Sieben Teams bei 9 000 Einwohnern / Historische Saison für SG Mosbach?

In Schaafheim boomt Männerfußball

Zum quantitativen wie qualitativen Hoch bei der SG Mosbach/Radheim trägt auch Erstmannschaftsspieler Marvin Bernhard (weiß) bei.D Foto: örr

Ein paar Trainer der Klasse hatten sie auf dem Zettel, wenn es im Sommer um die Aufstiegskandidaten der Fußball-Kreisliga A Dieburg ging. 

Schaafheim – Allerdings schien die SG Mosbach/Radheim im Schatten der Topfavoriten FV Eppertshausen und FSV Groß-Zimmern zu stehen, mitunter sogar von Ortsrivale und Kreisoberliga-Absteiger Viktoria Schaafheim. Nach dem ersten Drittel der Saison hat sich das Bild geändert: Die Spielgemeinschaft der beiden Schaafheimer Ortsteil-Klubs FSV Mosbach und SV Rot-Weiß Radheim führt die Tabelle mit zehn (oft hohen) Siegen aus elf Spielen souverän an. Die Abwehr ist die beste der Liga, die Offensive mit weitem Abstand sowieso. Ein Aufstieg hätte eine historische Dimension. Auch insgesamt boomt der Männer-Fußball in der Bachgau-Gemeinde derzeit.

„Mosbach hat das noch nie erreicht, ist noch nie über die A-Klasse hinausgekommen“, weiß FSV-Vorsitzender Frank Kurz. Die Radheimer hatten vor vielen Jahren solo mal ein Gastspiel in der damaligen. Seit beide Vereine 2008 die Spielgemeinschaft eingingen, war die A-Liga und damit die Neuntklassigkeit jedoch das Höchste der Gefühle.

Dies könnte sich im kommenden Jahr ändern. Mitunter wie ein Derwisch fegte die SG Mosbach/Radheim gerade zu Saisonbeginn ihre Gegner vom Platz. Mitfavorit Groß-Zimmern ging in Mosbach, wo die erste und die dritte Mannschaft ihre Spiele absolvieren (die zweite Mannschaft spielt in Radheim), mit 2:6 baden. Bei der SG Reinheim/Spachbrücken gewannen die Schaafheimer gar mit 7:1, in Richen mit 6:0. Jüngst gab es Auswärtssiege in Kleestadt und Altheim, nur im engen Heimspiel gegen Eppertshausen setzte es ein 0:2. „Das war ein ausgeglichenes Spiel“, erinnert sich Kurz. „Die Eppertshäuser haben schon eine gute Mannschaft, doch auch Groß-Zimmern und die TS Ober-Roden II schätze ich weiter stark ein“, nennt er die mutmaßlichen Hauptkonkurrenten für die weitere Runde.

In der ist der Direktaufstieg in die Kreisoberliga Dieburg/Odenwald drin, selbst wenn die hochkarätig besetzten Eppertshäuser ihre zuletzt eingeschlagene Serie fortsetzen. Platz zwei würde die Relegationsrunde bedeuten. Das Saisonziel war etwas verhaltener formuliert worden: „Wir wollten unter die ersten fünf“, so Kurz, der gleichwohl sieht, dass der Spitzenplatz möglich ist. Und dem eine Reihe von Gründen dafür einfällt.

So leiste Trainer Kai Muhl ausgezeichnete Arbeit, „er bildet die Jungs gut weiter“. Leistungsträger wie Nico Lauterbach und Leon Ruppert seien „erst Anfang 20, aber jung, schnell und gut ausgebildet“. Offensivspieler Max Daniel ist in der Liga seit Jahren eine Klasse für sich und führt auch aktuell wieder die Torjäger-Liste mit 15 Treffen in zehn Spielen an. Zu den 45 (!) erzielten Toren der Spielgemeinschaft hat Sommerzugang Marvin Bernhard bisher elf beigesteuert. Glückliche Fügung, dass der pfeilschnelle, torgefährliche Ex-Kreisoberliga-Akteur aus Klein-Zimmern im Bachgau ein Haus gebaut und deshalb den Verein gewechselt hat. Weiter nennt FSV-Vorsitzender Kurz Kapitän Paul Daniel („der Kopf der Mannschaft“) und den neuen Torwart Nick Wegner als wichtige Stützen.

Vor allem aber führt er als Pluspunkt die Breite des Kadersan : „Früher hatte wir für die erste Mannschaft elf gute Spieler. Heute sind es 20.“ Diese 20 Akteure bilden unter Muhl eine eigene Trainingsgruppe. Insgesamt verzeichnet die SG Mosbach/Radheim derzeit aber einen Boom mit 60 Aktiven und meldete im Sommer deshalb auch eine dritte Mannschaft. Sie mischt in der Kreisliga D in der Spitzengruppe mit, die zweite Mannschaft steht in der C-Liga vorn dabei. Selbst drei Aufstiege auf einen Schlag scheinen im Frühjahr 2020 möglich.

Potenzial, wie es auch dank der gemeinsamen Jugendarbeit der zwei Ortsteil-Verein entstanden ist. Im Nachwuchs kooperieren Mosbach und Radheim schon seit den 80ern. Wenn’s mal eng wird wie in der laufenden Runde bei D- und C-Junioren, macht man auch mit dem FC Viktoria Schaafheim gemeinsame Sache. „In den letzten Jahren haben wir bei den Aktiven 25 Spieler aus der eigenen Jugend dazubekommen“, berichtet Kurz. „Unsere A-Jugend war vor zwei Jahren Kreismeister.“

Dass die anderen Schaafheimer Fußball-Vereine wegen der SG Mosbach/Radheim darben würden, kann man übrigens trotzdem nicht behaupten: Auch Viktoria Schaafheim und sogar der FSV Schlierbach haben derzeit je zwei Männerteams im Spielbetrieb. In der Gemeinde am Ostrand des Landkreises Darmstadt-Dieburg, in Steinwurf-Weite zur Grenze zu Bayern, gibt es bei 9 000 Einwohnern momentan also sieben Männerteams. Zum Vergleich: In Dieburg oder Groß-Zimmern (16 000 beziehungsweise 14 000 Einwohner) sind es nur je vier. Babenhausen liegt bei der Anzahl der Teams dank seiner Stadtteil-Klubs dazwischen (siehe Infokasten).

VON JENS DÖRR

Quelle: op-online.de

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