Keine existenziellen Sorgen beim Reit- und Fahrverein

RuF sagt Viertagesturnier ab

Rund 1 600 Nennungen sind beim Freilandturnier Usus. Doch auch in diesem Jahr fällt das viertägige Freilandturnier dem Coronavirus zum Opfer.
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Rund 1 600 Nennungen sind beim Freilandturnier Usus. Doch auch in diesem Jahr fällt das viertägige Freilandturnier dem Coronavirus zum Opfer.

Der Reit- und Fahrverein Babenhausen muss nach 2020 zum zweiten Mal in Folge sein viertägiges Freilandturnier absagen.

Babenhausen – Jetzt ist es raus: Zum zweiten Mal in Folge muss das viertägige Freilandturnier des Reit- und Fahrvereins Babenhausen (RuF) abgesagt werden. Grund sei die anhaltende Ungewissheit, wie eine Reitsportveranstaltung dieser Größenordnung unter Coronabedingungen veranstaltet werden kann, begründete der Vereinsvorsitzende Ingo Dries die Vorstandsentscheidung.

Man habe sich schwer getan: „In meiner Brust schlagen zwei Herzen“, sagt Dries. Die Leidenschaft für den Pferdesport und den gesellschaftlichen Charakter der Traditionsveranstaltung Anfang Juli – und die Vernunft. Letztere hat gesiegt. Denn auf keinen Fall dürfe man ein hohes finanzielles Risiko eingehen. „Zuerst kommt der Verein! Wir tragen auch die Verantwortung für den Reitschulbetrieb“, erinnert Dries. Und vier vereinseigene Rösser, für deren Wohl man sich durchaus etwas kosten lässt, etwa zusätzliche Koppeln anmietet. Stand jetzt dürfen Amateursportveranstaltungen zwar langsam wieder hochgefahren werden, aber ohne Zuschauer. „Das ist ein No Go“, meint Dries.

Viertägiges Freilandturnier: Zahllose Helfer in mehr als 300 Arbeitsschichten im Einsatz

Neben dem sportlichen Charakter vom Ponyführzügelwettbewerb bis M-Dressur und hoch hinaus zum schweren S-Springen, macht der gesellschaftliche Charakter des Dressur- und Springturniers seinen besonderen Charme aus. Das zweite Wochenende im Juli hat sich etabliert. Über 40 Jahre lang machte der Verein seine Mitglieder mobil, um attraktive Turniertage für Sportler und pferdebegeistertes Publikum zu bieten.

„Wir wollen Menschen und Pferde zusammenbringen“, sagt Dries – und das gelingt. Mit einem abwechslungsreichen Speisenangebot, der beliebten Reiterparty, dem Gastspiel des Babenhäuser Blasorchesters, dem spannenden S-Springen am Montag, das hunderte auf die idyllische Anlage hinauszieht. Rund 1 600 Nennungen sind beim Freilandturnier Usus – und um das organisatorisch zu händeln sind zahllose Helfer in mehr als 300 Arbeitsschichten am Start – dann kam Corona.

Reit- und Fahrverein Babenhausen: Keine existenzielle Sorgen dank treuer Mitglieder

Im Vorjahr folgte die erste Absage, nun die zweite. Auch eine weitere Veranstaltung wurde gestrichen: das Fahrturnier am 1. Mai. 2018 öffnete der Verein sein Angebotsspektrum für die Gespannfahrer, die sich hier im Wettkampf messen durften. Eine Veranstaltung, die ebenfalls Publikum zog.

Finanziell bedroht ist der RuF nicht. Aber die Einnahmen aus den Turnierveranstaltungen sind ein wichtiger Faktor, um den Verein am Laufen zu halten. „Wir haben sehr günstige Reitstunden und auch eine preiswerte Jahresgebühr“, sagt Carina Körner, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im RuF. „Das Reitturnier dient dazu, unsere finanziellen Strukturen aufrecht zu erhalten“, meint Dries. Existenzielle Sorgen hat der Verein auch deshalb nicht, weil seine Mitglieder treu sind, ja sogar manch ein Sponsor. Obwohl seit Monaten pandemiebedingt kein regulärer Reitschulbetrieb stattfinden durfte und auch das Voltigieren ausfallen musste, gebe es keine Austritte. Allerdings habe man Investitionen zurückgestellt und nur in der Reithalle auf LED umgesattelt.

Fahrturnier vom 1. Mai könnte im Oktober nachgeholt werden

Trotz vieler Sorgen gibt es auch erfreuliche Entwicklungen: Der Fahrsport in Babenhausen erfährt eine Renaissance. Immer mehr Interessenten trainieren vom Kutschbock aus mit dem Partner Pferd. Darauf ist der Verein stolz, dass er eine neue Facette der Ausbildung bieten kann – ein Alleinstellungsmerkmal. Sogar junge Leute ab zehn Jahren lernten in Babenhausen das Fahren, freut sich Ingo Dries. Die Reiterschänke, die verpachtet ist, ereilte das Schicksal der allgemeinen Gastronomie. Die Familie Palesch kochte ausschließlich Essen „to go“. Wenn sich die Lage weiter entspannt und die Stufe 2 der Coronaverordnungen gilt, wolle man die Außengastronomie öffnen, sagte Carina Körner.

So ganz aufgesteckt hat der Verein mit seinen Veranstaltungen übrigens doch nicht. Das ausgefallene Fahrturnier vom 1. Mai könnte, so Corona will, am 2. und 3. Oktober nachgeholt werden. Für das Reitturnier wird es 2021 wohl keinen Ersatz geben. (zah)

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