Regisseurin oder Archäologin?

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Diana Sink aus Groß-Zimmern (links) und die Babenhäuserin Stefanie Roth können sich diverse Studiengänge vorstellen.

Darmstadt/Babenhausen ‐ „Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin und leider auch Theologie durchaus studiert mit heißem Bemüh´n!“ Was sich Goethes Doktor Faustus alles Wissenschaftliches zu Gemüte führte, dient wohl kaum als Empfehlung für die heutige Wahl des Studiums.  Von Jens Dörr

Aber der Weg an die Universität, Fachhochschule oder die Ausbildung in einem dualen Studiengang – Arbeiten und Büffeln parallel – ist jederzeit ein Thema für junge Menschen, die ihr Abitur machen.Wer noch innere Diskussionen mit sich führt, will vor allem eines: Informationen in Hülle und Fülle. Genau die bieten die Hochschul- und Berufsinformationstage Darmstadt – kurz „Hobit“ genannt. Seit Dienstag und noch bis zum heutigen Donnerstag laden jeweils von 8 bis 17 Uhr mehrere Veranstalter zu ihrer gemeinsamen Veranstaltung ins Kongresszentrum „Darmstadtium“: TU Darmstadt, Hochschule Darmstadt (FH), Evangelische Hochschule Darmstadt, die Arbeitsagentur, die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände und die Wissenschaftsstadt Darmstadt.

Die „Hobit“ ist die Anlaufstelle Nummer eins für Schüler und Schulabsolventen in Darmstadt und der Region, geht es um die Ausbildungs- oder Studienplatz-Orientierung.

Die Interessen sind breit gefächert

Wie breit gefächert die Interessen mancher Schüler sind und wie stark in der Oberstufenzeit Orientierungsbedarf herrscht, verdeutlicht auch Schülerin Stefanie Roth gut: Die 17-Jährige aus Babenhausen hat an der Dieburger Alfred-Delp-Schule (ADS) mit Religion und Biologie eine seltene Kombination bei den Leistungskursen gewählt und kann sich von Rechtswissenschaften bis Archäologie vieles vorstellen. „Es ist schwierig, etwas zu finden, womit man völlig zufrieden ist“, vermutet sie. Im Optimalfall würde sie gerne wissenschaftlich und praktisch zugleich arbeiten und dabei ihre soziale Ader einbringen: Roth arbeitet ehrenamtlich für die Johanniter Unfall-Hilfe in Dieburg, engagiert sich überdies für die freichristliche Emmaus-Gemeinde in Babenhausen.

Auch Diana Sink aus Groß-Zimmern überlegt eifrig: Die Zwölftklässlerin strebt das Abitur an der ADS an, geht also Mitte 2012 von Dieburgs reinem Oberstufengymnasium ab.

„Hobit“ ist an der Kapazitätsgrenze angekommen

Die Zwölftklässlerin kann sich nach dem Schulabschluss so allerlei vorstellen bei der Wahl des Studiengangs und damit auch ihres späteren Berufslebens: Regie, Theater, Musik, Jura. „Herz und Kopf sagen was Verschiedenes“, sagt sie und gibt zu, dass noch keine der Seiten gewonnen hat. „Mein Herz sagt Kreativität. Der Kopf sagt: Mach was, wo Du sicher einen festen Job hast.“

12.000 Besucher überwiegend aus elften und zwölften Klassen erwarte man im „Darmstadtium“, erläuterte Prof. Bernhard Meyer bei der Auftaktpressekonferenz. Der Leiter des Organisations-Teams verweist darauf, dass die „Hobit“ auf Schüler wie Hochschulen, aber auch Unternehmen eine Strahlkraft habe wie nie zuvor: „Wir sind an der Kapazitätsgrenze, könnten höchstens noch die Räume dazu nehmen, die fürs ,Cybernarium’ vorgesehen waren“, so Meyer. 100 Studiengänge präsentieren sich, dazu 15 Unternehmen. Um die zehn Vorträge finden im ganzen Haus parallel statt, 2.000 Schüler säßen da gleichzeitig, sagt Meyer. Insgesamt informieren 200 Vorträge darüber, was man beruflich aus seinem Leben machen könnte.

Kein guter Ruf für die Geisteswissenschaften

Was besonders exotisch sei an Studiengängen, wolle er nicht sagen, bleibt Meyer konsequent. Wohl fürchtet er, der ein oder andere Bezug zwischen Taxifahren und insbesondere den Geisteswissenschaften würde allzu schnell hergestellt. Den Groß-Zimmerner Florian Tesch, ebenfalls an der ADS, ficht das nicht an: Neben Jura hört er sich auch einen Vortrag zu Japanologie an.

Trotz der Fülle des Angebots auf der „hobit“ muss für viele der passende Studiengang noch gefunden werden. Dennoch dürfte es am Donnerstagabend für die wenigsten Besucher heißen: „Da steh’ ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor!“

Quelle: op-online.de

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