Rätsel führen ins Mittelalter

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Von Rätsel zu Rätsel und von Koordinate zu Koordinate: Bert Bernhardt und Sylvia Klötzel stellten diese Woche das neue Geocaching-Angebot der Stadt Babenhausen vor.

Babenhausen - „Nur noch 62 Meter. Wir kommen unserem Ziel näher“, sagt Bert Bernhardt und schaut gebannt auf sein GPS-Gerät. Wenig später erreicht er die Alte Apotheke von 1774 und schaut auf die Frage in seinem Rätselbogen. Von Michael Just

„Wann wurden die Heilpflanzen auf der Fassade geschnitzt?“ heißt es da. Die Antwort B, die auf einem Schild an der Hauswand steht, gibt auch gleichzeitig die neuen Koordinaten vor: Sie lauten „N49Grad57. 696“ und „E008Grad57. 126“ und führen per Satellitennavigation direkt zur nächsten Babenhäuser Sehenswürdigkeit.

Ab sofort nimmt die Wirtschafts- und Tourismusförderung der Stadt eine neue Zielgruppe ins Visier: Es sind die Freunde des Geocaching oder solche, die dieses moderne Erlebnisangebot einmal ausprobieren möchten. Das Geocaching ist eine Art Schatzsuche, die der früheren Schnitzeljagd gleichkommt. Den Teilnehmern wird dabei mit einem GPS-Gerät die Wanderroute beziehungsweise der Weg gezeigt. „Derzeit gibt es schon 1,4 Millionen ausgelegte Schätze und hunderttausende Schatzsucher weltweit. Alle Informationen laufen in der Regel im Internet zusammen“, weiß Bernhardt. Vor rund einem Jahr brach beim Vorsitzenden des Turnvereins die Begeisterung für das Geocaching aus. Seitdem hat er sich selbst schon auf die Suche nach rund 30 Schätzen gemacht und auch eigene „Caches“ versteckt. Das Wort „Schatz“ ist dabei nicht wörtlich zu nehmen: Meist handelt es sich um eine kleine Plastikkiste, in der ein Log-Buch liegt, in das sich der Suchende eintragen kann.

Stadt auf spielerische Art entdecken

Um einen Schatz geht es beim Geocaching in Babenhausen nicht, sondern darum, die Stadt auf spielerische Art zu entdecken und viel Wissenswertes über ihre mittelalterliche Geschichte zu erfahren. Zwölf historische Punkte werden per GPS angelaufen, an jedem Standort gibt es ein Rätsel zu lösen.

„Die Idee dazu ist uns schon vor zwei Jahren gekommen“, erzählt Sylvia Klötzel von der städtischen Wirtschaftsförderung. Aber erst als man vor wenigen Monaten beim Kunst- und Kulturwochenende mit Bert Bernhardt ins Gespräch kam, entwickelte der die Tour, die sich je nach Schnelligkeit in ein bis zwei Stunden bewältigen lässt. Sie ist geeignet für Wanderer, Kulturinteressierte, aber auch für Gruppen jeglicher Art wie etwa Schulklassen. Man kann sie alleine angehen oder unter der Führung von Bernhardt, der sich sowohl beim Geocaching als auch in der Stadtgeschichte auskennt. Die GPS-Geräte lassen sich im Tourismus-Büro - dem i-Punkt - gegen einen Beitrag von zehn Euro und der Hinterlegung des Personalausweises leihen. Dort gibt es auch den Rätselbogen. Wer bereits ein GPS-Gerät besitzt oder ein Handy mit einem entsprechenden Navigations-App kann den Bogen auch im Internet ausdrucken und direkt loslegen.

Schatzsucher müssen überlegen, wie sie Hindernisse überwinden

Neben dieser Stadtführung der besonderen Art warten in Babenhausen bereits zwölf Schätze darauf, von Geocaching-Freunden gehoben zu werden. Wie Bernhardt sagt, macht das Geocaching aus mehreren Gründen Spaß: So zeigt der Pfeil auf vielen GPS-Geräten nur die zu gehende Luftlinie an. Die Schatzsucher müssen bei Hindernissen dann zusehen, wie sie diese überwinden und dabei trotzdem die Richtung halten. Auch kann etwa durch das Mauerwerk die Satelliten-Strahlung abgeleitet werden und dadurch das Ziel um mehrere Meter von den Angaben des Gerätes abweichen. Dieses gilt es dann mit Cleverness ausfindig zu machen. Nur eines sollte man laut Bernhardt dringend vermeiden: die nicht exakte Eingabe der Koordinaten. „Sonst kommt man am Ende in Timbuktu raus.“

Quelle: op-online.de

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