Jüngster Ballonpilot Deutschlands

Die Ruhe über der Erde genießen

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Julian Brüggenkamp beim Aufrichten des Ballons.

Babenhausen - Schon seit seiner Kindheit ist Julian Brüggenkamp von der Ballonfahrerei begeistert. Kein Wunder, wurde es ihm auch in die Wiege gelegt. Schon seine Eltern und Großeltern waren oder sind noch heute begeisterte Fahrer. Von Lars Herd 

Als Kind war er immer wieder bei Ballonfahrten mit seinem Vater Uwe Brüggenkamp dabei und durfte mithelfen. Nun kann er endlich auch alleine in die Lüfte steigen. Rund vier Monate dauerte seine Ausbildung, die 60 Theoriestunden in den Fächern Navigation, Luftrecht, Meteorologie, Technik sowie menschliches Leistungsvermögen umfasst. Zuvor muss beim Fliegerarzt noch die Tauglichkeit, wie etwa das Sehvermögen, getestet werden. Hinzu kommen mindestens 14 Flugstunden mit Lehrer und zwei alleine. „Normale“ Schüler brauchen allerdings etwa 20 bis 25 Stunden. Julian Brüggenkamp nicht: „Ich bin ja auch schon vorbelastet, da geht das etwas schneller.“ 60 Fahrten hatte er schon vor seiner Prüfung auf dem Buckel – als Mitfahrer versteht sich. Dennoch muss auch er alle zwei Jahre zur Überprüfung eine Schulfahrt machen und in den zurückliegenden sechs Monaten immer drei Fahrten vorweisen, um Gäste mitnehmen zu dürfen. Außerdem müssen in den zurückliegenden zwei Jahren immer sechs Fahrtstunden sowie zehn Starts und Landungen nachgewiesen sein.

Auch finanziell ist die Ausbildung kein Zuckerschlecken. 6000 Euro kostet sie im Verein, gar das doppelte in den kommerziellen Schulen. Auch die Ballonfahrerei an sich ist ein teures Hobby, wie Uwe Brüggenkamp erklärt. Rund 30.000 Euro kostet alleine die Hülle, die etwa 600 bis 1000 Betriebsstunden lang hält. Zirka 25.000 Euro müssen noch in die Anschaffung der Ausrüstung – vier Gasflaschen, ein Variometer, GPS, Landkarten, ein Funkgerät, ein Erste-Hilfe-Kasten, ein Feuerlöscher, eine Feuerlöschdecke und ein Transponder, um Kontakt zur Flugsicherung herzustellen – investiert werden. Auch deshalb kommt für Gäste der durchschnittliche Preis von 190 Euro pro Fahrt pro Person zustande. Julian darf noch keine Ballonfahrten anbieten, dazu fehlt ihm die kommerzielle Lizenz. Gewinn machen sie dabei keinen, vielmehr stellt dieser Preis die Kostendeckung dar. Auch vom TÜV muss der Ballon jedes Jahr abgenommen werden.

Einen „Schock-Moment“ hatte Julian Brüggenkamp nach eigener Aussage noch nicht – auch wenn sein Vater da anderer Meinung ist. „Einmal habe ich nach einem Wald noch den letzten Baum mitgenommen – aber das war Absicht“, meint Julian schmunzelnd, „das war wie Schiffschaukel fahren.“ Am meisten genießt er bei seinen Fahrten die Freiheit in der Luft, aber auch einmal aus anderen Perspektiven zu sehen und vor allem die Ruhe hoch über dem Erdboden. „Man hört keine Autos, sondern ist komplett in der Natur.“ Perfekt also zum Abschalten nach einem anstrengenden Tag in der Dieburger Alfred-Delp-Schule. Meist fährt er morgens gegen 6 Uhr oder abends zwischen 17 und 19 Uhr, einfach weil die Thermik mit aufsteigenden Luftströmungen es nicht anders zulässt. „Für Segelflieger ist sie gut, für Ballonfahrten schlecht“, meint der Zwölftklässler, der in Kürze auch seinen Segelfliegerschein in der Tasche haben wird. Viel Zeit für andere Hobbys bleibt bei diesen Zeiten also nicht.

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Zu einer Ballonfahrt gehört auch viel Planung, so muss man sich vor dem Start überlegen, wo man landen möchte. Vor allem gilt es, das Wetter im Auge zu behalten. Das kann einem aber auch nach genauer Planung einen Strich durch die Rechnung machen. „Manchen Situationen kann man einfach nicht ausweichen. Da muss man auch spontan sein“, erklärt der 16-Jährige.

Den Begriff „Rundflug“ hören Uwe und Julian Brüggenkamp – und übrigens auch alle anderen Ballonfahrer – gar nicht gerne. „Wir machen Ballonfahrten, Rundflüge gibt es bei uns nicht“, betont Uwe Brüggenkamp. Ganz hoch hinaus darf Julian Brüggenkamp allerdings – zumindest in der hiesigen Region – nicht. Aufgrund der Nähe zum Frankfurter Flughafen dürfen Sportflieger und Ballonfahrer nur bis zu einer Höhe von 1 100 Meter in die Luft. Höher ist nur in Ausnahmefällen und mit einer Genehmigung der Flugsicherung erlaubt.

Quelle: op-online.de

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