Mittelaltermarkt

Reitkunst zu Feuereffekten

+
Die „Compania Ferrata“ zeigte ihr Können in vier Shows.

Babenhausen - „Mein Gott, das Pferd ist ja der Wahnsinn“, schwärmt Yvonne Gieck über den Vierbeiner mit den vielen schwarzen Punkten auf dem weißen Fell. Von Michael Just

Intelligent erfüllt es sämtliche Wünsche seines Reiters: Es legt sich auf den Boden und streckt alle Viere von sich, richtet sich demonstrativ auf, indem es die Vorderläufe auf den Königsthron stellt, trabt unbeeindruckt zwischen Feuerwerksstafetten hin und her oder wird ganz ohne Reiter zum Alleinunterhalter – ein paar kleine Kommandos aus reichlich Entfernung reichen aus.

Das Pferd heißt Pluto und spielte in dem Film „Die drei Musketiere“ aus dem Jahr 2011 den berühmten Hengst Butterblume. Am Wochenende war es in Babenhausen im Rahmen des mittelalterlichen Marktes und des Ritterturniers hinter der Stadtmühle zu Gast, in dessen Rahmen die „Compania Ferrata“ ihr Können in vier Shows zeigte.

Gaukler beim Mittelaltermarkt

Beim Mittelaltermarkt in Babenhausen gab es Ritter, Gaukler und vieles mehr zu bestaunen.

Zum Video

„Ich bin vor allem wegen der Pferde gekommen“, erzählt Yvonne Gieck, die selbst reitet. Und noch einen weiteren Grund hat die Stockstädterin parat: „Ich mag unheimlich die blumige Sprache der damaligen Zeit.“ Zur Untermalung zitiert sie schmunzelnd die Frage „Ihr begehrtet also Einlass?“ am Kassenhäuschen. Auch dass nicht Euros sondern Silberlinge gefordert werden, gefällt der 29-Jährigen und nicht zu vergessen die wunderbare Kulisse mit Hexenturm und Stadtmauer.

Deren Strahlkraft brachte auf Nachfrage fast alle Auswärtigen ins Schwärmen. Davor sorgten bunte Gestalten wie Narren und Gaukler für ein reges Treiben. Händler und Handwerker, die unter anderem selbstgemachte Schuhe oder Gewänder in ihrer Auslage hatten, boten in spitzen Stoffzelten ihre Waren an. Über allem lag der Duft leckerer Fladen und anderer Köstlichkeiten, die mit einem Glas Met (Honigwein) besonders gut rutschten.

Idee zum Markt hatte Klaudia Skodnik

Die Idee zu dem Markt mit seinen 60 Ständen hatte Klaudia Skodnik vom Harreshäuser „Hofgut Fortuna“, die mit Wilfried Müller (IG Stadtmarketing) die Hauptarbeit leistete. Weitere Unterstützung gab es vom Seniorenservice Blank für die Homepage sowie vom Gewerbeverein, allen voran Kurt Schlösser. Los ging es bereits am Freitagabend mit einer Show, die die Geschichte von Mensch und Pferd erzählte und reichlich „Appellation maximalis“, sprich Applaus, erntete.

Mit Reitkunst, Akrobatik und Feuereffekten reichte die von der Zähmung der Vierbeiner in der Steinzeit bis zum Barock. Auch hier begeisterte Pluto mit seinem Reiter Alexander Jungiger – zwölf Jahre lang eine Koryphäe im Moskauer Staatszirkus – die 400 Besucher. Der Samstag und Sonntag stand dann im Zeichen der drei Ritterturniere, die nicht nur ein Lanzenstechen boten. Mit einer actionreichen Handlung erzählten sie den historischen Streit zwischen Kaiser Barbarossa und seinem Cousin Heinrich dem Löwen.

Bilder zum Mittelaltermarkt

Ritterturnier beim Mittelaltermarkt

Ob mit Schnabelstiefel, Schnürhemd, langem Rock, Gewand oder Haarschmuck – an jeder Ecke des Marktes wurde sichtbar, dass hier eine Lebenseinstellung repräsentiert wird. So wie bei Tobias (34) und Kirsten (33) aus Kassel. Über 30 Wochenenden im Jahr sind sie auf Mittelaltermärkten zugegen, geschlafen wird mit Hund Gismo im Bully. Einen Stand haben sie nicht. „Wir kochen am Feuer für uns und zeigen Interessierten, wie das damals ablief“, erzählen sie. Ein wenig sei es die Suche nach dem einfachen Leben, die schon mit der bequemen (Ver-)kleidung anfange. Auf die Frage, woran man echte Mittelalter-Fans außer dem Stoff auf der Haut noch erkenne, müssen sie nachdenken: „Bei uns sind´s die Echtholzmöbel zuhause. Man ist in jedem Fall anders“, führen sie lachend an.

Mittelalter-Fans sind mehr Besucher gewohnt

Zu lachen hatten nicht alle Beschicker etwas. Der Freitag und Samstag gestalteten sich wetter- und ferienbedingt mit ein paar hundert Besuchern als mau. Einige Verkäufer nahmen sogar das Wort „katastrophal“ in den Mund. „Wir sind Besucherzahlen ab 10.000 plus gewohnt“, sagt Michael Cornely, Geschäftsführer vom Veranstalter „Burgenmarketing“, und erinnert an die Festung Ehrenbreitstein in Koblenz, an Marienberg in Würzburg oder Ehrenberg in Reutte/Tirol. Trotzdem hat der gebürtige Kölner ein dickes Lob für die Babenhäuser parat und bereut es nicht, sich auf die Stadt und die Bemühungen von Klaudia Skodnik und ihren Mitstreitern eingelassen zu haben: „Die Interaktivität ist groß. Das war zum Teil wie ein Gottesdienst zu Pferd“, preist er die Shows, wo das „Volk zu Babenhausen“ mitging und den Schurken im Sattel verbal reichlich Paroli bot.

Am Sonntag war bei schönem Wetter dann jede Menge los. Es kamen nicht nur die erwarteten 2 000 Besucher, sondern noch einige Hundert mehr. Laut Cornely gibt es eine gute Chance für eine Wiederauflage. Allerdings dann nicht in den Sommerferien.

Quelle: op-online.de

Kommentare