Hergershäuserin Francisca Hausch wuchs in Den Haag auf und wollte nie Deutsch lernen, bis sie sich verliebte

Rollläden und Trübsinn sind tabu

Die Künstlerin Francisca Hausch kam wegen der Liebe nach Deutschland. Immer noch vermisst die Holländerin das Meer und sie fährt immer noch ein Hollandrad.Foto: Rosendorff

Hergershausen - Ihre Nationalität erkennt man an den Rollläden, beziehungsweise daran, dass sie gar keine hat. Nicht mal Vorhänge verdecken die Sicht nach innen oder außen. Die Sonne scheint auf die grüne Wohnzimmercouch, auf der Francisca Hausch, eine elegant gekleidete Künstlerin mit brauner Hornbrille, in ihrem Fachwerkhaus in Hergershausen sitzt. Von Kathrin Rosendorff

Ihre grau-weiß gestreifte Katze leckt sich die Pfoten sauber, die blonde Hündin liegt am Boden und schnarcht leise vor sich hin. „Als ich von Holland nach Deutschland zog, erschrak ich, als ich bei den Nachbarn dieses laute Krach-Geräusch abends hörte, ich dachte irgendetwas fällt runter, Rollläden kannte ich aus Holland nicht“, erzählt Francisca Hausch (61) und lacht.

Ihren niederländischen Pass hat sie bis heute behalten und bis heute mag sie keine Rollläden. „Ich habe nichts zu verbergen“, sagt sie und lächelt. 1972 ist sie von Den Haag nach Deutschland gezogen, da war sie 25 Jahre alt. „Der Liebe wegen. Die Holländer fühlen sich nämlich sehr wohl in ihrem Land“, erzählt sie. Ihren Mann lernte sie kennen, als sie eine ausgewanderte Schulkameradin in Kelsterbach besuchte. Nach zwei Jahren Hin- und Herpendeln zwischen Den Haag und Kelsterbach beschloss sie: „Ich ziehe nach Deutschland.“

Dabei habe ich Deutsch von allen Fremdsprachen, die ich in der Schule hatte, am allerwenigsten gemocht. Die Grammatik fand ich zu schwer, und ich hatte es als Prüfungsfach fallen lassen. Da wusste ich noch nicht, wie gut ich es brauchen würde“, erzählt sie und grinst. Der typische Rudi-Carrell- oder Linda-de-Mol-Holland-Akzent ist bei ihr nicht zu hören. Nur bei wenigen Worten hört man überhaupt, dass sie keine Muttersprachlerin ist. „Ich habe ein Ohr für Fremdsprachen.“

Die ersten acht Jahre arbeitete sie in einem Hotel auf der Rhein-Main-Airbase der amerikanischen Luftwaffe als Sekretärin, zu Hause in Den Haag war sie Sekretärin des bevollmächtigten Ministers der niederländischen Antillen. Zunächst lebte sie in Waldorf, eine wahre Schlafstadt, sagt sie. 1979 kauften ihr Mann und sie sich ein Haus in Hergershausen. „Damals war das Leben auf dem Dorf voll im Trend.“

Seit 1997 malt sie auf professioneller Ebene. Ihr Atelier ist gleich gegenüber dem Hof in einer alten Schreinerwerkstatt. „Ich male abstrakt, keine Blümchen oder Landschaften“. Sie ist so gut, dass sie selbst Malkurse anbietet. 30 Jahre lebt sie mit ihrer Familie hier. Und hat gerne ihren Sohn (26) und ihre Tochter (24) in Hergershausen aufgezogen. „Die Grundschule war nebenan, und sie konnten ungestört auf der Straße spielen.“ „Ich fühle mich hier in Deutschland sehr wohl“, sagt sie. Aber das sei nicht gleich so gewesen. „Die deutsche Mentalität ist eine ganz andere. Die Leute sind distanzierter, am Anfang brauchte ich so lange, bis ich meinen Satz zu Ende gebastelt hatte, da ging das Gespräch schon mit dem nächsten Thema weiter“, erzählt Hausch und lacht. „Kreuzworträtsel-Lösen“ hat beim Vokabelaufbau geholfen.

In Hergershausen wurden wir warm aufgenommen. Ich mag, dass Hergershausen auch so eine flache Landschaft hat wie Holland.“ Heimweh hat sie trotzdem. „Ich vermisse das Meer, und die Holländer sind größere Lebensgenießer, sie freuen sich über Kleinigkeiten mehr“, sagt sie. „Deutsche haben oft etwas Schweres an sich. Manchmal merke ich, dass auch ich in die schwere Richtung gehe, dann rufe ich mich selbst zur Ordnung mit dem Satz: Achtung, bloß nicht trübsinnig werden!“

Quelle: op-online.de

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