Reger Betrieb bei Hautflüglern

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Norbert Rösinger und sein Freund und Imker-Kollege Frank Hendlmeyer aus Babenhausen mit einer Wabe. 

Babenhausen/Schaafheim ‐ Der Frühling ist trotz Aprilwetter auf dem Vormarsch, draußen blüht es zunehmend, was nicht nur Zweibeiner an die frische Luft, sondern auch Honigbienen aus ihrem Winterversteck lockt. Von Katrin Görg

So herrscht an den Bienenkästen von Norbert Rösinger und Martin Hartmann reger Betrieb: Es summt und brummt, Bienen fliegen ein und aus. Der Schaafheimer Hobby-Imker Norbert Rösinger hat drei Bienenkästen in Harreshausen, Martin Hartmann aus Babenhausen besitzt 35 Kästen in Langstadt, Harreshausen und Schaafheim. Für ihn ist die Imkerei mehr als ein Hobby. Er meint: „Wenn man mehr als zehn Kästen hat, ist das schon Arbeit!“ Norbert Rösinger öffnet einen seiner drei Kästen, holt eine Wabe heraus. Viel Honig haben die Bienen noch nicht eingelagert. Denn die Ernte ist erst Mitte Mai. Bis dahin legen seine Bienen noch weite Streckenzurück. „Um ein Glas Honig zu füllen, müsste eine einzelne Biene dreieinhalb Mal um die Welt fliegen. Dabei sammelt sie 1,5 Kilo Nektar für 500 Gramm Honig“, erklärt Hartmann die Kostbarkeit, auch „Trank der Götter“ genannt.

Martin Hartmann zeigt seine alte Honigschleuder.

Während Rösinger am geöffneten Bienenkasten hantiert, trägt er keinen Schutzanzug. Er vertraut auf die Sanftmütigkeit seiner Bienen: „Ich ziehe nie einen Schutz über, meine Bienen stechen kaum!“ Beide Imker haben die besonders zahme Rasse Carnica, Hartmann teilt dennoch nicht die Einstellung seines Kollegen: „Ich arbeite niemals ohne Schutz mit meinen Bienen. Zwar ist nicht jedes Volk gleich, wie nicht jeder Mensch gleich ist, doch das Gestochenwerden bleibt eben nicht aus.“ Ob die Bienen nun eher sanftmütig oder aggressiv sind, das kann auch vom Wetter abhängig sein, sagen beide. Schönes Wetter mit Sonnenschein wirke sich demnach positiv auf das Gemüt der Bienen aus, schlechtes Wetter mit hoher Luftfeuchtigkeit negativ. Für Menschen mit dunkler Lockenmähne ist besondere Vorsicht geboten: „Der natürliche Feind der Biene ist der Bär. Deshalb verbindet sie automatisch die Faktoren ‚dunkel‘ und ‚wollig‘ mit Gefahr und wird aggressiv. Sticht eine Biene, so tut sie das meist ins Gesicht, da der Bär hier am verletzlichsten ist“, erklärt Hartmann. Ist der Honig reif, verschließen die Bienen die vollen Kammern mit einer Wachsschicht. Überzieht diese Schicht die gesamte Wabe, ist es Zeit sie herauszunehmen und auszuschleudern. Das geschieht mit einer Honigschleuder. Rösinger und Hartmann haben beide vollelektronische Schleudern, früher mussten die Imker noch mit Muskelkraft kurbeln. Eine solche altmodische Schleuder, wie sie noch vor 50 Jahren gebraucht wurde, steht heute bei Martin Hartmann als Dekoration im Honig-Laden. Beim Schleudern wird der Honig durch die Zentrifugalkraft aus den Waben in die Trommel befördert, dort läuft der Honig durch zwei, drei Siebe und kommt klar, ohne Wachsrückstände aus dem Hahn am unteren Teil der Schleuder in den Gläsern an.

Die letzte Honigernte von Norbert Rösinger betrug rund 400 Kilogramm. „Allerdings von zehn Völkern, sieben habe ich nach dem Winter verloren.“ Hartmann erntete gut 1 500 Kilo aus 45 Kästen mit durchschnittlich um die 50 000 Bienen. Er verlor zehn seiner Völker. „Mit diesem Verlust bin ich noch gut weggekommen“, sagt er. Grund für das Wegsterben ganzer Bienenstämme ist die Vaorramilbe. Sie verschafft sich Zugang in die Kästen, sticht dort in die Brut oder knabbert die Bienen direkt an. In diesem Jahr sei der Verlust durch die Milbe besonders schlimm, sagt Rösinger: „In ganz Deutschland sind zirka 200 000 Völker betroffen. In manchen Regionen gibt es momentan überhaupt keine Bienen mehr.“

Den Honig verkaufen beide größtenteils von zuhause aus, Hartmann liefert aber auch an Naturkost- und Hofläden sowie an einen Supermarkt. Die Sorte bestimmen die Blüten, deren Nektar die Bienen sammeln, in der Region vor allem Blüten von Obstbäumen, Raps und aus dem Wald. Die Sorte lasse sich ganz einfach herausschmecken, sagt Norbert Rösinger. „Wenn die Bienen hauptsächlich an Kirschblüten waren, schmeckt der Honig richtig nach Kirsche.“

Quelle: op-online.de

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