„Schlosser würde mich interessieren“

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Wie computergesteuerte Maschinen arbeiten, konnten die Schüler im Infomobil erfahren.

Babenhausen - „X ist 7, y ist 3,4. “ Flugs gibt ein Neuntklässler alle Zahlen in den Computer ein. Mit Daten gefüttert, fräst die computergesteuerte CNC-Maschine ein winziges Metallkästchen mit putzigem Herzchen vor den Augen des staunenden Publikums. Von Ursula Friedrich

Ein Dutzend Schüler des Gymnasialzweigs der Kooperativen Gesamtschule ist an Bord des Infomobils, um auf engstem Raum industrielle Herstellungsprozesse mitzuerleben. An drei Multimedia-Terminals lässt sich Wissenswertes über die vielen Ausbildungsberufe erfahren, ja sogar ein konkreter Ausbildungsbetrieb kann herausgepickt werden.

Wer Ende des Schuljahres seinen Abschluss macht, ist jetzt gut beraten, Karrierepläne zu schmieden und Bewerbungen zu schreiben. Schüler der Joachim-Schumann-Schule hatten die besondere Gelegenheit, in technische Berufe praxisorientiert hinein zu schnuppern. Einen Tag lang parkte das Infomobil des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall vor den Schulpforten. Mit 6000 Lehrstellen jährlich hat die Metall- und Elektroindustrie als Ausbildungsstätte hessenweit eine Spitzenstellung.

„Wir wollen junge Leute für Technik begeistern“, so das Bordteam vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln, schließlich drückt die Metall- und Elektrobetriebe ordentlich der Sorgenschuh. Noch vor wenigen Wochen waren 1 000 Lehrstellen in diesem Bereich in Hessen unbesetzt. Angesichts des drohenden Fachkräftemangels ist ein solcher Trend besorgniserregend. Dabei, so die Crew, gebe es viele attraktive und zukunftsweisende Berufe. Noch fehlt dem Bus eine Station zum Thema Erneuerbare Energien – doch das Mobil soll nachgerüstet werden.

Bei den Schülern wurde großes Interesse geweckt. Neuntklässler Jan Heumann: „Schlosser würde mich interessieren.“ Schulkamerad Justin Richter hat ebenfalls Feuer gefangen. Lehre oder weiterführende Schule in Dieburg sind für ihn allerdings zwei Zukunftsoptionen. Mädchen sind an Bord deutlich in der Unterzahl. Doch, so die Ausbilder, wenn ein Mädchen einen technischen Beruf ergreife, sei sie meistens besser als die männlichen Kollegen. Ansonsten gilt für viele Lehrbetriebe die Maxime: Ein guter Hauptschüler genießt bei der Lehrlingssuche den Vorzug vor einem schlechten Realschüler.

Das Berufsinfomobil machte leider nur einen Tag Halt in Babenhausen. Die Tour durch Südhessen wurde gleich Tags darauf fortgesetzt. Neun Busse und ein Lkw mit attraktiver Ausstattung an Bord rollen inzwischen durch die Lande, um junge Menschen für Technik zu begeistern. 35.000 Schüler profitierten inzwischen von der Aktion, die 1989 ins Leben gerufen wurde. Weitere Informationen auf der Internetseite.

Quelle: op-online.de

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