Lieber früh genug informieren

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Selbst Hand anlegen ist nicht erlaubt: Bei der 14. Job-Info-Börse in der Offenen Schule können sich Neunt- und Zehntklässler nur theoretisch ein Bild über verschiedene Berufssparten machen.

Babenhausen - Vorsichtig pinselt die Visagistin Make-Up auf die Augenlieder der Schülerin. Vor ihr liegen Lipgloss, Haarspraydosen, Tücher, Schüsseln und Haarbürsten. Von Domenico Sciurti

Elf Mädchen stehen um den Tisch herum, der für diesen Tag in die Mitte des Unterrichtsraums positioniert wurde. Niemand spricht. An dem Spektakel der Beruffachschule für Kosmetik aus Aschaffenburg sind nur wenige Jungs interessiert.

Eindrücke vom Arbeistalltag

Bei der 14. Job-Info-Börse bekommen Neunt- und Zehntklässler einen Eindruck vom Arbeitsalltag. In Einheiten von jeweils 40 Minuten erfahren die Schüler mehr über zuvor gewählte Betriebe und deren Berufsfelder. 44 Unternehmen und weiterführende Schulen stellen sich vor – mit Ständen in den Räumen der Offenen Schule, aber auch in den eigenen Häuser. Dafür haben die Veranstalter, die Kinder- und Jugendförderung der Stadt, die Schulsozialarbeit sowie eine Schülerprojektgruppe des neunten Jahrgangs – eine Fußgruppe und neun Busse organisiert.

Im Beauty-Raum bedauert die 15-jährige Jennifer Blickle, dass sie nicht selbst Hand anlegen darf. „Jedes Mädchen interessiert sich für Schminke“, sagt sie, deswegen habe sie sich für die Kosmetikschule entschieden. Doch später einmal als Visagistin arbeiten, würde sie nicht wollen, darin ist sich die Neuntklässlerin sicher. „Ich will lieber Fremdsprachenkorrespondentin oder Reisebürokauffrau werden“, erklärt sie, in etwa einer Stunde besucht sie den Vortrag der Euro-Schulen. Jennifers Freundin Maike Gräf hingegen könne sich vorstellen, Make-Up-Spezialistin zu werden. „In der Achten habe ich ein Praktikum im Kindergarten gemacht“, erklärt sie. „Ich will nicht ein Leben lang mit Kindern arbeiten.“

Zukunftspläne werden vor sich hergeschoben

Schüler und Eltern könnten sich gar nicht früh genug informieren, wie es nach der neunten oder zehnten Klasse weitergeht, betont Michael Spiehl von der Kinder- und Jugendförderung. Oftmals tendierten junge Menschen dazu, Zukunftsplanungen vor sich her zu schieben. „Doch selbst diejenigen, die die Oberstufe besuchen möchten, sollten sich rechtzeitig Gedanken machen“, ergänzt er. „In der Zwölften und 13. haben sie nur noch wenig Zeit dafür.“

Max Dexy gehört zu den Schülern, die Spiehls Rat ernst nehmen. Der Neuntklässler will zwar das Abitur machen, wie es danach weitergehen könnte, darüber möchte er sich schon jetzt informieren. „Ich will später auf jeden Fall in einem Büro arbeiten“, sagt er.

Spiehls Organisationskollegin, Schulzweigleiterin Barbara Meuer, findet auch wichtig, dass sich Schüler und Lehrer frühzeitig über die Zeit nach der Haupt- oder Realschule erkunden sollten. „Das Berufsangebot ist mittlerweile viel zu komplex geworden“, sagt sie. Die Job-Info-Börse biete Informationen. Dass die Gäste aus den Betrieben die Schüler beispielsweise siezten läute eine neue Ära ein.

Keine überzogenen Erwartungen

Hauptfeldwebel Marcus Rittscher erklärt einen Stockwerk weiter oben dem 15-jährigen Jakaj Driton, dass er mindestens 17 Jahre alt sein muss, um bei der Bundeswehr zu arbeiten. Viele hätten falsche Vorstellungen von der Bundeswehr, auch deswegen sei die Info-Börse sei nützlich: „um Vorbehalte aus der Welt zu schaffen.“ Selbstverständlich müssten Bewerber über die Risiken aufgeklärt werden, wenn sie beispielsweise im Ausland stationiert werden, ergänzt Rittscher. „Aber wir sind ein Arbeitgeber wie andere.“

Den Traumberuf an einem Tag finden: Dass das nicht geht, wissen auch die Organisatoren. „Hier kann alles nur kurz angerissen werden“, ist sich Jugendpfleger Michael Spiehl klar. Deswegen haben er und seine Kollegen die „Job-Info-Mappe“ erstellen lassen – dieses Jahr finanziert von der Sparkasse Dieburg, dem Ankenbrand Autoservice und der dm-Drogerie. Das etwa 30-Seitige Werk hilft bei der Suche von Ausbildungsbetrieben, gibt Tipps zu Bewerbungen und enthält nützliche Adressen sowie eine Linksammlung.

Quelle: op-online.de

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