Baumeistern auf der Spur

Am Richerbach wohnen immer mehr Biber

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Ganze Arbeit hat hier ein Biberpärchen geleistet.

Hergershausen - Er ist der Baumeister unter den Tieren. Seine Behausung kann bis zu zwei Meter hoch werden. Dank ihm verlaufen Flüsse immer mehr wieder entlang ihrer natürlichen Grenzen. Die Rede ist vom Biber. Seine Heimat: der Richerbach. Von Yvonne Fitzenberger 

Die Rinde ist angenagt, der Schutz vor der Witterung fehlt. Mancher Baum ist so sehr angefressen, dass er kaum noch sein Gewicht halten kann. Äste sammeln sich im Flusswasser und stauen es auf. Der Grund: Biber siedeln sich inzwischen in den Nebengewässern der Gersprenz an. So auch am Richerbach in der Nähe der B26 sowie bei Altheim. An sich nichts Ungewöhnliches. Seit mehr als sieben Jahren verbreitet sich das Tier im Gebiet der Gersprenz. Doch erst seit zwei, drei Jahren sind seine Bauwerke den Behörden im Landkreis bekannt. Es ist an sich ein Grund zur Freude: Der Biber steht auf der Liste der bedrohten Tierarten. Jedoch ist das Zusammenleben mit dem Tier für den Menschen mit Problemen verknüpft. Biber sind zwar bekannt für ihren Dammbau, tatsächlich sind es aber auch begabte Tunnelgräber.

Bis zu zehn Meter weit graben sie, um an Felder heranzukommen. Das Problem: Die Tunnel sind nicht tief. Bauern und Spaziergänger können einbrechen, wenn sie auf einen der Tunnel treten. „Es wird gerade ein Bibermanagement aufgebaut“, erzählt Heinrich Hess vom Wasserverband Gersprenzgebiet. Das Bibermanagement klärt die Landwirte über den Umgang mit dem Tier auf. Notfalls kauft es Land ab, damit die Tunnel nicht mehr auf landwirtschaftlich genutztem Gebiet sind, sondern in geschützter Hand. „Mich haben schon Landwirte angerufen, die mit ihren Traktoren eingebrochen sind“, erzählt Hess. In solchen Situationen ist es wichtig, die Betroffenen aufzuklären. Eine Maßnahme ist, die Nutzungsart der Felder zu ändern. Anstatt dem Biber „einen vollen Teller“ vorzusetzen – der kleine Vegetarier liebt zum Beispiel Mais – sollte man etwas anderes in Flussnähe anbauen.

Auf Biber-Safari in der Eifel

Kleine Wasserfälle durchbrechen die Biberbauten auf dem Richerbach.

Was ist nun aber mit den angebissenen Bäumen? „Gerade im Winter bleiben Bäume und Äste gezielt liegen“, erklärt der Vorsitzende des Wasserverbands. Damit gibt es keinen Grund für die großen Nager, weitere Bäume anzuknabbern. Andere Stämme werden mit Maschendrahtzäunen geschützt. Trotz all der Schwierigkeiten gibt es auch Gutes über die wachsenden Bibervorkommen zu berichten: Gerade die Dämme, die am Richerbach sind, sind erstaunlich. Sie sind stabil und behindern nicht den Wasserdurchgang. Im Gegenteil: Durch den leichten Stau unterstützt der Damm die ökologische Entwicklung. „Die Dämme fangen Sand und andere Segmente auf, die sonst künstlich ausgefiltert werden müssen“ erklärt Uwe Avemarie von der Unteren Naturschutzbehörde. Außerdem helfen die Biber, dass die Flüsse wieder ihren natürlichen Lauf nehmen. Er erläutert auch, dass man an der Art des Baus erkennt, wie alt ein Biber sei. „Der Damm ist so stabil und geschickt gebaut, das war ein Biberpärchen mit Erfahrung.“

Funde und Schäden durch Biber können der Naturschutzbehörde gemeldet werden. „Wir kümmern uns um entsprechende Entschädigungen“, sagt Avemarie. Die Untere Naturschutzbehörde führt aktuell eine Erfassung der Biberspuren durch. Meldungen von Biberspuren, Bilder und Kartenausschnitt der betroffenen Stelle können an foej@ladadi.de geschickt werden oder unter Tel.: 06151/8812220 gemeldet werden.

Quelle: op-online.de

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