Die „Schöne Bärbel“ und ihr Adliger

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Autoren des neuen HGV-Buchs (von links): Robert Bittendiebel, Hans Dörr, Ute und Georg Wittenberger sowie Dr. Klaus Lötzsch.

Babenhausen - Amouren geben immer Stoff für schöne Geschichten her. Das ist heute so und war im Mittelalter nicht anders. Von Stefan Scharkopf

Über eine ungewöhnliche Verbindung berichten denn auch Ute und Georg Wittenberger im neuen Buch des Heimat- und Geschichtsvereins Babenhausen (HGV) mit dem Titel „Beiträge zur Geschichte der Grafschaft Hanau-Lichtenberg II“. Der Sammelband wurde zum 25-jährigen Jubiläum der Partnerschaft zwischen den ehemaligen gräflichen Residenzstädten Babenhausen und Bouxwiller (Buchsweiler) herausgegeben.

In jener Geschichte also wird unter dem Titel „Skandal und Unsterblichkeit“ über die ungewöhnliche Liebe zwischen Jakob von Lichtenberg und der „Schönen Bärbel“ berichtet. Ungewöhnlich deshalb, weil es sich bei der Liebesgeschichte um die Verbindung eines Adligen mit einer Dienstmagd handelt. In dem Beitrag wird nun berichtet, dass die Bärbel, ausgestattet mit der ihr übertragenen Hausgewalt in Ort und Burg Buchsweiler ein strenges Regiment führte. So verlangte sie zwei bis drei Fron-Tage in der Woche, mehr als bislang. Wer sich weigerte, kam in den Turm. Die Männer des misshandelten Volks beklagten sich über das „bös weib“. Doch ihr Gatte hielt zu ihr. Schließlich kulminierte der Streit im „Buchsweiler Weiberkrieg“.

Davon handelt die Titelgeschichte des neuen Buchs des HGV, aber auch davon, dass einige Zeitgenossen die Bärbel in einem milderen Licht erscheinen lassen. Zumindest ziert die Steinbüste der „Schönen Bärbel“ die Frontseite des Buchs.

Vor fünf Jahren, zum 20-jährigen Bestehen der Verschwisterung von Babenhausen mit Bouxwiller wurde der erste Band der Reihe publiziert. Dieses Buch enthält auch die Vorgeschichte der Verschwisterung nach Aufzeichnungen von Friedrich Schöneich, einem der Gründungsväter der „Jumelage“.

Bei Buchvorstellung mussten zusätzliche Stühle gestellt werden

Am Donnerstagabend hatte der rührige HGV seine Mitglieder und Interessenten in die Stadtmühle zum „Elsässer Abend“ eingeladen, um das neue 184 Seiten umfassende Werk vorzustellen. Auch Autoren waren gekommen. Stilecht mit Elsässer Wein und Gugelhupf wurden die Gäste begrüßt, zusätzliche Stühle mussten noch gestellt werden.

Robert Bittendiebel, Vizepräsident des Vereins der Museumsfreunde in Buchsweiler, hielt einen Vortrag über das Elsass von 1648 bis 1815, in dem er schilderte, warum Hanau-Lichtenberg französisch wurde.

Wie Dr. Klaus Lötzsch, Vorsitzender des 370 Mitglieder umfassenden HGV, sagte, habe man das gleiche Layout wie im Jubiläumsjahr 2004 gewählt. Das eröffne die Möglichkeit, weitere Sammelbände über die Hanau-Lichtenberger zu veröffentlichen.

Nach der Titelgeschichte zeichnet Lötzsch in dem Buch ein Idealbild höfischer Liebe des auslaufenden Mittelalters. Außerdem stellt er einen wieder entdeckten Wappenstein aus dem Torhaus des Babenhäuser Schlosses vor. Robert Bittendiebel beschäftigt sich mit der Zweibrücker Erbschaft, während von dem 2006 verstorbenen Frédéric Rexer eine Arbeit über das ehemalige Schloss von Buchsweiler vorliegt. Mit dem zu einer Kirche umgebauten ehemaligen hanau-lichtenbergischen Schloss von Brumath beschäftigt sich Charles Muller.

Der Dieburger Hans Dörr hat die früh verwitwete Gräfin Anna Magdalena und ihren Aufenthalt im Schloss Babenhausen zum Gegenstand seiner Untersuchung gemacht. Die Gräfin, so erfährt man, soll Ende des 17. Jahrhunderts „noch einmal einen gewissen höfischen Glanz“ nach Babenhausen gebracht haben.

Bleibt noch die Arbeit einer damals 19-Jährigen zu erwähnen, die 1997 eine Abiturarbeit über „Zweisprachigkeit und Identitätsprobleme im Elsass“ verfasst hat. Die junge Dame war schon in frühester Kindheit mit der Beziehung von Babenhausen und Bouxwiller befasst und hat des Öfteren die elsässischen Nachbarn besucht. Kein Wunder: Die Autorin heißt Franziska Lötzsch - sie ist die Tochter des HGV-Vorsitzenden.

Quelle: op-online.de

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