Freude bei leuchtendem Grün

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Das „Urhessische“ ist in diesem Fall grün: Johanna und Ilse Ranis beim Zerkleinern der Kräuter.

Babenhausen - „Jetzt wird das Weiße grün. Und dann kommt die Sache richtig lecker rüber“, sagt Johanna Ranis, während sie die Kräutermischung, die vorher durch den Fleischwolf gelaufen ist, mit einem großen Löffel unter den Quark, den Joghurt und die saure Sahne rührt. Von Michael Just

Später kommen noch Eier dazu, und das Ganze wird mit Salz abgeschmeckt. Dass genau sieben spezielle Kräuter (Kerbel, Kresse, Schnittlauch, Pimpinelle, Petersilie, Borretsch und Sauerampfer) verwendet werden, lässt Kenner bereits erahnen, um was es in diesem Fall geht: Leckere Grüne Soße. Die ist jetzt um die Osterzeit der Renner beim Ranishof. Man bekommt sie fertig oder als Kräuterpackung für Hobbyköche, die ihre ganz eigene Geschmacksnote kredenzen wollen. Vor dem Gründonnerstag wandern in der Platanenallee über 150 gemischte Kräuterpäckchen über die Theke. Der Grund liegt im nahen Osterfest: „Der Gründonnerstag ist eben grün“, lacht Ranis und der fleischlose Karfreitag lade ebenfalls auf das hessische Heiligtum ein.

Die Grüne Soße steht für eine Spezialität aus Frankfurt und dem südhessischen Raum. Und das nur dort: „In anderen Regionen Deutschlands und selbst auf dem Viktualienmarkt in München ist sie völlig unbekannt. Wir kennen Pendler, die sich die Soße deshalb mitnehmen“, erzählt die 63-Jährige, die vorher als Köchin in einem Groß-Umstädter Kindergarten gearbeitet hat. Von den benötigten Kräutern kann der Ranishof aus Platzgründen nur eine geringe Menge selbst anbauen. Der Rest wird von einer bekannten Quelle aus Frankfurt geliefert. Sieht Tochter Ilse (39) das leuchtende Grün der Kräuter, ist damit noch eine andere Freude verbunden: „Sie symbolisieren das Ende des Winters und dass der Frühling Einzug hält. Das ist ein tolles Gefühl.“

Grüne Soße zum Aufstehen

Als Kinder vom Bauernhof wissen Mutter und Tochter, was frische Kräuter wert sind. „Ich habe Kräuter gerne im Salat, aber auch beim Kochen und Anbraten. Wenn beispielsweise Thymian oder Rosmarin ihre ätherischen Öle freisetzen, ist das immer ein toller Genuss“, sagt Ilse Ranis. Noch ein Geheimtipp ist es, die Grüne Soße mit ein wenig Bärlauch zu versetzen. Hier ist aber Vorsicht geboten: Wird der Bärlauch zu großzügig verwendet, schmeckts schnell „knobelig“ und bitter.

Die beste Grüne Soße wird frisch zubereitet und ist deshalb als Frischeprodukt nur drei bis vier Tage haltbar. Je nach Geschmack können noch Zitrone oder Mayonnaise hinzugefügt werden. Traditionell gemacht kommt sie völlig ohne Chemie und Bindemittel aus. Für Johanna Ranis schließt sich die Kombination aus Kräutern und Chemie eigentlich von selbst aus. „Wer mit Kräutern zu tun hat, mag keine Chemie“, bringt sie es auf den Punkt. Die habe im Essen nichts verloren. Nicht nur hier bestehe beim Verbraucher Aufklärungsbedarf, sondern auch bei der Tatsache, dass wieder mehr saisonal gegessen werden sollte. Erdbeeren oder Spargel im Winter aus Südamerika sind für die Babenhäuserin ein Unding.

Und was kommt im Hause Ranis als Osteressen auf den Tisch? Der Sonntag wird nach dem Ausschlafen vermutlich von einem Brunch mit einem späten Frühstück bestimmt, bei dem es Lachs und Schinken gibt. Die Garnierung lässt sich mit dem Lesen dieses Artikels schnell erraten: Grüne Soße. „Die kann ich zu fast allem essen, auch zur Bratwurst“, erzählt die Tochter und schickt hinterher: „Grüne Soße geht bei mir immer, selbst morgens nach dem Aufstehen.“

Quelle: op-online.de

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