Raketen, Müll und Wildpferde

Babenhausen: „Osterferien-Special“ bietet Kindern Kontakte und Abwechslung

Raketen, die später im Feld auch wirklich in den Himmel stiegen, bauten die Kinder in der Ferienspielwoche der städtischen Jugendförderung.
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Babenhausen: Raketen, die später im Feld auch wirklich in den Himmel stiegen, bauten die Kinder in der Ferienspielwoche der städtischen Jugendförderung.

Die Zündschnur glüht, der Countdown läuft. Dann zischt die kleine selbst gebaute Rakete von ihrer Startrampe im Babenhäuser Feld in den Himmel. Ethan, Yannik, Ben und Benno beobachten den Jungfernflug begeistert. Schließlich haben die vier Jungs im Alter von sechs bis neun Jahren einen ganzen Vormittag mit Laubsäge, Kleister und Farbe eifrig gewerkelt.

Babenhausen - „Es ist gut, wenn sie handwerklich mal was machen“, sagt Sozialpädagoge Günther Titz.

Der Mitarbeiter der städtischen Kinder- und Jugendförderung betreute während des viertägigen „Osterferien-Specials“ vergangene Woche den Workshop „Raketenbau“, bei dem an zwei Vormittagen jeweils vier Kinder mit seiner tatkräftigen Unterstützung herumwerkelten. Auch FSJler Dominik Walter hatte ein Auge auf die Jungs mit den Sägen, die in ihrer Arbeit aufzugehen schienen. Für sie eine ungewohnte Beschäftigung, bestätigten die vier auf Nachfrage.

Nachdem die städtische Osterferienfreizeit im vergangenen Jahr wegen der damals noch vorherrschenden Unwissenheit über Pandemie Schutzmaßnahmen komplett ausfiel, konnte vergangene Woche zumindest ein der Situation angepasstes Programm stattfinden. Ist doch gerade in diesen tristen und auch für Kinder oft einsamen Zeiten jede Abwechslung und der Kontakt zu anderen Gold wert.

Möglich waren Ausflüge und Workshops in getrennten Kleingruppen mit maximal vier Masken tragenden Kindern, überwiegend unter freiem Himmel. „Außerdem mussten die Angebote, den Vorschriften entsprechend, einen bildenden Charakter haben. Denn Bildungsangebote sind erlaubt“, sagte Jugendpfleger Michael Spiehl, der Leiter der städtischen Kinder- und Jugendförderung.

Er kann den Pandemie-Vorgaben auch etwas Gutes abgewinnen. „Alles hat Vor- und Nachteile. In Kleingruppen ist vieles effektiver. Man kann sich mehr um das einzelne Kind kümmern. Der Raketen-Workshop beispielsweise hat nur stattgefunden, weil es so kleine Gruppen waren. Den wollten wir eigentlich schon länger mal anbieten. Aber bei diesen handwerklichen Arbeiten ist relativ viel Betreuung nötig, und vor Corona hatten wir bei Workshops oft um die 16 Kinder. Das wären zu viele gewesen“.

Nicht nur die Zahl der Kinder bei den einzelnen Events – zwei bis drei verschiedene wurden pro Tag angeboten –, sondern auch die Gesamtteilnehmerzahl war in diesem Jahr niedriger: „Insgesamt 13 Kinder haben teilgenommen, die meisten hatten das Paket mit mehreren Angeboten gebucht. Im Jahr 2019 waren es 29 Kinder“, verglich Spiehl die Resonanz.

Der Startschuss für den Ferienspaß fiel mit einem actionreichen Ausflug zum Abenteuerspielplatz „Colorado-Park“ in Frankfurt, wo Wild West-Atmosphäre für gute Laune sorgte. Bei Kreativ-Workshops wurden ausgefallene Vasen in Mosaiktechnik und dekorative Foto-Wimpelketten gebastelt. Eine spannende Rallye brachte die Kinder zum Babenhäuser „Flora-Fauna-Habitat“ und zu den dort lebenden Przewalskipferden, wo eine fachkundige Führung allerlei Wissenswertes vermittelte.

Fündig wurden die Kinder, die als „Umweltdetektive“ mit Michael Spiehl und dem FSJler Moritz Spiegel in und um Babenhausen unterwegs waren. Die Themen hier: wilder Müll, Umweltschutz und Mülltrennung. Bei ihrer Spurensuche in Wald und Feld stöberte die Truppe ein geklautes Fahrrad und eine Matratze auf. Sie riefen die städtische Ordnungspolizei dazu, die die Sache aufnahm. Denn die Kinder sollten auch erfahren, wie man in einer solchen Situation vorgeht, so Spiehl. Bei einem Rundgang auf dem städtischen Bauhof, wo der wilde Müll zwischengelagert wird, inspizierten die kleinen Umweltdetektive zahllose große Recycling-Container.

Als sie neben den Sammelbehältern mit Aufschriften wie Gasbetonsteine, Rigips, Reifen, Sperrmüll oder Flachglas einen mit dem Schriftzug „Windeln“ entdeckten, war die Überraschung groß. Und offensichtlich startete ein Kopfkino, denn nach einem neugierigen Blick mit prophylaktisch gerümpfter Nase ins Innere des Containers verkündeten sie erleichtert: „Die sind alle in großen Plastiksäcken eingepackt“. (Petra Grimm)

Babenhausen: Auf ihrer Tour über den Bauhof mit Jugendpfleger Michael Spiehl (links) und dem FSJler Moritz Spiegel inspizierten die Kinder auch diverse Recycling-Container, hier den mit Flachglas.

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