Babenhäuser Weihnachtsmarkt

Ritterhelm trifft auf Nikolausmütze

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Original-Repliken von historischen Rüstungen und Schwertern waren beim Weihnachtsmarkt ebenso zu sehen, wie allerlei Stücke von Kunsthandwerkern.

Babenhausen - Wenn das Thermometer knapp über der Frostgrenze liegt und der Wunsch nach einem Glühwein aufkommt; wenn sich die Luft bei einem klaren Himmel nicht nasskalt, sondern trocken zeigt; und wenn der Schnee in Maßen fällt, so dass Besucher von außerhalb nicht von der Anfahrt abgehalten werden - dann sind wettertechnisch alle Grundlagen für einen erfolgreichen Weihnachtsmarkt erfüllt. Von Michael Just

Am Wochenende traf das alles zu, so dass sich der 40. Babenhäuser Weihnachtsmarkt durch die Gunst von Petrus eines großen Zuspruchs erfreute. In Bezug auf den Ausrichter muss man sich keine Sorgen machen: Beim DRK liegt die Veranstaltung mit Unterstützung der Stadt in bekannt guten Händen.

Mit 65 Straßenständen, 18 Beschickern beim mittelalterlichen Markt, 20 Hobbykünstlern in der Stadtmühle und einem großen Rahmenprogramm auf der Bühne gegenüber dem Rathaus, präsentierte sich das Angebot in der Altstadt erneut als kurzweilig. Wer wollte, konnte hier ohne Probleme mehrere Stunden verbringen.

Der mittelalterliche Markt im Herrngarten

Neu war in diesem Jahr der mittelalterliche Markt im Herrngarten, der sich aus den Kontakten vom diesjährigen Ritterturnier ergab. Zwar bot der kaum weihnachtliche Auslagen, romantisch war´s aber allemal. Viele Beschicker, die ihr Hobby im wahrsten Sinne des Wortes leben, wussten über Weihnachten im Mittelalter äußerst gut Bescheid. So wie Uwe Schneevoigt, der Original-Repliken von historischen Rüstungen und Schwertern verkauft: „Das Fest wurde damals noch nicht mit Weihnachtsmann und der heutzutage zum Teil sehr amerikanisch-verkitschten Variante gefeiert. Die Religion war sehr viel stärker im Leben der Menschen verankert, und es war ohne Geschenkeberge ein weitaus christlicheres Fest.“

Mit dem Weihnachtsmarkt war dieses Jahr ein Jubiläum gepaart: Seit nunmehr 40 Jahren stimmt er die Babenhäuser und viele Besucher aus der Umgebung auf die Vorweihnachtszeit ein. Der Marktmeister 2012, Helmut Fendt, war – man mag es kaum glauben – auch schon vor vier Jahrzehnten federführend dabei. „Damals war ich 21 und habe mit dem Jugendrotkreuz Kerzen verkauft“, sagt er. araus habe sich der heute bekannte Weihnachtsmarkt entwickelt. So kann Fendt nicht nur über den stetigen Aufwärtstrend berichten, sondern hat zusätzlich so manche Anekdote parat. Zum Beispiel die, dass es 1985 nur 25 Stände gab und er deshalb am liebsten aufgehört hätte. Oder über den großen Stromausfall ein paar Jahre später, der an einem Sonntagnachmittag für zwei Stunden alles lahmlegte, bis endlich der Heag-Notdienst eintraf. Richtig viel Schnee gab es nur einmal Anfang der 1980er Jahre, als wahre Schneeberge aus der Fahrstraße entfernt werden mussten.

„Das ist mittlerweile eine Traditionsveranstaltung“

Die Zukunft des Weihnachtsmarktes sieht Fendt positiv: „Das ist mittlerweile eine Traditionsveranstaltung. Das 50. Jubiläum erreichen wir bestimmt.“ Dann wäre er 66. „Das ist ein gutes Alter um aufzuhören“, lacht er.

Besucher dürfte es auch in Zukunft genügend geben, was die vielen Weihnachtsmarkt-„Fans“ alleine von außerhalb belegen. „Die Atmosphäre ist einfach klasse. Wir sind jedes Jahr da“, sagen Uwe und Gudrun Ott, die mit Tochter und Enkelchen gekommen sind. Ursprünglich stammt Uwe Ott aus Langstadt und ist dann nach Dieburg umgezogen. Auf die Weihnachtsmärkte nach Frankfurt und Dreieichenhain soll´s in den nächsten Tagen ebenfalls gehen. Wie die Otts sagen, essen sie nicht nur. Vor allem ein Adventskranz, der nur aus Naturholz besteht, hat es Gudrun Ott auf dem Hobbykünstlermarkt in der Stadtmühle angetan.

Mit seinen Eltern schaut sich Patrick Mesaraya (33) aus Schaafheim um. Einst wohnte die Familie in Hannover. „Dort ist alles größer, dafür ist es hier gemütlicher“, sagt das Trio. Der junge Distriktmanager hat ein Gläschen Raspberry-Jam (Himbeer-Marmelade), mit Whisky verfeinert, gekauft. Zum Verschenken? „Das ist das Geschenk für einen selbst“, gibt er schmunzelnd zu verstehen.

Sowohl die Familie Ott als auch Patrick Mesaraya belegen, dass entgegen anderslautender Kritik auf den Weihnachtsmärkten nicht nur gefuttert, sondern auch gekauft wird. Dabei scheinen jene Stände im Vorteil zu sein, die Außergewöhnliches bieten. Trotzdem finden auch banale Socken ihren Käufer. Wie ein Mann mittleren Alters einräumt, habe er am Ostermarkt die Meinung vertreten, dass der fliegende Sockenhändler nicht in das Ambiente passt. Jetzt beim Weihnachtsmarkt revidiert er seine Meinung: „Ich habe gerade richtig kalte Füße. Ich glaube, da kommen heute noch zwei ins Geschäft“, lautete die Ansage, während seine Augen bereits die Auslage sondieren.

Quelle: op-online.de

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