Schafe in Acryl erobern Hofreite

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Auf dem Rücken von Ponystute Karin genoss Sarah das Kinderprogramm beim Mühlentag

Hergershausen ‐ Auf dem Mühlbach schwimmen Enten um die Wette. Im Getreidespeicher lockt ein üppiges Kuchenbüfett. Und statt feinem Mehl gibt's bei diesem Müller Ökostrom, Grillsteaks und Bier vom Fass. Von Ursula Friedrich

Thomas Winter öffnete anlässlich des „deutschen Mühlentags“ zum zweiten Mal die Tore der historischen Langfeldsmühle an der Gersprenz. Auch wenn das Mühlrad seit 1970 still steht, fand die Einladung zur idyllischen Fachwerk-Hofreite hunderte von Fans. Mit dem Fahrrad, per Auto oder auf Schusters Rappen strömten die Besucher zum Mühlfest - angelockt von einem umfangreichen Erlebnisprogramm und zünftiger Gastronomie. Thomas Winter lud zu einem Ausflug in die Vergangenheit, als er das interessierte Publikum durch die 1692 von Georg Kolb erbaute Mühle führte. „Bis Anfang der 70er Jahre wurde hier Korn gemahlen“, erläuterte Thomas Winter, „seit 1969 gibt es eine Wasserturbine. Der Überschuss unseres Ökostroms fließt ins öffentliche Netz.“

Der gebürtige Hergershäuser kannte das Ensemble bereits als Kind und erfüllte sich vor drei Jahren einen Traum: Das Anwesen samt sechs Hektar Land wurde von der betagten Witwe eines Frankfurter Unternehmers verkauft. Das renovierungsbedürftige Anwesen erfuhr Dank seines neuen Besitzers eine Renaissance. Thomas Winter sanierte das Objekt liebevoll, betonte den Charme des historischen Anwesens und verstand es, die Langfeldsmühle erfolgreich als Ausflugsziel attraktiv zu machen. Von Kunst und Kultur bis Kuchen und Kinderprogramm reichte das Spektrum am „Mühlentag“.

Nie um einen Pinselstrich verlegen: Hans Peter Murmann bannte die Langfeldsmühle auf die Leinwand.

Auf historischem Kopfsteinpflaster schlemmten hunderte Besucher und genossen sommerliches Wetter und den Auftritt des Blasorchesters vom TV Hergershausen. Ein Korbflechter ließ sich bei der Arbeit über die Schulter gucken. Kinder tobten auf einer Hüpfburg herum oder genossen eine Runde zu Pferde. Auch der Dieburger „Schäfchenmahler“ Hans Peter Murmann ließ sich mit der Staffelei nieder, um die Mühle in Acryl auf Leinwand zu bannen - erobert von einer Herde feiernder Wolltiere. Auch die guten Beziehungen zu den Nachbarn fruchteten: Wolfgang Held vom Wiesenhof spannte seine Rösser an und kutschierte Besucher durch die Feldgemarkung. Pferdetrainerin Judith Mauss füllte mit ihrer Show die Reithalle auf dem Wiesenhof: Diese Art des Umgangs mit Pferden sei „nicht ganz konventionell“, schmunzelte sie. Für Insider waren die Lektionen ein Augenschmaus, denn lediglich mit einem kleinen Halfter am Kopf absolvierten die Rösser selbst schwere Lektionen der klassischen „hohen Schule“. Als Haflingerstute Gretel wie selbstverständlich auf ein schmales Podest stieg und Frauchen Leonie unter der Pferdedame hindurch kroch, gab es donnernden Applaus vom Publikum.

An der Gersprenz lockte junge Besucher ein weiteres sportliches Ereignis: Mit dem Betreuungsverein der Bachwiesenschule „Die kleinen Strolche“ ging es zum Entenrennen. Für einige Besucher weckte der Rundgang durch die alten Gemäuer Kindheitserinnerungen: „Hier haben wir als Kinder gespielt“, erzählte eine ältere Hergershäuserin, „und im Mühlbach hab´ ich schwimmen gelernt.“

Die Zukunft des über 300-jährigen Anwesens könnte in seiner Öffnung für den Nahtourismus liegen. Besonders für ambitionierte Radfahrer sei die Mühle ein idealer Ort, eine Verschnaufpause einzulegen, so der Müller - der Radweg führt unmittelbar am Anwesen entlang. Thomas Winter hat die Genehmigung für ein Gartenlokal bereits auf den Weg gebracht. Bis zur geplanten Eröffnung 2011 wird noch einiges Wasser die Gersprenz hinunterfließen, doch es locken vereinzelte Highlights: Am 18. Juli lädt das Blasorchester des TV Hergershausen hier ab 19 Uhr zum Serenadenkonzert.

Quelle: op-online.de

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