Raketen statt Konfettibeschuss

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Krokodil und Schneewittchen beweisen es: Die Babenhäuser sind gerüstet für die Fastnacht.

Babenhausen - Seit langer Zeit fordern die Narren beim Rathaussturm zur Machtübernahme neben dem Schlüssel zur Verwaltung auch die Stadtkasse. Von Michael Just

In den vergangenen Jahren kam in puncto jener Schatulle ein Schuss Ironie hinzu: Denn die Antwort der jeweiligen Bürgermeister, dass die Stadtkasse doch leer sei, entpuppte sich nicht als Täuschung, sondern als bittere Wahrheit.

Am Samstagmorgen, beim Rathaussturm zur aktuellen Kampagne, schien das neue Prinzenpaar, im Gegensatz zu manchen Vorgängern, über die Haushaltslage besser informiert zu sein: „Die leere Stadtkasse könnt ihr von uns aus behalten“, sagten Frank II. und Lydia I. Die kleine Kiste zeigte sich dann aber doch gut gefüllt: Wie gewohnt, mit Süßem für die anwesenden Kinder.

Zur Rathauseinnahme versammelten sich alle überzeugten Karnevalisten um 11.11 Uhr auf dem Marktplatz. Das Wetter hatten sie auf ihrer Seite. Zwar war’s eisig kalt, dafür schaute die Sonne diesem wichtigen Ereignis der fünften Jahreszeit zu. Bevor die Gardisten alias Männerballett der Hypertonics ihren mitgebrachten Rammbock an der Rathaustür ansetzten, verbreitete die Tanzgarde des CVB den nötigen Schwung.

Als alle Beine wieder fest auf dem Boden standen, kam Prinz Frank einer der schönsten Aufgaben seiner Regentschaft nach: dem Dankeschön in Form von Küsschen an die hübschen Gardemädchen. Dabei überraschte ihn seine Majestät im Kleinformat. Plötzlich stand Kinderprinz Tobi I. an seiner Seite und „bützte“, wie man in Köln sagt, kräftig mit. Auch wenn Frank Müller nicht der leibliche Vater ist, musste er sich von Hofmarschall Roland Keil die Frage gefallen lassen, von wem der Kleine das wohl geerbt habe.

Anstatt das Rathaus sofort mit Gewalt zu übernehmen, bereiteten sich die närrischen Hoheiten zunächst mit Schunkelrunden auf den anstehenden Sturm vor. Das Kinderprinzenpaar führte dabei an, was es tun würde, wenn es die Macht im Rathaus besäße: „Eine Sitzung nur für Kinder wäre toll.“ Auch langes Aufbleiben und eine Brücke über die B26, sodass der junge Prinz besser von Sickenhofen zu seiner Angebeteten nach Langstadt kommt, offenbarten sie als genehm.

Zur Öffnung der Rathaustür war in diesem Jahr der Beschuss mit Konfetti verboten. Das ist kein Witz. Vielmehr liegt der plausible Grund darin, dass das Konfetti aus den Ritzen des Kopfsteinpflasters nur schwer zu entfernen ist. Das Gefecht untermalten deshalb stadtbekannte Pyrotechniker mit dem Abschuss von Raketen.

Zuerst wehrte sich Bürgermeisterin Gabi Coutandin, mit pinkfarbenem Cowboyhut und Boa gekleidet, von einem Rathausfenster aus standhaft. Die Eroberer führten zur Einschüchterung politische Versäumnisse an: „Die ganze Stadt steckt voller Probleme: Westumgehung, Wohngebiet Lachewiesen, leerstehende Läden oder Kiesseen statt Ackerland. Es ist noch schlimmer als der übelste Traum“, hieß es da. Die Verwaltungschefin antwortete umgehend: „Die Heizung steht auf sparen. Würden wir nicht arbeiten, wären wir schon erfroren.“ Und: „Mit Schildern vor das Rathaus laufen, davon kann sich keiner was kaufen.“ Selbstironie bewies Coutandin als sie sagte, dass sie das Rathaus mit ihrem Leben verteidigen würde. Der Grund: „Wir Politiker kleben doch an unseren Stühlen.“ Am Ende ergab sie sich dann doch. Unter der Prämisse, dass am Aschermittwoch alles vorbei sei.

Bis dahin ist noch genügend Zeit, so dass dem karnevalistischen Frohsinn ab sofort Türen und Tore geöffnet sind. Die dürften in diesem Jahr doppelt eingerannt werden, denn dass 55-jährige CVB-Bestehen ist ein weiterer Grund, groß zu feiern.

Quelle: op-online.de

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