Rote Laterne bei der Ärzteversorgung

Zu wenige Hausärzte gibt es im Landkreis. Politik, Kassen und Mediziner suchen nach Lösungen.Foto: Archiv

Darmstadt-Dieburg - (mj) Wie ist es um den Ärztemangel im Landkreis Darmstadt-Dieburg bestellt? Das Gespenst der Unterversorgung, das derzeit umgeht, war diese Woche Gegenstand eines Runden Tisches von Politikern und Ärzten im Landratsamt. Wie Hans-Jürgen Brems von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen sagte, sei man im Landkreis in Bezug auf Fachärzte gut aufgestellt.

Dem stünden im hausärztlichen Bereich aber 17 offene Stellen gegenüber. Dass man damit im Bundesland mit den strukturschwachen Regionen in Oberhessen die rote Laterne hält, bestätigte Brems, wollte aber den Begriff der „Unterversorgung“ nicht gelten lassen.

Der KV-Geschäftsführer begründete dies mit dem Rechenmodell seines Hauses, das die Gesamtzahl aller Hausärzte im Landkreis zugrunde legt. Danach stimmen die Durchschnittswerte, so dass die Unterversorgung wohl eher gefühlt sei. Wie Brems sagte, müssten viele Menschen „ihren hohen Anspruch zurückstellen, dass Hausärzte heutzutage immer am Wohnort des Patienten ansässig sein müssen“. Trotzdem sei es für ihn aber nicht zu verstehen, dass Hausärzte ausgerechnet in dieser Region fehlen, da der Landkreis sehr attraktiv sei. So falle auch Darmstadt-Dieburg in den bundesweiten Trend, dass sich auf die Ausschreibungen der KV nur wenige Ärzte auf freie Niederlassungsstellen bewerben. „Heute ist es nicht mehr selbstverständlich, dass ein Arzt von sich aus kommt“, konstatierte Brems. Lösungsansätze sieht er darin, dass die Kommunen auf Ärzte zugehen und alles daran setzen, einen Arbeitsplatz vor Ort schmackhaft zu machen - etwa durch die Bereitstellung von Räumen.

Den Rückgang der Haus- und Fachärzte führte Dr. Jürgen Hain, Chefarzt der Kreisklinik Groß-Umstadt, einerseits auf die sinkenden Absolventenzahlen zurück. Des Weiteren würden viele nach ihrer Ausbildung in besser bezahlte Jobs in der Pharmaindustrie oder ins Ausland abwandern. Die rückläufige Zahl von Fachärzten führte er auf die Tatsache zurück, dass in den großen Krankenhäusern aufgrund personeller und materieller Einsparungen die Ausbildung und Entwicklung von neuen Ärzten, die später eigene Praxen eröffnen können, auf der Strecke bleibt.

Wie die Ärzteschaft beim Runden Tisch darlegte, seien viele Praxen durch die Umstellung der Vergütung in einen Existenzkampf geraten. Dass die Reizschwelle bei den Ärzten überschritten ist, mussten die meisten Politiker einsehen. Als ein möglicher Lösungsansatz wurde das „Schaafheimer Modell“ benannt, wo sich Ärzte zu einem Ärztezentrum zusammengeschlossen haben. Dass dieses Modell kein grundlegender Lösungsansatz ist, der für das Gros der Praxen in Frage kommt, hob Kinderarzt Jörg Voigt (Groß-Umstadt) hervor: Der Fokus müsse auf den Einzelpraxen liegen und deren Gefährdung durch stark gestiegene Kosten. „Wollen niedergelassene Ärzte heute betriebswirtschaftlich überleben, müssen sie nachhaltig an der Kostenschraube drehen“, so Voigt. Das heiße zum einen Personalkosten zu senken sowie die nicht deckende kassenärztliche Versorgung zugunsten von besser bezahlten Tätigkeiten wie etwa Vorträgen zu beschneiden. Für die Zukunft sieht er es als wichtig an, Schnittstellen zwischen der stationären und der ambulanten Medizin für die Ärzte aufzutun. Schaffe man es nicht, für die Ärzte unterschiedliche flexible Standbeine zu schaffen, gehe es vielen bei einer weiteren Verschärfung der Lage „an den Kragen“.

Wie Beigeordneter Klaus Peter Schellhaas (SPD) sagte, sei dabei die Politik gefordert, für Lösungen die gesetzlichen Grundlagen zu schaffen.

Quelle: op-online.de

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