Ein Raum gilt den Räuberbanden

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Georg Wittenberger vom Heimat- und Geschichtsverein (2.v.l. ) führte die Besucher durch die zugänglichen Räume. Einige Bereiche waren aus Sicherheitsgründen abgesperrt.

Babenhausen (pg) - „Sie befinden sich auf einer Baustelle. Bitte halten Sie sich aus Sicherheitsgründen von den abgesperrten Bereichen fern“, ermahnte Georg Wittenberger vom Heimat- und Geschichtsverein die Führungsteilnehmer.

Zahlreich hatten sie sich am Sonntag, dem bundesweiten Tag des Offenen Denkmals, vor dem historischen Gebäude in derAmtsgasse 32 eingefunden.

In dem in zwei Abschnitten 1555 und 1570 erbauten Amtshaus der Gayling wird das künftige Territorialmuseum eingerichtet. Derzeit ist das Gebäude, das der vom Babenhäuser Unternehmer Dieter Aumann gegründeten, gemeinnützigen „Stiftung Amtsgasse 32“ gehört, aber noch eine riesige Baustelle. „Das Dach soll kommende Woche fertig werden. Die gesamte Sanierung wird aber wohl bis Dezember nächsten Jahres gehen“, informierte Wittenberger, der rund 200 interessierte Bürger, in Gruppen von maximal 25 Personen eingeteilt, durch die Räume führte. Einige waren aus Sicherheitsgründen nicht zugänglich.

Räuberbanden und Kleinstaaterei

Zuerst ging es ins Hochparterre, wo ein großer Seminarraum für Vorträge oder auch wechselnde Ausstellungen entstehen. Hier wurden bereits Wände entfernt. „Diesem Raum gegenüber sind zwei kleinere Räume, die für die Bibliothek genutzt werden sollen. Außerdem werden auf dieser Ebene eine Toilette, die Garderobe und eine Teeküche eingerichtet“, erklärte Wittenberger. Danach folgten ihm alle über die enge gewundene Treppe in den ersten Stock, der wie die anderen Etagen auch ungefähr 100 Quadratmeter Fläche hat. Hier werden vier Räume mit thematischen Schwerpunkten eingerichtet. In einem wird das Schloss im Mittelpunkt stehen, ein zweiter Raum wird die Geschichte der Grafschaft Hanau-Lichtenberg beinhalten. Außerdem ist ein Raum zum Thema Räuberbanden und Kleinstaaterei geplant. „Stichworte hier sind der Schinderhannes und Hölzerlips“, so Wittenberger.

Der vierte Raum wird über die Herren von Gayling informieren. „Sie führten die Regierungsgeschäfte in der Stadt, wenn der Graf nicht anwesend war“, erklärte Wittenberger. Diese mächtigen und gut betuchten Amtsleute könne man von ihrem Status etwa mit heutigen Ministern vergleichen. Die dritte Station der Führung war das Dachgeschoss. „Hier bitte nur auf die Balken treten. Wir wissen nicht sicher, wie gut die restliche Decke trägt“, warnte Wittenberger. Beim Blick nach oben war das komplett neu gedeckte Dach zu sehen. Hier wird auch eine kleine Heizung Platz finden. „Sehr warm soll es ja gar nicht sein im Museum. Wegen der Ausstellungsstücke nur um die 17 Grad. Nur der Seminarraum wird wohl etwas wärmer sein“, erklärte er.

Der Arbeitstitel für die Ausstellung unter dem Dach lautet „Freud und Leid in Babenhausen“. Die Themenpalette reicht dabei vom Dreißigjährigen Krieg, der Hexen- und Judenverfolgung bis zur Industriegeschichte. „Dabei wird die Cellba natürlich eine herausragende Rolle spielen“, so Wittenberger, der die Baustellenbesucher zum Abschluss noch in den Gewölbekeller führte. Hier werden Exponate aus der Ur- und Frühgeschichte zu sehen sein. „Viele Fundgegenstände aus Babenhausen, wie Werkzeuge, Tongefäße oder Schmuckstücke, sind bei bestimmten staatlichen Stellen eingelagert, beispielsweise im Hessischen Landesmuseum oder auch in Dieburg“, sagte er. Da werde man einige für das Museum bekommen. Im Hof des Anwesens ist ein kleines Häuschen zu sehen. Es soll als Magazin dienen. Ein interessantes, inhaltliches Konzept für das künftige Museum ist also bereits entworfen. „So kann es nach Abschluss der Sanierungsarbeiten nahtlos weitergehen“, sagte Wittenberger.

Quelle: op-online.de

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