„Rauchen ist gar nicht cool“

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Herz gesund? Die Klasse 7 (9) der Offenen Schule nahm an der Kampagne „Rauchzeichen“ der deutschen Herzstiftung teil, deren Schirmherr Professor Martin Kaltenbach (hinten rechts) ebenfalls nach Babenhausen reiste.

Babenhausen (ula) - „Rauchen kann tödlich sein“. Diese Warnung steht auf vielen Zigarettenpackungen, scheint angesichts 40 000 neuer Lungenkrebserkrankungen jährlich aber ihre Wirkung zu verfehlen.

„Abschreckung“ sei als Suchtprävention ungeeignet, so Heike Vogel, Klassenlehrerin der 7 (9), an der Joachim-Schumann-Schule. Ihre Schüler profitieren wie die übrigen Siebtklässler der Gesamtschule von einer Aufklärungskampagne der Deutschen Herstiftung. „Rauchzeichen“, so das Motto der Aktion, die auf Information statt „Angstmache“ setzt und innerhalb der derzeitigen Projektwoche an drei Tagen stattfand.

„Wenn man eure Lunge aufklappen würde, wäre sie so groß wie ein Fußballfeld“, erzählt Dr. Nikos Stergiou, Herzspezialist an der Klinik Seligenstadt, seinem verblüfften Publikum. Dass die Lungenoberfläche nach einer Raucherkarriere auf die Größe des Elfmeterraums zusammenschnurrt, leuchtet allen ein. „Krass“, so das Urteil der Jugendlichen, die konzentriert den plastischen Ausführungen des Arztes folgen. „Vor 40 Jahren hat keiner über das Rauchen aufgeklärt, weil niemand etwas darüber wusste“, so Stergiou. Dank moderner Medizin und Technik werden die Folgen des Rauchens mühelos mit Röntgenaufnahmen und Ultraschall in jedem Klassenzimmer „live“ erlebbar. „Schlaganfall, Herzinfarkt, Raucherbein“, die Folgen von Arterienverkalkung werden vom jungen Publikum als so dramatisch erkannt, dass spontaner Applaus ausbricht. Applaus über die Arbeit jenes Mannes, der die ersten Herzkatheter in Deutschland implantierte.

Erfolgreiche Kampagne

Und der nun ganz bescheiden in der hinteren Reihe des Physiksaales sitzt: Professor Dr. Martin Kaltenbach. Wie viele seiner Kollegen hat es sich der inzwischen über 80-jährige Mediziner zur Mission gemacht, junge Menschen über die Folgen von Tabakrauch aufzuklären, ob aktiv, passiv oder per trendiger „Shisha“ konsumiert. Professor Kaltenbach ist Schirmherr des Raucherpräventionsprogramms der Deutschen Herstiftung, das vor rund fünf Jahren ins Leben gerufen wurde.

„Mir wurde als junger Mensch ein abgehacktes Raucherbein auf einem Foto gezeigt“, erinnert sich Nikos Stergiou. „Wir wollen versuchen, die Argumente für und wider das Rauchen so zu diskutieren, dass die Jugendlichen für sich eine möglichst bewusste Entscheidung treffen können“, so Michaela Nedela-Morales. Derzeit erarbeitet die Herzstiftung eine anonyme Umfrage, um ein „Feedback“ des Programms, das in siebten Klassen durchgeführt wird, zu erhalten. „Rauchst du inzwischen?“ So die prägnante Frage, die sich an die Schüler richtet.

Die Kampagne ist inzwischen so erfolgreich, dass Michaela Nedela-Morales und das ehrenamtlich mitwirkende Ärzteteam einen vollen Terminkalender hat. Rund 10.000 Schüler werden jährlich besucht, um möglichst vor dem Einstiegsalter die Gefahren des Rauchens zu kennen. Dass Rauchen gar nicht „cool“ ist, beweist ein Zitat auf dem Flyer des Programms „Rauchzeichen“. Marlboro-Man Wayne McLaren hat kurz vor seinem Tod mit 51 Jahren, eine Folge des Tabakkonsums, eine Botschaft hinterlassen: „Ich beende mein Leben unter einem Sauerstoffzelt. Ich sage euch, Rauchen ist das nicht wert.“

Quelle: op-online.de

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