Die Reste des Bergfrieds

Exkursionsteilnehmer besichtigen den Schlosshof

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Im Schlosshof sind recht gut die Grundrisse und Mauerreste des einstigen Hauptturmes, dem sogenannte Bergfried, sichtbar geworden.

Babenhausen - Zum Leid- wesen vieler Babenhäuser ist das Schlossgelände nach dem Verkauf an Investoren schon seit Jahren nicht mehr frei zugänglich. Eine kleine Gruppe durfte nun einen Blick hineinwerfen. Von Petra Grimm 

Eine Exkursion beim 42. Tag der Hessischen Denkmalpflege, der schwerpunktmäßig in Groß-Umstadt stattfand, hat es möglich gemacht. Einige Teilnehmer besuchten die Babenhäuser Altstadt – und das Schloss. Im Hof, der wegen der Bauarbeiten eigentlich nicht zugänglich ist, konnten sie einen Blick auf den Ursprung der Anlage werfen, die aus einer mittelalterlichen Wasserburg hervorgegangen ist. Denn durch den Aushub sind die Backsteinmauern des Bergfrieds (Hauptturms) sichtbar geworden. Mit seinen dicken Außenwänden und wahrscheinlich fünf Geschossen hoch hat der Bergfried aus der Entstehungszeit der staufischen Burganlage den Hof gut ausgefüllt. Und zwar bis in die Renaissance. Dann wurde er abgebrochen. Dass er aus Backstein gebaut wurde, sei für die hiesige Region sehr ungewöhnlich. „Eigentlich dürften wir auf diesen Mauerresten unter unseren Füßen gar nicht herumlaufen“, sagte Dr. Tobias Wolf, Bezirkskonservator im Landesamt für Denkmalpflege und seit 2009 für das Babenhäuser Schloss zuständig. Neben ihm referierten Liane Mannhardt von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises und der Bauhistoriker Dr. Hans-Hermann Reck über die 800-jährige, bewegte Baugeschichte des Schlosses.

Zu den Teilnehmern der Exkursion gehörte auch Bürgermeister Joachim Knoke (rechts). Die Schlüssel für die Pforte am Torhaus hingegen hatten Manfred Lautenschläger und Klaus Mohrhardt vom Verein Schlossfreunden Babenhausen dabei.

Zahllose An- und Umbauten haben über die Jahrhunderte unter den wechselnden Schlossherren stattgefunden. Reck erforscht dieses Puzzle seit über 20 Jahren: „Es ist mein längstes Projekt“, sagte er. Die heute wie ein Renaissance-Schloss wirkende quadratische Anlage enthalte mehr aus der Anfangszeit als zu sehen ist, sagte Reck. So ist der komplette Westflügel mit der Säulenhalle, das ist der Teil in Richtung der angrenzenden Schrebergartenanlage, aus der romanischen Periode erhalten. Eine Herausforderung für die Denkmalpflege ist der seit etwa zehn Jahren andauernde Umbau in ein Luxushotel durch die Firma Alfa Consulting, die seit 2006 Besitzer des Schlosses ist. 35 bis 40 Hotelzimmer und Suiten sollen in den oberen Stockwerken entstehen, ein großer Wellnessbereich mit Schwimmbad unterirdisch, ein frei stehender Aufzugsturm, Konferenzräume, ein Café mit Freiterrasse und einiges mehr ist geplant.

Die zukünftige Nutzung werfe beispielsweise Statikprobleme auf, sagte Wolf. So fordert die Ertüchtigung der aus der romanischen Bauzeit stammenden Decken im Westflügel alle Beteiligten. „Es ist ein komplexes Projekt, bei dem wir kleinteilig, von Punkt zu Punkt Lösungen finden müssen“, so der Denkmalpfleger, der es aber begrüßte, „wenn eine so große Immobilie sinnvoll gefüllt wird.“

Bilder: Tag der offenen Kaserne in Babenhausen

Nach der Visite des Schlosshofes besichtigten Gruppe unter der Führung des Dieburger Architekten Claus Giel noch die evangelische Stadtkirche. Bürgermeister Joachim Knoke und Heinz Wionski, Landeskonservator im Landesamt für Denkmalpflege, hatten die Teilnehmer der Exkursion, überwiegend Denkmalschützer, Architekten und Stadtplaner, aber auch interessierte Bürger, beim Start der Tour am Bahnhof begrüßt.

Dass die Besichtigung des Schlosshofs bei der Exkursion überhaupt möglich war, ist auch dem Verein Schlossfreunde Babenhausen zu verdanken, der über den Bauleiter Kontakt zu den ukrainischen Besitzern hält. Vorsitzender Manfred Lautenschläger und sein Stellvertreter Klaus Mohrhardt begleiteten die Tour und hatten auch den Schlüssel dabei, um am Torhaus die Pforte zu öffnen.

Quelle: op-online.de

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