Gedankliche Brüche

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Rolf Miller gastierte in der Stadthalle.

Babenhausen - Frauen sind für Rolf Miller schwer verständliche Wesen, die er aber erklären kann: „Wenn eine Frau schweigt, dann hat sie was zu sagen“, ist sich der Comedian sicher. Von Michael Just

Da die meisten Frauen oft zuviel reden, habe dieser Zustand aber etwas Gutes, weshalb man ihn nicht unbedingt unterbrechen sollte. Wenn er allerdings zwei Jahre dauert, dann wäre es schon angebracht, mal nach dem Warum zu fragen. Ob diese Weisheit im Leben wirklich hilft, sei dahingestellt. Zumindest beansprucht sie die Lachmuskeln – und das ist die eigentliche Absicht von Rolf Miller. Am Donnerstagabend stand der Walldürner auf der Bühne der Stadthalle und präsentierte sein aktuelles Programm „Tatsachen“. Für seine Erkenntnisse brauchte es nicht viel: Nur ein Stuhl stand in der Mitte der Bühne. In den „legte“ er sich ziemlich männlich mit breiten Beinen wie zuhause auf der Couch beim Fußballgucken rein. Danach erzählte er Geschichten über seine Freunde Achim und Jürgen, erklärt warum es die Scheichs in punkto Geld drauf haben und die Amis nicht und macht auch vor dem Papst und dem Yeti nicht halt. Sein Freund Jürgen ist ein Typ, der vor einem Fußballspiel dem Mann in Schwarz gleich unmissverständlich klarmacht: „Schiri pfeif an, ich will heim.“ Vor Reinhold Messner hat Miller schon deshalb Respekt, weil der „kerzengerade“ ist: „Der rennt aufs Matterhorn und schmeißt dabei kein einziges Papierle weg.“ Den Klimawandel versteht Miller dafür ganz und gar nicht: „Wieso Wandel? Klima hat es doch schon immer gegeben“, meint er. Einmal im Jahr werde es warm, einmal kalt. Dazu müsse man die Sache positiv sehen: „Wenn Holland geflutet wird, dann sind wir sicher im Halbfinale.“

Miller überzeugte sein Publikum mit dem einfachen Geist, der schlichte Weisheiten von sich gibt („Durch Trennung lassen sich die meisten Beziehungsprobleme lösen“). Damit das beim Publikum einschlägt, bedarf es allerdings noch mehr: Bei dem 46-Jährigen kommt noch sein Odenwälder Dialekt dazu sowie die unvollständigen, abrupt endenden Sätze, deren gedankliche Brüche reichlich Komik rüberbringen. Hinter vielen Pausen lauert die treffsichere Pointe, die Miller oft mit einem überzeugten „einwandfrei“ ergänzt. Mitunter hat man den Eindruck, der Mann im lässig-schwarzen Outfit ist trunken - in welcher Form auch immer.

Das macht umso neugieriger, die kompromisslose Wahrheit zu hören. Und dennoch: Man muss die Figur Millers, mit der er schon diverse Kabarett- und Kleinkunstpreise abgeräumt hat, mögen, um einen unterhaltenden Abend zu verbringen. Nicht für jeden ist der Meister des „unfreiwilligen Humors“ zu ertragen, der sich ziemlich einfältig schon alleine über die Idee wundert, Abitur machen zu wollen oder eingesteht, dass man in seinem Freundeskreis in der 9. Klasse schon im elften Schuljahr war.

Etwas mehr als zwei Stunden, inklusive Pause und Zu-gabe, erfreute Miller in Babenhausen seine Fans. Nicht ganz 100 Personen wollten den Comedian sehen. Die verloren sich ein wenig in der Stadthalle und ließen einen etwas enttäuschten Veranstalter vom Hofgarten in Aschaffenburg zurück. Die Resonanz warf erneut die Frage auf, inwieweit Kulturangebote in Babenhausen einen Nährboden finden und ob lokale Ausrichter, wie jüngst der Carnevalverein bei Michl Müller oder die evangelische Gemeinde bei ihrem Kirchen-Kabarett, fest dahinter stehen müssen, damit vor allem die Mitglieder kommen. „Wir sind das erste Mal hier. Für uns war es wichtig, das mal auszuprobieren, da Seligenstadt oder Groß-Umstadt zuvor recht erfolgreich waren“, sagt Axel Teuschner vom Hofgarten. Die Aschaffenburger Kleinkunstbühne versucht derzeit verstärkt, ihre Veranstaltungen in die Region zu bringen. „Wir dachten, der Abend wird besser angenommen. Vielleicht waren die Preise zu hoch“, vermutet Teuscher. Die Ursachen wollen die Verantwortlichen eruieren. Die Flinte wird aber noch nicht ins Korn geworfen: „Wir kommen wieder nach Babenhausen“, lautet die Ansage.

Quelle: op-online.de

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