Führung rund um Prachtbau

Schloss: Außenfassade ist fertig 

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Im Schlosshof versammelten sich viele Interessenten.

Babenhausen - Eine Führung der Schlossfreunde stößt auf großes Interesse. Die Außenfassaden des Prachtbaus sind nun alle fertig. Von Stefan Scharkopf 

Das Schloss samt Umbau zu einem Fünf-Sterne-Hotel ist für die Babenhäuser Bürger und viele Gäste von außerhalb von höchstem Interesse. Die Schlossfreunde hatten am Donnerstag zu einer Führung eingeladen, und mehr als doppelt so viele Interessenten wie geschätzt kamen. Eine Besichtigung der Räume war allerdings nicht möglich. Das Innere des herrschaftlichen Baus ist eine einzige Baustelle, es gibt Deckendurchbrüche, so dass eine Begehung nicht zugelassen werden konnte. Dafür hatten die Gäste die Gelegenheit, aufgeteilt in vier Gruppen, sich die Außenfassaden anzusehen, die komplett verputzt und fertig sind. Das Farbkonzept wurde eng mit dem Denkmalschutz abgestimmt. Bei Gestaltung und Farbwahl der Außenwände orientierten sich die Schlossherren an dem Bau von 1901.

Wie Klaus Mohrhardt vom Vorstand der Schlossfreunde meinte, sei es schwierig zu sagen, wann mit dem Ende der Sanierung zu rechnen ist. Die politische Lage in der Ukraine habe sich letztlich auch im Schloss bemerkbar gemacht. Die Chefs der Alfa Consulting, die die historisch bedeutsame Immobilie 2006 gekauft hatten, sind Ukrainer und sitzen in Kiew.

Innen wird weiter gearbeitet

Nichtsdestrotrotz gehen die Arbeiten weiter. Von außen freilich nicht sichtbar, geht es nun daran, die Zimmer fertigzustellen, wie Igor Keler, Architekt und Geschäftsführer der Alfa Consulting, beim Rundgang sagte. Den Hotelgästen werden etwa 45 Zimmer zur Verfügung stehen. Das Besondere: Alle unterscheiden sich voneinander und verleihen den Räumen eine individuelle Note. Sanitär- und Elektroarbeiten werden zurzeit erledigt. „Eine sehr mühsame Sache“, wie Keler sagte.

Das Torhaus dient den Schlossherren von Alfa Consulting als Büro.

Bei der Besichtigungstour durchs Geviert konnten sich die Besucher davon überzeugen, dass auch an den Außenfassaden auf die Bauhistorie eingegangen wird. So wurde etwa auf der Westseite ein romanisches Fenster freigelegt und sichtbar gemacht. Ähnlich eLösungen gibt es auch an anderen Stellen. Derzeit werden über 100 Jahre alte Fenster aufwändig in einer eigens eingerichteten Werkstatt vor Ort restauriert, da deren Substanz laut Keler so gut ist, dass sich dieser Aufwand lohnt. Etwa 400 Fenster sind es insgesamt. Der Architekt verwies auch auf eine begehbare Mauer, die das Schloss mit dem Torbau verband und dann weiter in die Stadt führte. Es gibt eine zugemauerte Stelle, an welcher der Wehrgang früher an den Nordflügel sozusagen „andockte“. Der einstige Eingang in luftiger Höhe ist farblich herausgehoben.

Die alten Wehrmauern erstrahlen ebenfalls in neuem Glanz. Rundum sind sie saniert; die vier Bastionen werden noch umgebaut und sollen genutzt werden – sei es als ökumenische Kapelle, Hochzeitssuite oder Café mit einem Glasdach. Jenseits der südlich verlaufenden Wehrmauer soll auf deren kompletten Länge ein Wassergraben angedeutet werden. Eine zweite Mauer – die sogenannte Zwingermauer – legte Alfa Consulting am südöstlichen Eck der Schlossfassade frei. Sie soll nun im Schwimmbad des Wellnessbereichs wieder sichtbar werden.

Am Ostflügel sorgt ein moderner Aufzugsturm aus Glas und Stahl für stufenlosen Zutritt. Weiterhin stehen Tagungsräume und Gastronomie zur Verfügung. Diese Einrichtungen können wie der etwa 1 200 Quadratmeter große Wellnessbereich mit Schwimmbad und Spa im ehemaligen Schlossgraben von jedem genutzt werden. Der Schlosshof, das war schon von Beginn an klar, steht Besuchern zur Verfügung, kulturelle Veranstaltungen sollen dort stattfinden können – unter Berücksichtigung des Hotelbetriebs.

Bilder der Schlossführung

Führung durch Schloss in Babenhausen

Eine überaus schwierige Angelegenheit war es, die Anlage auf neue Fundamente zu stellen, wie Igor Keler sagte. Dadurch habe man aber mehr lichte Höhe im Keller gewonnen. Angedient wird der ganze Komplex über die Hautpzufahrt auf der Südseite, wo sich auch der öffentlich zugängliche Park anschließen wird. Zum Konzept der Wohlfühloase gehört es, dass der Zugang zum Küchenbereich ebenso unterirdisch verlaufen wird wie die Anlieferungen. Der Gast bekommt von all dem nichts mit und wird in seiner Muße nicht gestört.

Und welches Publikum schwebt Alfa Consulting vor? „Wir denken vor allem an Messebesucher“, sagt Igor Keler, „aber auch an Menschen, die sich von einer Krankenhausbehandlung erholen wollen.“ Dritte Zielgruppe sind die Nutzer des Wellnessbereichs. Für den Betrieb des Fünf-Sterne-Hotels rechnet Keler mit 40 bis 50 Arbeitsplätzen. Auch wenn zeitliche Voraussagen schwierig sind, könnte es sein, so Keler, dass das Café in einem bis zwei Jahren öffnet. Dann können die Babenhäuser ihr geliebtes Heißgetränk in den altehrwürdigen Mauern der ehemaligen Wasserburg genießen.

Quelle: op-online.de

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