Harpertshausen

Feuerwehr richtet Straßenverkauf ein: Schlachtplatte zum Mitnehmen

Erstmals gab es einen Straßenverkauf beim Schlachtfest der Feuerwehr Harpertshausen. Das Küchenteam um Ralf Schnur (von links) sowie Ingrid und Wilhelm Kühnle hatten viel zu tun. Fotos: Just
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Erstmals gab es einen Straßenverkauf beim Schlachtfest der Feuerwehr Harpertshausen. Das Küchenteam um Ralf Schnur (von links) sowie Ingrid und Wilhelm Kühnle hatten viel zu tun.

Beim Schlachtfest der Feuerwehr Harpertshausen denken einige Mitglieder daran, in der kommenden Woche ein neues Patent anzumelden: „Schlachtplatte to go“. 

  • Schlachtfest in Harpertshausen bringt Idee
  • Straßenverkauf für Schlachtplatte 
  • Auswirkungen auf das Coronavirus auch hier zu spüren 

Harpertshausen – Für das 22. Schlachtfest im kleinsten Stadtteil, das trotz Corona-Pandemie nicht abgesagt wurde, hatte man extra einen Straßenverkauf für jene eingerichtet, die lieber zu Hause essen und damit auf Nummer sicher gehen wollten. Aus einem kleinen Fenster reichten die Organisatoren Blut- und Leberwürste, Wellfleisch sowie die Beilagen Sauerkraut und Kartoffelbrei in Warmhalteverpackungen. Das wurde sehr gut angenommen. Wer wollte, konnte es sich aber wie gewohnt in der Fahrzeughalle schmecken lassen.

„Von den 30 bis 40 Voranmeldungen, die uns erreichten, war ein Großteil dabei, der gleich sagte, dass er das Essen zum Mitnehmen möchte“, berichtete Küchenhelferin Ingrid Kühnle. Einige rückten gleich mit Plastikdosen unter dem Arm an, so wie Jörg Willmann. 

Straßenverkauf für Schlachtplatte: Essen für Menschen in Quarantäne 

Er holte Deftiges für seine Eltern, die gerade aus dem Skiurlaub in Österreich zurückkehrten. Wie er sagte, hätten sich beide erst einmal freiwillig eine Quarantäne auferlegt. Die Frage an Wellmann, ob er das Angebot der Feuerwehr ebenfalls genießt, wird verneint. Er habe heute kein Verlangen auf Schlachtplatte. Eine 73-Jährige, die ebenfalls „to go“ wählte, begründete die Entscheidung mit ihrem Asthma. „Ich will da drin nicht husten und die Leute beunruhigen“, führte sie an.

Dass die Feuerwehr Harpertshausen sich zum Durchführen des Schlachtfestes entschied, obwohl in der gesamten Republik nahezu alle Veranstaltungen ruhen, kann Vorsitzender Bernd Sauerwein begründen. So seien die Planungen und Vorbereitungen schon ziemlich weit vorangeschritten gewesen. 

Straßenverkauf für Schlachtplatte: Alternative in der Corona-Krise 

„Dann hätten wir die Sache schon am Mittwoch absagen müssen. Am Freitag, als das Gros der Absagen allerorten rausging, war es unserer Meinung schon zu spät.“ Wäre der Termin erst nächste Woche gewesen, hätte man ihn sicherlich verschoben. In der Konsequenz ziehe man die Veranstaltung nun durch und lasse jeden selbst entscheiden, ob er kommen wolle oder nicht. Zudem liege mit dem Straßenverkauf eine gute Alternative vor.

Die Schweineköpfe für das Well- beziehungsweise Backenfleisch hatte man in Dieburg geordert. Die „Direktion“ in der Küche oblag Wilhelm Kühnle, Metzger im Ruhestand. Seit dem ersten Termin vor 22 Jahren kommt er dieser Aufgabe bereits nach. Auffällig waren in der Küche auf einem Tablett mehrere kleine Gläschen mit Flüssigkeit. Was einmal scherzhaft als „Desinfektionsmittel mit Frucht“ durchging, entpuppte sich als „Willi“ mit einem kleinen Birnenstückchen.

Straßenverkauf für Schlachtplatte: Gefahr des Virus nicht wahrgenommen

Insgesamt waren die Esser in der ausgeräumten Fahrzeughalle überschaubar. Zwei bis drei kleine Gruppen waren auszumachen, dazu hier und da ein Pärchen oder eine Einzelperson. Die Begründungen an den Tischen, dass die Angst vor Corona nicht siegte, war unterschiedlich. Mehrfach wurde der Virus als lediglich stärkere und damit überschätzte Grippe bezeichnet. 

„Dann liege ich halt mal eine Woche flach“, meinte ein 52-Jähriger. „An der üblichen Influenza sterben jedes Jahr Tausende ohne dass das große Beachtung findet“, sagte eine andere Person. Zudem wurde geäußert, dass ein bisschen Lebensfreude bleiben muss. Eine 66-Jährige schwankte zwischen Zweckoptimismus und Galgenhumor. Wie sie sagte, fange mit 66 das Leben doch erst an, weshalb sie sich nicht bremsen lässt. Dazu werde sie nicht in Panik verfallen, wenn das Virus tatsächlich anklopft: Mit 66 könne ihr der Großteil des Lebens ohnehin nicht mehr genommen werden.

Von Michael Just

Quelle: op-online.de

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