Reisen mit dem Skizzenbuch

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„Wusel“ nennt Schlösser sein Markenzeichen.

Babenhausen (st) ‐ Kurt Schlösser sagt von sich selbst, er sei kein Künstler. Er ist Architekt und entspannt sich in seiner knappen Freizeit mit einem wunderbaren Hobby. Er lebt in einem Haus voller Bilder.

Neben den frei gelegten Balken eines Fachwerks, über dem langgestreckten Architekturtisch, im Hobbyraum, im Arbeitszimmer, an allen Wänden finden sich seine Werke. Architekt ist er seit 1967, sein Architekturbüro führt er als Selbstständiger seit 1978 in Babenhausen und seit 1998 mit Tochter Sonja, die jetzt von Paris aus kooperiert. Rund 60 Bilder werden ab Sonntag, 6. Februar, im Rathaus etwa zwei Monate zu sehen sein. Eröffnung ist um 11 Uhr. Einer der Schwerpunkte von Kurt Schlösser als Architekt ist die Restaurierung alter Gebäude, wie zuletzt den Torturm des Babenhäuser Schlosses, aber auch der Neubau ganz normaler Wohn- und Geschäftshäuser.

Geboren ist der Architekt 1940 im sauerländischen Drolshagen, nahe Olpe. Nach der Zeit im Internat der Pallottiner-Patres in Rheinbach bei Bonn absolvierte er während der Adenauer-Ära seinen Militärdienst im Wachbataillon, das Staatsempfänge von der Kaserne Siegburg aus begleitete. So salutierte er vor den Berühmten dieser Welt.

Von Timbuktu bis Paris

Seinen künstlerischen Neigungen konnte er bei dem Architekturstudium in Frankfurt teilweise nachgehen. Es gibt schließlich die Architekturmalerei. Und zur Malerei hatte es schon den Sechsjährigen hingezogen, der, auf Treppen sitzend, Zeichnungen anfertigte. In seiner knapp bemessenen Freizeit experimentiert Kurt Schlösser mit Öl-, Acryl-‚ Gouache- und Aquarellfarben, wovon er zurzeit Acryl bevorzugt. Er spielt auch mit unterschiedlichen Malstilen wie dem Pointilismus oder dem Im- und Expressionismus.

Schlösser reist mit seinem Skizzenbuch und der Digitalkamera und hält interessante Motive darin fest, um sie zu Hause zu Gemälden weiter zu bearbeiten. So finden sich unter seinen Bildern Babenhäuser, aber auch kroatische und afrikanische Motive wieder. In Babenhausen waren es die bekannten Gebäude, die bearbeitet wurden, aber auch das „Chaos“ der Straßen-Baustellen in der Altstadt. In Afrika bereiste er 2002 die Wüste in Mali zwei Wochen mit Künstlerfreunden bis Timbuktu. Aber auch Szenen aus Paris, wo sein Büro eine Filiale betreibt, konnten ihn begeistern.

Musik ist auch ein Thema seiner Kunst

Nicht nur wegen seines Formats fällt in der Ausstellung dem Besucher ein Bild, von ihm selbst „Kirn“ genannt, ins Auge, das das Abbild eines Knaben zeigt, der von den über ihm aufragenden Gebilden fast erdrückt wird. Dabei handelt es sich um messerscharfe, diamantengleiche kalt-blaue Glasscherben, welche Gefahr signalisieren. Das Bild entstand nach einem Zeitungsbericht über „Sklavenarbeit in China“ und kritisiert die fortschreitende Globalisierung der Welt mit der einhergehenden Versklavung des einzelnen Menschen.

Die Musik ist ebenfalls ein Thema seiner Arbeiten. Mit einem Plakat zum evangelischen Kirchentag hatte er 1976 den ersten Preis gewonnen. Es paraphrasierte das Thema „Posaunenchöre“.

Zart hingehaucht erscheinen seine Aquarelle, so auch das Bild vom Saxofon von 2001, das die Musik in ihrer beschwingten Schönheit sichtbar macht. Als bunte Fäden entströmen die Töne der breiten Öffnung des Instruments, dem hinaufstrebende Blumenranken Heiterkeit verleihen.

Quelle: op-online.de

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