Schleier und kreisende Hüften

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Zum Thema „Bollywood“ hatte die Mittlere Garde eine tolle Show einstudiert.

Sickenhofen ‐ Der Sickenhöfer Karnevalverein (SKV) feierte seinen runden Geburtstag, und rund 250 närrische Gäste waren dabei. Seit 3 x 11 Jahren besteht der Verein und ebenso lange stellen die Aktiven eine Fastnachtssitzung auf die Beine, bei der keine Wünsche offen bleiben. Von Petra Grimm

Auch am Samstag begeisterte die bunte Mischung aus Tänzen, Gesang und Büttenreden das bunt kostümierte Publikum in der ausverkauften Friedel-Wiesinger-Halle, das ausgelassen schunkelte und mitsang. „Die Rückmeldungen, die ich im Anschluss bekommen habe, waren durchweg positiv“, sagte die Vorsitzende Sandra Gelzleichter erfreut. „Mich haben Leute angesprochen, die seit vielen Jahren mal wieder da waren und gesagt haben, sie hätten sich keine Minute gelangweilt.“ Sie ehrte auf der Bühne fünf Gründungsmitglieder, die noch heute im Verein aktiv sind: Der Ehrenvorsitzende Franz Weihert, Elli Weihert, die zweite Vorsitzende Astrid Hartmann, Mareen Hautmann und Reiner Stütz wurden unter dem Applaus der Zuschauer für 33 Jahre närrisches Engagement ausgezeichnet.

Bei der Sitzung wurden auch Gründungsmitglieder geehrt, die bis heute im SKV aktiv sind (von links): Reiner Stütz, Franz Weihert, Elli Weihert, Astrid Hartmann und Mareen Hautmann.

„Jetzt ist die Zeit der tollen Tage, so eine Art Idiotenplage“, reimte Sitzungspräsident Bernd Gelzleichter, der wieder gekonnt durchs Programm führte. Als Live-Band waren Troubadix und Haasi im Einsatz. Für Aufsehen und Begeisterung sorgten vor allem wieder die sechs Tanzgarden, die das Herz des SKV bilden. Die Kostüme und Masken waren einzigartig, und keine Gruppe kam ohne Zugabe von der Bühne. Klassischer Gardetanz der Großen und Mittleren Garde, die Purzelgarde als süße Engelchen und die Kleine Garde, die als Bibi Blocksberg mit Hexenbesen herumwirbelte, erhielten viel Applaus. Besonders gut kam der Auftritt der Mittleren Garde in exotischen bauchfreien Kostümen und gelungener Choreografie an. Sie hatten zum Thema „Bollywood“ eine tolle Show mit Schleiern und kreisenden Hüften einstudiert. Beeindruckt hat auch die Große Garde, die „Afrika“ auf die Sickenhöfer Bühne brachte. Trommelmusik, Bastrasseln und ein aufwändiger Kopfschmuck mit Tüchern und Gras rundeten das Bild ab. Als Pfauen in blau-braunen Kostümen schlugen die Tänzerinnen der Ehrengarde mit Federfächern ihr Rad.

Vom Turnverein schwangen die „Tanzmäuse“ auf der Bühne ihre Beine, und im Dirndl und mit blonden Zöpfen sorgte das Sickenhöfer Männerballett für Stimmung im Saal.

Der humoristische Höhepunkt der Sitzung, bei der auch das Babenhäuser Prinzenpaar Anke I. und Harald II. mit Gefolge und Bürgermeisterin Gabi Coutandin gereimte Grüße überbrachten, war für die meisten wieder Woody Feldman. Die Griesheimerin war nach ihrem gelungenen Einstand im vergangenen Jahr zum zweiten Mal auf der SKV-Bühne im Einsatz. Sie schaffte es auch als letzter Programmpunkt mit ihren Witzen und Liedern für Aufmerksamkeit zu sorgen. Was schwer ist im Hexenkessel, in den sich die Sickenhöfer Halle traditionell gegen Ende der Sitzung verwandelt.

Das bekam auch Ramon Chormann (Mainz-Bohnebeitel) als „de Pfälzer“ in der Bütt zu spüren. Der Mundart-Comedian, der zwar Fernseherfahrung, aber keine Erfahrung mit Sickenhöfer Sitzungen hat, bat während seines Vortrags kurz vor Ende des offiziellen Sitzungsprogramms um mehr Ruhe im Saal.

In der Bütt, die in Sickenhofen mit Fastnachtern von außerhalb besetzt ist, witzelten außerdem Klaus Fengel und Ralf Knöpp vom CVB als Bäcker („ein stillgelegtes Freudenhaus ist ein Auspuff“) und Lothar Pistauer aus Münster als „Kloofraa Clothilde“. Die beiden Eppertshäuser Vollblutfastnachter Lutz Murmann und Klaus Müller gaben mit starker Bühnenpräsenz ein zänkisches Prinzenpaar der besonderen Art. Sie erzählten von ihren Erlebnissen als Tollitäten, etwa von der Kräppelfeier im Seniorenclub („Ü90-Party mit betreutem Schunkeln“) oder auch Geschichten aus dem prallen Leben, wie die vom Harreshäuser, der ein Sickenhöfer Ohr transplantiert bekam, was nicht gut ging („das Sickenhöfer Ohr hat den Harreshäuser Körper abgestoßen“). Die Hände zum Himmel gingen bei den Stimmungsliedern der „Schoppeamseln“ aus Georgenhausen.

Und nach einigen Jahren Bühnenabstinenz trat auch der singende Metzgergeselle Franz Weihert wieder ins Bühnenlicht. Sein Fleischworscht-Lied kam nach wie vor an bei den feiernden Massen. Unterstützt wurde er dabei von Happyman Norbert Herbert mit der Ziehharmonika.

Quelle: op-online.de

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