„IT ist Vernunft, Musik ist Herz“

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Die Babenhäuserin Sängerin Katja Moschella macht ihre Passion zum Beruf – und hat gute Aussichten.

Babenhausen - Wer charmant empfangen wird, der darf auch mal charmant schreiben: Sagen wir, das exakte Alter von Katja Moschella tut nichts zur Sache und liegt bei etwa 30 Jahren. Von Jens Dörr

Dass sich die junge Frau aus Babenhausen ein wenig ziert, als die Zahl präzise auf den Tisch kommen soll, bleibt aber die einzige Allüre. Das Gespräch im Anschluss über den Schnitt in ihrem Leben kennt keine Geheimniskrämerei mehr. Eigentlich ist Moschella hauptberuflich Software-Entwicklerin. „Ich habe also praktisch nur mit Männern zu tun“, lacht sie, gleichwohl sie weniger die Quelltexte in die Tastatur haue denn im Vertrieb arbeite. Doch die ausgebildete Fachinformatikerin hängt diesen Job in Kürze an den Nagel: „IT ist Vernunft, Musik ist Herz“, bringt sie ihre Sicht der Dinge auf den Punkt. Und spielt dabei bereits auf ihr Vorhaben an, dass man getrost als ehrgeizig bezeichnen darf: mit der Musik ihren Lebensunterhalt zu bestreiten – als Sängerin.

Von Plänen wie diesem hat man gewiss schon häufiger gehört – und mag sich so seinen Teil dazu denken. Schließlich platzen gerade im Musikgeschäft viele Träume, oft genug schon im Stadium einer Miniblase. Bei Moschella liegt der Fall aber anders – und das Erstrebte, die Grenze zwischen Leidenschaft und täglichem Broterwerb verschwimmen zu lassen, könnte tatsächlich wahr werden.

Um das zu untermauern, erzählt die Babenhäuserin – mit Wurzeln in Sizilien und geboren am Niederrhein – aus ihrem Leben. Mit sechs Jahren fing sie mit dem Klavierspielen an. „Meine Eltern haben auch immer gesagt, dass ich singen kann. Ich war aber ziemlich schüchtern und zurückhaltend.“ Das habe sich auch später nicht ganz gegeben, was man nicht recht glauben mag, wenn Moschella in ihrer offenen, zugewandten Art die Unterhaltung führt und Hörproben voller Herz und mitfühlender Öffnung preisgibt. Doch sie stellt heraus: „Singen ist für mich Leben. Ich nehme keine Drogen, trinke keinen Alkohol, bin ansonsten also ziemlich spießig.“ Andererseits eine gute Voraussetzung für den brettharten Weg einer Profimusikerin: „Mir macht die Musik einfach Spaß, um das Geltungsbedürfnis geht es mir nicht. Aber du musst eben auch viel Disziplin mitbringen.“

Mit der hat sie bereits neben ihrer Arbeit regelmäßig auf den weltbedeutenden Brettern gestanden, trotz vieler „Möchtegern-Produzenten“ und jenen Schaumschlägern, die sich in diesem Geschäft eben nicht ganz selten herumtreiben. Um an den Richtigen zu geraten, brauche man einfach auch Glück, habe sie festgestellt. Moschella hatte davon ein bisschen und von Talent, Fleiß und dem, was man Wille nennt, viel.

Mittlerweile ist sie in diversen Künstlerpools vertreten, singt mit unterschiedlichen Musikern, tritt auf Privatfeiern ebenso auf wie öffentlich. Das Geschäft läuft. Der selbsternannte Workaholic vermochte in jüngerer Vergangenheit nicht einmal mehr alle Aufträge neben dem regulären Job anzunehmen. Hätte Moschella es getan, wäre mehr Geld als in der IT herausgesprungen, hat sie errechnet.

Das gibt ihr noch mehr Vertrauen in die Zukunft; das Schlüsselerlebnis, sich für die Passion und gegen die –scheinbare – bürgerliche Vernunft zu entscheiden, sei aber ein anderes gewesen. Vor drei Jahren seien im persönlichen Umfeld mehrere Menschen gestorben: „Da fängst du an, über den Sinn des Lebens nachzudenken.“ Dass der nicht im Abarbeiten eines Berufs, der zwar in Ordnung, aber eben auch nicht immer prickelnd ist, liege, lautete eine von Moschellas Schlussfolgerungen.

Nun also der Angriff auf dem Musikmarkt, ohne Spinnereien von Charterfolgen im Kopf, aber mit einem gesunden Optimismus. Bei den Genres schränkt sich die Babenhäuserin nicht ein und steht Rock ebenso offen gegenüber wie Schlagern. Ursprünglich wollte sie, deren Stimmlage über drei Oktaven klettert, sogar mal Opernsängerin werden. Die Frau mit dem -– zumindest in diesem Artikel – geheim bleibenden Alter will es nun wissen. Ihre Vorbilder? „Alle, die sich nicht aufgeben, die kämpfen.“

Quelle: op-online.de

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