Schulbus rollt Kind über Fuß

„Bussituation ist eine echte Katastrophe“

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Babenhausen - Die Bussituation vor der Joachim-Schumann-Schule in Babenhausen sorgt weiter für Aufregung. Von Daniel Schmitt

Nachdem schon nach den Osterferien ein Vater einen Offenen Brief an die Nahverkehrsorganisation Darmstadt-Dieburg (Dadina) wegen zeitlich zu enger Fahrpläne geschrieben hatte, gab es nun einen weiteren Vorfall. Ein Schulbus ist einem Zwölfjährigen über den Fuß gerollt.

Was war passiert? Sigrun Schnur, die Mutter des Schülers, schilderte den Unfall vor den Toren der Schule wie folgt: „Wie so oft warteten viel zu viele Kinder auf einem viel zu kleinen Bus an der Haltestelle. Entsprechend war das Gedränge an den Absperrgittern sehr groß, als der Bus kam. Mein Sohn war durch das Hin- und Hergeschubse so weit vorne, dass der heranfahrende Bus ihm über den Fuß gerollt ist.“ Ihr Kind habe laut aufgeschrien und „höllische Schmerzen“ gehabt.

Der Schüler musste von einem Rettungswagen in die Kreisklinik Groß-Umstadt gebracht werden. „Die Verletzung ist zum Glück halb so schlimm“, schilderte Schnur. Zwar sei der Fuß dick und blau geworden, mehr sei aber nicht passiert.

Drängel-Gitter reicht nicht aus

Dennoch will sich die Mutter nicht mit der Verletzung ihres Sohnes abfinden und klagt: „Die Bussituation vor der Schule ist schon seit langem eine echte Katastrophe.“ Vor allem in der Mittagszeit komme es immer wieder zu großem Auflauf an den sogenannten Drängel-Gittern der Haltestellen, die eigentlich errichtet wurden, um den Schülerstrom besser zu kanalisieren. Nur wer schnell in die Busse hineinschlüpfe, der bekomme auch einen guten, beziehungsweise überhaupt einen Platz im Bus. So fragt sich Schnur: „Was muss eigentlich noch passieren, bis sich etwas ändert?“

Am Tag der offiziellen Einweihung – alle Schüler hatten nach der fünften Stunde gemeinsam Schulschluss – reichte das Drängel-Gitter offensichtlich nicht aus. Die Mutter schlägt für die Zukunft eine andere Lösung vor: Eine Aufsichtsperson der Schule könne helfen, „die autorisiert ist, die drängelnden und schubsenden Kinder in die Schranken zu weisen“. Zudem klagt Schnur auch die Schule direkt an: „Wenn wegen einer Feier alle Schüler gemeinsam nach Hause dürfen, dann hat auch die Kommunikation zwischen Schule und Busunternehmen gefehlt, um vielleicht mehr Busse einzusetzen.“ Direktor Rainer Becker war für eine Stellungnahme gestern nicht zu erreichen.

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Des Weiteren habe auch der Busfahrer der Linie K65 fahrlässig reagiert. Nach Auskunft der Mutter habe er sich trotz der offensichtlichen Verletzung ihres Sohnes nicht gekümmert, sondern dem Jungen zu allem Überfluss noch Vorwürfe gemacht, selbst Schuld zu sein. „Er ist einfach weggefahren und hat meinen Sohn im Dreck liegen gelassen“, sagte Schnur, die selbst nicht vor Ort war. Erst rund 30 Minuten später habe die Mutter vom Unfall ihres Kindes erfahren und sei sofort zur Schule geeilt.

Mittlerweile haben die Eltern des Kindes den Unfall bei der Polizeistation in Dieburg angezeigt. Der ermittelnde Beamte teilte nur mit, „dass der Bus dem Kind wohl unabsichtlich über den Fuß gefahren ist“. Weitere Ermittlungen folgen. Es stehen die Vorwürfe der fahrlässigen Körperverletzung und der Unfallflucht im Raum. Das Busunternehmen wollte sich wegen der laufenden Ermittlungen nicht äußern.

Schnur will dem Fahrer die Schuld am Unfall auch nicht allein zuschieben: „Solche Sachen können passieren, vor allem wenn man sieht, welche Szenen sich an den Haltestellen abspielen. Es war eine Verkettung von vielen unglücklichen Punkten.“

Quelle: op-online.de

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