Steckenpferde im Trockenen

Rekordteilnahme beim Jugendzeltlager des Reit- und Fahrvereins

Babenhausen - Vier Tage dauerte das Jugendzeltlager des Reit- und Fahrvereins (RuF), drei davon waren von Dauerregen geprägt. Doch ein Großteil der 85 Teilnehmer hielt an der ,,Schwedenschanze“ die Stellung. Von Michael Just 

Ausgeräumt lässt sich die große Gerätehalle des RuF auch zum Feiern und Verweilen benutzen. Beim Reitturnier befindet sich darin stets die Küche und ein Großteil der Festzeltgarnituren. Wer am Freitagnachmittag einen Blick in die Halle warf, entdeckte an vielen Ecken Handtücher, die zum Trocknen aufgehängt waren. Auch ein großes blaues Zelt war mit dem gleichen Ziel auf dem Boden platziert worden. Zudem waren Dutzende von Kindern und Jugendliche auszumachen, die unter dem großen Dach bastelten oder spielten.

„Ich kann mich nicht erinnern, dass wir zum Jugendzeltlager jemals ein so miserables Wetter hatten“, bilanziert Jugendwartin Carina Palesch. Ihre Aussage will was heißen: Immerhin blickt sie damit auf einen Zeitraum von fast 20 Jahren zurück. Nun zeigte sich der lang anhaltende Regen als besonders ärgerlich, denn mit rund 85 Teilnehmern stellte das Jugendzeltlager einen neuen Rekord auf. Schon im letzten Jahr wurden rund 60 Köpfe verbucht. Die große Anzahl rührt vor allem daher, dass sich auch Geschwister und Freunde der jungen Reiter anmelden dürfen. Derzeit umfasst die Nachwuchsabteilung des RuF rund 160 Mädchen und Jungen. Jene Summe ist seit Jahren stabil. „Das ist positiv und als Erfolg zu werten. In vielen Reitvereinen der Umgebung sind die Zahlen rückläufig“, weiß die Jugendwartin. Von den 160 Schülern widmen sich etwa 130 dem Reiten, die verbleibenden 30 dem Voltigieren.

Zur Kurzweil gehören eine Nachtwanderung, das Reiten auf den Ausbildungspferden sowie jede Menge Spiel- und Bastelangebote. In diesem Jahr besonders beliebt: Das Bemalen und Verzieren eines Steckenpferdes. Aufgrund der begeisterten Stimmung, die stets im Zeltlager herrscht, wurde vor etwa fünf Jahren die Dauer von zwei auf drei Übernachtungen ausgeweitet. „Die meisten Kinder würden am liebsten zwei Wochen machen. Für diesen Zeitraum streiken aber die Betreuer“, ergänzt Palesch lachend. Dem Jugendteam um Shari Nentwich, Laura Neckermann, Ann Kristin Labudda und Carina Palesch und vier weiteren Betreuern reichen die vier Tage Dauereinsatz aus. „Am ersten Abend hatten wir die letzten Kids gegen ein Uhr im Zelt. Um zwei waren die ersten schon wieder draußen“, berichtet Ann Kristin Labudda. Hoffnung gibt ihr und den anderen Betreuern dann immer die Erfahrung aus der Vergangenheit, dass die Kinder durch die zahlreichen Aktivitäten im Verlauf des Lagers zunehmend geschafft und damit auch in der Nacht ruhiger werden. Ein großer Vorteil ist, dass das Lager auf dem Vereinsgelände stattfindet. Damit lässt sich die Infrastruktur nutzen und die Reiterschänke bei der Verpflegung einbeziehen. ,,Trotzdem kochen wir auch selbst. An einem Abend haben wir Hamburger gemacht, an einem anderen Pizza“, erzählen die Helferinnen Laura Oehl und Nina Dresely. Mit einem Spülmobil fürs Geschirr oder einem portablen Dusch-Häuschen ist die Ferienfreizeit mittlerweile bestens ausgestattet.

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In diesem Jahr wurde der Spaß allerdings durch den Regen getrübt. Immer wieder mussten Eltern vorbeikommen und trockene Kleidung oder Schuhe bringen. Nachdem es in mehrere Zelte geregnet hatte, holten einige Mamas und Papas ihren Nachwuchs lieber zum Schlafen nach Hause und brachten ihn am nächsten Morgen wieder. Jene, die campierten, mussten sich keine Sorgen machen, dass sie das Wasser davontrug: Die Wiesen und Böden um die Reithalle gelten als saugfähig und morastfrei.

Das änderte aber nichts daran, dass gleich mehrere Föns im Dauereinsatz waren. Ein paar jungen Mädchen schien das bescheidene Wetter aber auch gelegen: Sie verkrochen sich über Stunden mit der besten Freundin ins Zelt und tauschten im kuscheligen Schlafsack ungestört ihre Empfindungen sowie die Probleme beim Heranwachsen aus.

Quelle: op-online.de

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