Vor dem Salto wird eingeheizt

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Seit einem halben Jahrhundert ist Lothar Winter (links) beim Turnverein in Hergershausen. Dank und Anerkennung, die auch an seine Frau Christel (Zweite von links) gingen, überbrachten Dolores George, Vorsitzende des Turngau Odenwald, und die Vorsitzende des TV Hergershausen Ute Beck.

Hergershausen ‐ Seit 50 Jahren ist Lothar Winter jetzt offiziell Mitglied im Turnverein Hergershausen. Eigentlich noch länger: Die Vereinsaufzeichnungen waren damals nicht so genau wie heute. „Ich hab‘ schon als Knirps geturnt. Damals hat aber keiner groß gefragt“, lacht der 65-Jährige. Von Michael Just

Die derzeit eisigen Wintertemperaturen verbindet er mit seiner Kindheit: „Da musste jeder noch Briketts oder Holz zum Turnunterricht mitbringen, um den Saal zu heizen.

Vor allem mit dem TV-Blasorchester ist der Name Lothar Winter untrennbar verbunden. Mit 15 trat er in den damaligen Fanfarenzug ein, um Flöte beziehungsweise Pfeife zu lernen. Schon bald kamen die Fanfare und die Trompete hinzu, heute spielt er Waldhorn. Mit gerade mal 20 Jahren übernahm Winter 1966 das Amt des Dirigenten. „Zu jener Zeit haben die meisten nur nach Gehör gespielt. Noten konnte kaum einer lesen“, erinnert sich der Jubilar. Bei ihm wurde das Notenlernen Pflicht. „Man lernt die Stücke einfacher, wenn alle Mitglieder Noten lesen können“, weiß der Experte, der fortan auch professionelle Ausbilder hinzu holte.

Als Vizedirigent springt Lothar Winter immer noch ein

Anfang der 70er Jahre erfolgte sein größter Verdienst: Er stellte den Spielmannszug auf ein Blasorchester um: Pfeifen, Fanfaren und Trommeln wurden mehr und mehr abgelöst durch Trompeten, Posaunen, Klarinetten und die Tuba. „Die Musik in einem Blasorchester ist ansprechender und das Repertoire größer“, bringt der Hergershäuser die Vorteile auf den Punkt. 1975 erfolgte das erste vielbeachtete Konzert. Insgesamt leitete Winter das Orchester 30 Jahre lang, bevor er 1996 ins zweite Glied zurück trat und den Weg frei für Rainer Laumann aus Wixhausen machte, der den Musikern bis heute vorsteht.

Als Vizedirigent springt Lothar Winter aber immer noch ein. Mit der Musik erlebte er viele glückliche Momente, unter anderem bei den Deutschen Turnfesten in Berlin, Frankfurt, Stuttgart und Hamburg. Nicht vergessen sind auch die Freundschaftsbesuche bei Musikern etwa im Schwarzwald. Dass solche Beziehungen in der Gegenwart nachgelassen haben, bedauert der ehemalige Maler: „Jeder hat nur noch Termine, Termine, Termine. Für den Austausch bleibt heute kaum noch Zeit.“

Quintett auch als „The Winter five“ bekannt

Zeit für die Nachwuchsförderung im Verein, und dafür, dass seine Kinder ebenfalls ein Instrument lernen, nahm sich Winter reichlich. „Musik ist einfach was Wunderschönes, das man weitergeben muss“, sagt er. So verwundert es nicht, dass sein jüngster Sohn als Berufsmusiker im Staatsorchester in Eisenach spielt. „Ist er im Lande“ unterstütze er ebenfalls das Hergershäuser Ensemble. Im besten Fall spielen fünf Winters mit: Neben dem Senior sind das seine Frau und drei Kinder. So verwundert es kaum, dass die Familie einen Spitznamen im Orchester weg hat: Amerikanisch angelehnt fassen die Musiker das Quintett auch als „The Winter five“ – „Die fünf Winters“ – zusammen.

Quelle: op-online.de

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