Weitere Spende für den „Lebens-Mittel-Punkt“. Im Januar gründet sich der Trägerverein.

Schub für das Sozialkaufhaus

+
Einen Scheck über 3 500 Euro überreichte der Geschäftsführer von Andre & Oestreicher, Reinhard Kraus, für das geplante Sozialkaufhaus. Jutta Krüger vom städtischen Fachbereich Soziales, Familie und Integration (links) und Bürgermeisterin Gabi Coutandin nahmen den Scheck gestern im Rathaus entgegen.

Babenhausen ‐ Eine vergleichsweise hohe Zahl von Erwerbslosen, nicht wenige Fälle von Kinderarmut und häufige Inanspruchnahme von Erziehungshilfe: Das alles gehört zum sozialen Gefüge der Stadt. Von Stefan Scharkopf

Für viele Menschen gibt es konkrete Hilfestellungen, meist vom Staat. Doch Unterstützung werde auch „in der Breite“ benötigt, wie Bürgermeisterin Gabi Coutandin gestern beim Pressegespräch sagte. Daher eröffnet demnächst ein Laden, gedacht für Menschen mit schmalem Geldbeutel, der Lebensmittel zu günstigen Preisen anbietet. Ein Arbeitskreis im Rathaus, in dem sich Jutta Krüger vom Fachbereich Soziales, Familie und Integration und mehrere soziale Institutionen und Vereine zusammen gefunden haben, hat ein Konzept erarbeitet.

Im Mai hatte der Arbeitskreis, bestehend unter anderem aus Vertretern von Kirchen, DRK, Christlichem Sozialwerk, der Stadt und anderen, sich zusammengesetzt, um zu überlegen, wo Hilfe in der Stadt am nötigsten ist. Orientiert hatten sich die Initiatoren an vergleichbaren Projekten, wie etwa der „Tante Emma“ in Jügesheim oder dem Verein „Grenzenlos“ in Aschaffenburg. Deren Gründungsmitglieder haben die Stadt besucht und Tipps gegeben.

Der Laden soll allen sozial Benachteiligten, nicht nur Hartz IV-Empfängern, helfen, besser über die Runden zu kommen. Auch ältere Menschen mit einer niedrigen Rente oder beispielsweise allein erziehende Mütter mit wenig Einkommen sind eingeladen, in dem Geschäft einzukaufen.

Das Sortiment wird sich auf Obst und Gemüse, Backwaren und gesunde Lebensmittel beschränken, die nicht gekühlt werden müssen, wie Jutta Krüger sagte. Gedacht ist auch daran, ein Café einzurichten und Sozialberatung anzubieten. Das Sozialkaufhaus soll keine „Tafel“ sein, wie sie beispielsweise in Dieburg zu finden ist. Die Verteilung der Lebensmittel wird nicht kostenlos, sondern nur günstiger sein. So könnte ein Korb mit sechs, sieben Lebensmitteln etwa zwei Euro kosten.

Eine Immobilie scheint bereits gefunden: das ehemalige Geschäft von Farben Willand in der Schlossgasse. Ende Januar ist die Gründung eines Trägervereins vorgesehen, für den Manfred Müller als Vorsitzender im Gespräch ist.

Für den Betrieb des „Lebens-Mittel-Punkts“, wie das Sozialkaufhaus wohl heißen wird, werden Sponsoren gesucht, schließlich müssen Miete und Heizung fürs Haus und Benzingeld bezahlt werden. Der Verkauf im Laden, die Büroarbeit, das Abholen der Waren, das Gewinnen von Geld- und Lebensmittelspendern und andere anfallende Arbeiten sollen von freiwilligen Helfern übernommen werden. „Das können gerne auch Leute sein, die selbst im Laden einkaufen oder beim städtischen Arbeitslosenprojekt mitmachen“, sagt Bürgermeisterin Gabi Coutandin.

Ins Boot geholt werden Sponsoren, die sich verpflichten, das Projekt nach dem 3-2-1-Prinzip zu unterstützen. Das heißt: Im ersten Jahr eine Spende von 3 000, im zweiten 2000 und im letzten 1000 Euro - zusammen also 6 000 Euro. Bei erhofften zehn Sponsoren macht dies im ersten Jahr 30 000 Euro. Die Firma Andre & Oestreicher ist jetzt der erste Sponsor, der sein Soll bereits erfüllt hat. Nachdem Geschäftsführer Reinhard Kraus bereits 2009 der Stadt einen Scheck über 2 500 Euro für einen guten Zweck überreicht hatte, kamen gestern nochmal 3 500 Euro dazu.

Bislang sind das Seniorenheim Bethesda und der Magistrat als weitere Sponsoren dabei, die Sparkasse Dieburg entscheidet sich im März. Die Geldgeber werden auf einer Tafel erwähnt. Geld kam aber auch schon von Benefiz-Abenden von Vereinen.

Wie Reinhard Kraus sagte, habe sein Unternehmen in früheren Jahren bereits soziale Einrichtungen finanziell unterstützt, etwa „Ärzte ohne Grenzen“. Jetzt sei es ihm wichtig gewesen, vor Ort in Babenhausen etwas zu tun.

Wie Jutta Krüger sagt, würden nicht nur Geld, sondern auch sächliche Zuwendungen, wie etwa Farbe, Küchenutensilien, Möbel oder einfach Zeitspenden gebraucht.

Außer aus Sponsorengeldern finanziert sich der „Lebens-Mittel-Punkt“ aus Beiträgen von Mitgliedern des Trägervereins und aus dem Gewinn durch den vergünstigten Verkauf der Waren. Gerne gesehen sind aber auch weitere Benefizaktionen der Vereine.

Wer bei dieser guten Sache - in welcher Form auch immer - mithelfen möchte, möge sich per E-Mail an Jutta Krüger wenden: Jutta.Krueger@babenhausen.de.

Quelle: op-online.de

Kommentare