Schokoladenrolle und ein Plausch

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Das Leben kann so einfach sein: entspannte Atmosphäre im Herigar-Café.

Hergershausen (mj) - Es ist schon verwunderlich: Was Herigar, der Trägerverein der Alten Schule, auch immer anpackt, es funktioniert. Das gilt nicht zuletzt für das Garten-Café, das derzeit jeden Samstag von 14 bis 17 Uhr im Hof geöffnet hat.

Ziel ist es, dass jeder, der Herigar und die Alte Schule kennenlernen will, ein offenes Haus vorfindet.

„Wir haben uns die Frage gestellt, was würde uns selbst am meisten Spaß machen“, erzählt Maren Gatzemeier zur Idee. Ein Café gehörte zu den ersten Überlegungen. Mit der Hoffnung auf Gleichgesinnte und dass die Sache angenommen wird, wurde das Ansinnen umgesetzt. Jüngst hatte Sabine Walz eine Schokoladenrolle vorbereitet, Annika Raiss einen Käse- und Maren Gatzemeier einen Kirschkuchen. Da man ein Verein und keine Gaststätte ist, werden die Stücke gegen eine Spende abgegeben.

Fragt man die Gäste, warum sie hier sind, gibt es ernste und humorvolle Antworten zugleich: „Zuhause müssen wir schaffen“, „zuhause haben wir keinen Kuchen“, „ich will Infos über Yoga einholen“, oder „es geht mir darum, soziale Kontakte zu pflegen“, heißt es. Mit der ganzen Familie ist Ulrike Schreeck angerückt. Nach einer Fahrradtour entspannt sie mit ihrem Mann Jürgen und den Söhnen Daniel und Christian. „Wir wollten uns das mal angucken“, erzählt die Mutter. Ihre Männer sind erstmal froh zu sitzen und genießen den Kuchen, mit dem sie dem Zuckerhaushalt ihres Körpers nach dem Pedalritt einen Schub verleihen können. Schreek ging hier einst zur Schule, heute staunt sie bei jedem Besuch: „Es ist kaum zu glauben, was aus der Alten Schule geworden ist.“ Regina Lange (44) ist die Frau, die sich für das Yoga-Angebot interessiert. Ein großes Lob hat sie für den selbst gemachten Kuchen und die Gemütlichkeit unter freiem Himmel. Im Café ist die Sozialpädagogin das erste Mal, bei anderen Herigar-Veranstaltungen war sie schon öfters. „Es ist wie immer. Man trifft Bekannte, die, wie alle hier, sehr nett sind“, sagt sie.

Bisher öffnete das Café sechsmal seine Tore und jedes Mal war was los. „Wir stellen immer drei Tische auf“, erzählt Gatzemeier. Die ließen sich bei Bedarf erweitern. Laut der Hergershäuserin freue man sich über den Zuspruch, dennoch sei keine Massenveranstaltung erwünscht. Alles soll gemütlich und überschaubar sein. Die Schilder an den Radwegen brachten auch schon fremde Gäste: „Jüngst hatten wir Besucher, die sich mit dem Radeln übernahmen. Die waren heilfroh über das Pausenangebot und mit uns zu plauschen“, so Gatzemeier.

Rund 25 Meter unter dem Storchennest beeindruckt, wie Ehrenamt und Engagement eine Idee zum Erfolg führen können. Dazu begeistert das lockere Flair: Zwei bunte Klapp-Liegestühle unter einem Mirabellenbaum vermitteln auf einfache Weise Sommergefühl. Die Boule-Gruppe von Herigar steuert zur Gemütlichkeit mediterrane Atmosphäre bei. Bei Kaffee und Kuchen ist Selbstbedienung angesagt, dazu sind den Helfern Schichtpläne fremd. „Wir schauen, wie das Wetter wird, und dann fragen wir im Team, wer kommen und aufmachen kann“, erzählt Gatzemeier. Alles solle möglichst einfach sein und dennoch Spaß bringen. Dass solche Losungen in heutiger Zeit noch umsetzbar sind, ruft Respekt hervor. So bleibt auch beim jüngsten Angebot von Herigar nur eine Feststellung übrig: Es funktioniert.

Quelle: op-online.de

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