Schleiereulen im Gotteshaus

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Den Besuch der Schleiereule im Dach der Stadtkirche bereiten gerade (von links) die Babenhäuser Nabu-Mitglieder Dieter Mahr, Hans H. Fendt und Gerhard Altmann vor.

Babenhausen - „Vorsicht! Hier geht’s richtig steil rauf“, ruft die Babenhäuser Nabu-Vorsitzende Heidi Baker, während die alte Holztreppe unter ihren Füßen knarzt. Von Michael Just

Nach einigen Stufen tut sich der lang gezogene Dachstuhl der Stadtkirche auf, der von vielen dicken, Jahrhunderte alten Eichenbalken durchzogen ist. Ganz am Ende des Raumes lassen sich vier Männer erkennen, die abwechselnd sägen, hämmern und schrauben.

Der Vogel, dem ihr Engagement gilt, wird bis zu 35 Zentimeter groß, hat meist ein sehr helles Fell und ein herzförmiges Gesicht. Gemeint ist die Schleiereule, die nach den Wünschen des lokalen Nabu mit ihrer Spannweite von bis zu 85 Zentimetern bald aus dem zweiten Stock des Gotteshauses ein- und ausfliegen soll. Dafür bauen die Vorstandsmitglieder Dieter Mahr, Gerhard Altmann und Hans H. Fendt gerade einen übergroßen Nistkasten. „Die Idee haben wir schon länger“, erzählt Heidi Baker, die für die Stärkung der Kollegen selbst gebackenen Bananenkuchen sowie Kaffee und heißen Tee bereithält. Den können die Naturschützer gebrauchen, denn hier oben ist es – wie die kondensierende Atemluft zeigt – nur wenig kälter als draußen.

Drei Kästen für Schleiereulen im Wasserturm

Beschleunigt hat den Bau die Tatsache, dass die drei Kästen für Schleiereulen im Wasserturm während dessen Sanierung zugemauert wurden und jetzt nicht mehr zugänglich sind. „Der neue Besitzer wollte das so. Das haben wir akzeptiert, aber nicht ganz verstanden“, sagt Baker. Wie sie ergänzt, habe man zumindest die Zusage vom neuen Eigner bekommen, dass dieser die Materialkosten für die gegenwärtigen Arbeiten übernimmt. Angeleitet wurden die Nabu-Männer vom Groß-Umstädter Greifvogelfachmann Klaus Hillerich, der schon viele solcher Kästen gefertigt hat. Die sind nicht klein: Die Bauten entsprechen einem kleinen Raum mit Wänden aus OSB-Platten. Die messen rund 2,50 x 2,50 x 2,50 Meter im Quadrat und beherbergen im hinteren Teil den Brutbereich, der mit Hobelspänen versehen ist. Das große Volumen schafft die Möglichkeit für die Jungvögel, ihre ersten Fluchtversuche im Nest zu machen.

Für den Zugang in Babenhausen wurde ein Kirchenfenster entfernt und dafür ein spezielles Einflugloch gebaut.

Schutz der Schleiereule

Wie nötig der Schutz der Schleiereule ist, weiß der bekannte Langstädter Naturschützer Otto Diehl. „Wir verzeichnen in den letzten drei Jahren einen regelrechten Zusammenbruch bei den Bruten“, sagt er. Nur zwei bis vier Gelege habe man per anno im Altkreis gezählt. Dieses Jahr sei es mit sechs Bruten und einer Zweitbrut kaum besser gewesen. Das komme mit Blick auf das Jahr 1993 einer Katastrophe gleich, als es 28 Bruten mit 226 Jungen in Langstadt, Harreshausen, Schaafheim, Klein-Umstadt und Kleestadt gab. Die Gründe sieht der Experte in den härteren Wintern: „Die Kälte macht der Schleiereule nichts aus. Gibt es aber für längere Zeit eine dichte Schneedecke, hat sie Probleme ihre Hauptbeute, die Feldmaus, zu jagen.“

Liegen mehr als 14 Tage Schnee, beginne oft das große Sterben. Laut Diehl, der seit 1972 eine flächendeckende Erfassung der Schleiereulen-Brutergebnisse macht, kann das aber nicht der einzige Grund für den Rückgang sein. Bei den anderen Ursachen tappt man aber noch im Dunkeln.

Das neue Brutangebot sieht der Langstädter als äußerst positiv. Er geht früher oder später von einer Belegung aus: „Im Wasserturm war mit Schleiereulen und Turmfalken schon was los. Das dürfte sich auf die Stadtkirche übertragen.“

Quelle: op-online.de

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