenhausen gut beobachten.

Quelle: op-online.de

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