Reise durch Epochen und Stile

+
Zuvor war der Nachwuchs der „Jumbos“ dran. Mit Plastikkanistern, die mit Wasser gefüllt waren, ahmten sie durch rhythmisches Schütteln die Geräusche der Räder von Schaufelraddampfern nach.

Babenhausen ‐ „Zu hoch“, ruft Werner Kunkel, als eine junge Musikerin einen schrill klingenden Ton aus ihrer Klarinette hinausbläst. Mit einem Stimmgerät in der Hand prüft der Leiter des Jugendorchesters die einheitliche Stimmlage aller Blasinstrumente. „Wir streben genau 442 Hertz an“, sagt der Babenhäuser. Von Michael Just

Hinter der Bühne in der Stadthalle drängen sich am Samstagabend rund 100 Musiker des Babenhäuser Blasorchesters in dem eng verzweigten Gangsystem und den kleinen Räumlichkeiten. Nur noch wenige Minuten sind es bis zum Auftritt. Das Jugendorchester, die „Jumbos“, sind an ihren legeren, orangenen T-Shirts zu erkennen, das Große Orchester an den grauen Anzügen, die mit den roten Krawatten und Schals äußerst edel wirken. Im Saal lässt der Geräuschpegel vermuten, dass das „Jahreskonzert“ nicht vor kleiner Kulisse stattfindet: „Wir sind mit 600 Personen ausverkauft. Ich habe vorhin noch schnell 30 zusätzliche Karten an die Abendkasse gelegt“, freut sich Vorsitzender Klaus Mohrhardt.

„Haben von großem Festkonzert abgesehen.“

Der Mann, der im Orchester das Euphonium spielt, das klanglich zwischen Tenorhorn und Tuba angesiedelt ist, steht etwas abseits der Kollegen, um sich besser auf den Auftritt zu konzentrieren. Wie er sagt, habe man mit Blick auf die 60-jährige Orchestertradition, die es 2009 zu feiern gilt, von einem ganz großen Festkonzert abgesehen: „Wir fanden es sinnvoller, die Standardveranstaltungen aufzuschmücken. Für die Zuhörer ist das ergiebiger.“ Wie beim festlichen Serenadenkonzert im Sommer auch, habe man ein Programm ausgesucht, das dem Anlass würdig sei.

Zuvor war der Nachwuchs der „Jumbos“ dran. Mit Plastikkanistern, die mit Wasser gefüllt waren, ahmten sie durch rhythmisches Schütteln die Geräusche der Räder von Schaufelraddampfern nach.

Doch bevor das Hauptorchester die Bühne betrat, hatte das Jugendorchester die Gelegenheit, sein Können zu zeigen. Das tat es mit den Stücken „Love, Hope, Peace and Happiness“, „Silver Creek Valley“ und „The Great Steamboat Race“ sowie sich einer direkt anschließenden Zugabe. Vor allem das dritte Stück hatte es in sich: Die jüngsten Jumbos untermalten die musikalische Anlehnung an das Wettrennen zweier Schaufelraddampfer im letzten Jahrhundert auf dem Mississippi auf besonders originelle Weise: Mit Plastikkanister, die zu einem Drittel mit Wasser gefüllt waren, ahmten sie durch rhythmisches Schütteln die Geräusche der großen Schaufelräder nach.

Reise durch mehrere Stile und Epochen

Das Große Orchester entführte im Anschluss auf eine musikalische Reise, die durch verschiedene Stile und Epochen führte. Unter der musikalischen Leitung von Christoph Bernius und Moderator Jens Kutscher verfehlten die Stücke wie „Carmen Suite“ (Georg Bizet), „West Side Story“ (Leonard Bernstein) oder die „Tritsch Tratsch Polka“ (Johann Strauss) ihre Wirkung nicht. Zum ansprechenden Programm verhalf nicht zuletzt die gelungene Mischung von langsamen und schnellen Sätzen sowie die alles in allem sehr moderne Literatur. „Da sind einige Ohrwürmer dabei“, sagte ein Besucher und deutete damit an, dass es „Ohrwürmer“ nicht nur im Pop- und Rockbereich gibt. Gelungen ebenfalls die „Huckleberry Finn Suite“ des Italieners Franco Cesarini: Als Adaption zum Schaufelraddampfer-Rennen des Jugendorchesters konnte man sich bei der dargebotenen musikalischen Interpretation der Babenhäuser Musiker nur allzu gut vorstellen, wie Huckleberry Finn in Mark Twains Roman, der mittlerweile zur Weltliteratur gehört, auf seinem Floß den Mississippi hinunter treibt.

So verwunderte es nicht, dass das Jahreskonzert 2009 mit viel Beifall abschloss und noch zwei Zugaben folgten. Den letzten Auftritt im Jubiläumsjahr hat das Blasorchester am 20. Dezember, wenn es mit Hilfe der hervorragenden Akustik in der Stadtkirche den vierten Advent musikalisch untermalt.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare