Neugier ja, Aggressivität nein

+
Cornelia Ratmann und Ajax, Husky-Schäferhund-Collie-Mix, machen den Eignungstest für Rettungshunde. Über ein schmales Brett laufen, das ist nicht jedes Hundes Sache.

Babenhausen/Dieburg - Ruhig muss der Rettungshund bleiben, er darf sich durch nichts irritieren lassen; sei es durch ein hupendes Auto, eine lärmende Heckenschere oder eine Tonne, die auf ihn zurollt. Von Ulrike Bernauer

„Der Hund darf neugierig sein, er darf auch ein Stück ausweichen, was er allerdings nie sein darf, ist aggressiv“, sagt Kerstin Hans, ehemalige Leiterin der Hundestaffel Babenhausen.

Auf dem Rot-Kreuz-Gelände in Dieburg werden die neuen Anwärter für Rettungshunde in Augenschein genommen, elf sind es an der Zahl. Sie kommen allerdings nicht nur von der Hundestaffel Babenhausen, sondern auch von anderen Staffeln aus der weiteren Umgebung. Anja Drengk aus Taunusstein ist mit Husky Cajou dabei. Der Hund, den sie aus dem Tierheim geholt hat, hat die vielen Prüfungen mit Bravour hinter sich gebracht, wie auch die anderen Hunde dieses Prüfungstages. Er ließ sich von einem Fremden tragen, ging an Feuern vorbei und ließ sich auch durch eine schreiende Frau, die ganz in seiner Nähe von ihm wegstürzte, nicht aus der Ruhe bringen.

Hundestaffel Babenhausen mit 16 Tieren

16 Tiere hat die Hundestaffel Babenhausen zurzeit, davon sind zehn fertig ausgebildet. Ariane ist acht Monate alt, ein holländischer Kurzhaarschäferhund, und hat gerade ihren Eignungstest hinter sich gebracht. Hundeführerin Alexandra Breitenbach hat noch eine belgische Schäferhündin, Indira, die schon ausgebildet ist. Mit 15 Jahren hat die junge Hundeführerin in der Hundestaffel angefangen, jetzt ist sie 23 Jahre alt. Sie hat mit Indira auch schon an mehreren Einsätzen teilgenommen: „Wir haben im Wald vermisste Personen gesucht.“ „Hauptaufgabe von uns ist, das ein Gebiet von uns abgesucht wird und man dann sicher sein kann, dass sich die vermisste Person hier nicht befindet“, erklärt Katrin Tubin, „die Hunde können das viel schneller erledigen, als 50 Feuerwehrleute oder Polizeibeamte vor allem in Dunkelheit oder bei schlechten Wetterverhältnissen. Die Arbeit mit den Hunden ist Ressourcen schonend“.

Ist ein Vierbeiner mal Rettungshund, muss er sich auch weiterhin bewähren. „Alle 18 Monate wird das Tier neu geprüft, das ist wie ein Rettungshunde-TÜV“, lacht Tubin. Die Ausbildung beginnt schon, wenn der Hund noch sehr klein ist. „Ich habe Ariane im Alter von acht Wochen bekommen, da habe ich schon angefangen, mit ihr zu trainieren“, sagt Breitenbach. „Ein Hund muss erst mal lernen, dass Menschen toll sind“, schaltet sich Tubin ein, „suchen kann ein Hund, das liegt in seinen Genen, aber verbellen und bei dem Gefundenen zu bleiben, dass muss er lernen.“ Im Alter von 16 Monaten darf Ariane dann zur Rettungshundeprüfung.

Treffen einmal die Woche

Einmal die Woche, immer samstags oder sonntags treffen sich die Hundeführer mit den Hunden in Babenhausen. Nach 20 Jahren als Leiterin der Hundestaffel ist Kerstin Hans von ihrem „Job“ zurückgetreten. Sie hat den Posten an Manfred Koch weiter gegeben. Koch führt selber keinen Hund, die Staffelleitung ist so arbeitsintensiv, dass es schwer möglich ist, noch einen Hund zu führen. Koch ist jetzt 60 Jahre und will sich schon bald jemand Jüngeren als Staffelleiter nachziehen. Sein Leben ist ziemlich auf das Rote Kreuz fixiert, für das Rote Kreuz ist er in Babenhausen auch noch Bereitschaftsleiter.

Die Rettungshundestaffel Babenhausen hat einen großen Radius, sie deckt den Odenwaldkreis ab, den Landkreis Darmstadt-Dieburg, den Kreis Offenbach, dort wird gerade eine Staffel aufgebaut, aber auch dort helfen die Babenhäuser aus und bis in den Taunus hin suchen die Babenhäuser nach Vermissten.

Irgendwann wird aber auch ein Rettungshund zu alt, er geht sozusagen in Rente. „Es geht um Menschenleben und nicht um irgendwelche Pokale“, sagt Hans, „und wenn ein Hund nicht mehr kann, dann darf er zwar in der Staffel bleiben und mit üben, aber er darf nicht mehr mit zu Einsätzen.“ Das wichtigste ist aber auch bei diesen „Rentnerhunden“, ihr Vertrauen zu ihren Führern ist grenzenlos, genau wie umgekehrt.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare