Sanierung findet ein Ende

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Frische Farbe, neue Schindeln: Backhausgasse 2.

Babenhausen - Die Dielen aus Seekiefer sind verlegt, Maler haben alle Räumlichkeiten in einem hellen Ton und die Türen in mildem Grün angelegt. Pfarrerin Andrea Rudersdorf kann mit ihrem Mann in der zweiten Augustwoche in die Backhausgasse 2 umziehen. Die Sanierung des historischen Pfarrhauses wird bis dahin abgeschlossen sein. Von Stefan Scharkopf

Nach zwei Jahren Restaurierung ist der Fachwerkbau auf massivem Untergeschoss, der auf das Jahr 1595 datiert, wieder bezugsfertig. „Die Anstrengungen haben sich gelohnt“, so die künftige Nutzerin, Pfarrerin Rudersdorf. So manche „unerwartete Überraschung“ galt es für die Architekten und den Bauausschuss der evangelischen Kirchengemeinde zu meistern. Besonders die Statik machte Probleme. Vielfach waren handwerkliches Geschick und Können, Sachwissen und viel Geduld der Handwerker vonnöten. „Eine besondere Herausforderung war es, unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Aspekte eine zeitgemäße Nutzung zu erreichen.

Briefe von Meta Schneider aus 1912.

Dies wird besonders deutlich an den verschiedenen Stuckdecken im Pfarrhaus und den bis zu 15 monochromen Farbschichten an einzelnen Stellen, die in Handarbeit mühevoll rekonstruiert und gesichert wurden“, so Rudersdorf. Auch wenn das Haus mit beträchtlichem Aufwand wieder hergerichtet wurde, so betont die Pfarrerin doch, dass sie hier „nicht residieren, sondern wohnen“ wolle. Ursprünglich war eine Vakanzsanierung angedacht, nachdem ihr Vorgänger Pfarrer Greifenstein im Mai 2006 ausgezogen war. Doch im November kam die schlechte Nachricht: Als nach und nach der Putz frei gelegt wurde und die Zimmerleute anrückten, war absehbar, dass die halbe Million Euro nicht ausreicht. Kirchenvorsteher Christoph Kleinert hatte bei einer Gemeindeversammlung berichtet, dass das statische Gefüge des Fachwerkhauses durch Moderfäule so stark angegriffen ist, dass eine intensive Renovierung eines Großteils der Balken und des Daches nötig wurde.

Ein Teil der Renovierungskosten wird durch den Verkauf des ehemaligen Pfarrgartens mit dem „Sälchen“ bestritten. Das „Sälchen“ selbst wird abgerissen.

Allerdings gab es auch schöne Überraschungen. So wurde in einer Wandnische auf der Südseite eine Kassette mit Briefen von Meta Schneider aus dem Jahr 1912 gefunden, Gattin des Pfarrers Karl Schneider, die einen Gruß an die Nachfahren sendet. Darin berichtet sie, dass sie sich der Schriftstellerei ergeben hat und Romane und Novellen verfasst. Seinerzeit, schrieb die damals 37-Jährige, habe Babenhausen weder Wasserleitungen noch Kanalisation gehabt. Die Kassette, so Rudersdorf, wurde inzwischen mit den Papieren und Lokalteilen von Zeitungen wieder an der alten Stelle eingemauert.

Letzte Gelegenheit zur Besichtigung

Allen Interessierten bietet sich am Freitag, 24. Juli, letzte Gelegenheit, das frisch restaurierte Pfarrhaus zu besichtigen. Im Rahmen einer Einweihungsfeier ist das ehemalige Amtshaus von 15 bis 20 Uhr für Besucher geöffnet. Kaffee, Kuchen und ein Imbiss des Förderkreises der evangelischen Kirchengemeinde Babenhausen laden zum Verweilen ein. Wegen der frisch geölten Holzdielen wird gebeten, bei schlechtem Wetter unbedingt Hausschuhe für die Besichtigung mitzubringen.

Quelle: op-online.de

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