Reitkönigin auch ohne Millionen

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Durch ihren Sieg bei einer Spezialspringprüfung ist die Jurastudentin Miriam Pimpl mit „Percondo“ zum Aushängeschild des RuF Babenhausen geworden und hat so auch schon kleine Nacheiferinnen.

Babenhausen - „Nein, lass das!“, ruft Manfred Willand vom Reit- und Fahrverein Babenhausen (RuF), als der große Braune immer wieder den Kopf streckt und nach dem Blumenstrauß als willkommene Zwischenmahlzeit schnappt. Von Michael Just

Dabei hat sich Miriam Pimpl die Blumen redlich verdient: Seit wenigen Tagen gehört sie zu den erfolgreichsten Reitern in der Geschichte des RuF.

In Groß-Ostheim gewann sie eine Spezialspringprüfung der Klasse „S“ (schwer). „Das ist die schwierigste Klasse. Sowas reiten sonst nur Profis“, erklärt Willand. Das bedeutet: Das Hindernis bei diesem so genannten „Barriere- oder Mächtigkeitsspringen“ wird jede Runde um zehn Zentimeter höher gelegt. Am Ende übersprang die Sickenhöferin die sagenhafte Höhe von 1,90 Meter. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass jemand in unserem Verein jemals diese Leistung erbracht hat“, sagt der Vorstandsvertreter, der die 28-Jährige als zukünftiges Aushängeschild des RuF betrachtet.

Das neunjährige Siegerpferd „Percondo“, das Pimpl nur „Paul“ ruft, erwarb sie 2004 von der Wintermühle im Taunus. Das Kuriosum: Paul, der mit seinem Stockmaß von 1,82 Meter als vierbeiniger Riese gilt, sollte eigentlich ein Dressurpferd werden. Erst Monate später wurde sein verborgenes Springtalent entdeckt, was dazu führte, dass die Jura-Studentin vom Dressur- zum Springreiten wechselte.

Der Werdegang Pimpls ist deshalb so außergewöhnlich, weil sie sich ihren Erfolg selbst erarbeitet hat. Im Alter von sechs Jahren begann sie, mit einem Pony zu arbeiten. Heute hat sie drei Pferde, darunter immer noch das mittlerweile 36 Jahre alte Pony, das zu Hause in Sickenhofen steht. Bei der Ausbildung von Paul hat Pimpl nie auf fremde Unterstützung gebaut und damit auch nicht auf sogenannte „Bereiter“ zurückgegriffen, die helfen, junge Springpferde einzureiten und zu korrigieren. Derzeit fährt sie wöchentlich nach Groß-Ostheim, wo ein Experte letzte Tipps gibt.

Über den Erfolg des Eigengewächses ist Willand auch aus dem Grund glücklich, dass sie kein Vorurteil erfüllt: „Miriam kommt nicht aus einem Millionärshaus. Bei uns im Verein kommen die Mitglieder aus allen Schichten.“ So ist Josef Pimpl Facharbeiter, Mutter Ingrid Bürokauffrau. Beide reiten selbst nicht, sind aber als helfende Hand für ihr einziges Kind bei allen Turnieren zur Stelle. Die volle Unterstützung erfolgt auch deshalb, weil nur wenige das Reiten so gezielt und passioniert betreiben wie ihre Tochter.

Um das Studium zu finanzieren, jobbt die 28-Jährige noch nebenbei, so dass sie abends oft sehr spät nach Hause kommt. Bei ihrem Paul ist sie trotzdem fast täglich: „Pferde müssen gymnastiziert und bewegt werden. Da muss man jeden Tag hin“, weiß die Studentin.

Durch ihren Erfolg steht Pimpl derzeit an einem sportlichen Wendepunkt eventuell von der derzeitigen Leistungsklasse (LK) 3 in die LK 2 aufzusteigen. Dort beginnt das professionelle Lager und die Zulassung für die großen Turniere wie die Hessenmeisterschaft. Dabei stünde ihr allerdings eine sehr starke Konkurrenz an Reitern gegenüber, die mit vier, fünf hervorragenden Pferden anreisen und gleich mehrfach starten.

Der größte Nachteil: Die Teilnahme an Wettbewerben in den unteren Amateurklassen bliebe ihr dann verwehrt, dazu hat sie mit Paul keine Alternative, was Verletzungen angeht. Ob Amateur oder Profiklasse, was die Zukunft für die ambitionierte Reiterin bringt, werden die nächsten Jahre zeigen.

Derzeit ist man beim RuF erstmal stolz. „Wir haben schon Mädchen die der Miriam nacheifern“, freut sich Willand.

Quelle: op-online.de

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