Selbstbehauptungskurs für die 1a

„Nur im Team sind wir stark“

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Grundschüler lernen, wie sie in Konfliktsituationen richtig reagieren. Wie kann sich die Klasse der Größe nach auf der Bank aufstellen, ohne den Boden zu berühren? Das ist die große Frage.

Babenhausen - Die Aufgabe, die die Klasse 1a der Schule im Kirchgarten gestellt bekommt, hat es in sich. Auf drei Bänken stehen 23 Kinder. Das Ziel: Die Klasse soll sich der Größe nach aufstellen, ohne dabei die Bank zu verlassen und den Boden zu berühren. Von Corinna Hiss

Ratlos gucken sie Maria Schiffner an, die ihnen die Übung aufgetragen hat. Die diplomierte Sozialpädagogin vom „Büro 3K“ in Ober-Ramstadt möchte der Klasse 1a in einem Selbstbehauptungskurs zeigen, wie Teamarbeit funktioniert und wie Konflikte ganz ohne Gewalt gelöst werden können.

Ihre Grundsätze vermittelt sie dabei sowohl durch Aufgaben als auch durch kleine Rollenspiele. An der Wand hängt ein Plakat, auf dem die Gruppe zu Beginn der Stunde klare Regeln festgelegt hat. Gewünscht sind Mutproben, Spiele und vor allem Spaß. Nicht gewünscht ist hingegen schubsen, schimpfen oder reinreden.

„Ihr müsst miteinander reden“

Noch steht die Klasse 1a im wilden Durcheinander auf den Bänken. Manche rutschen unruhig darauf herum, andere sind ratlos. Wie sollen sie vom einen Ende zum anderen kommen, ohne dabei den Boden zu berühren? Maria Schiffner gibt zwei wichtige Tipps: „Ihr müsst miteinander reden und euch eine Strategie überlegen.“

Schnell erkennen die Schulanfänger, dass es Sinn macht, wenn sich manche zur Kugel zusammenrollen. Dann kann der Nachbar bequem drüber steigen. „Wir werden nur zehn Mal den Boden berühren“, ist das ambitionierte Ziel der Klasse.

Knapp zehn Minuten später ist die 1a nicht viel weiter als vorher. Einige haben es geschafft und stehen wie die Orgelpfeifen auf der Bank. Der Rest kauert wie ein eingerollter Igel oder versucht sich, seinen Weg über die Bank zu bahnen.

Spielerisch soziale Kompetenzen beibringen

Nach einer Viertelstunde bricht Maria Schiffner die Übung ab – als gescheitert sieht sie die Aufgabe trotzdem nicht. „Was haben wir daraus gelernt?“, fragt sie in die Runde. Und gelernt haben die Mädchen und Jungs in der Tat einiges, ohne dass es ihnen aufgefallen ist. Das ist auch das Ziel der Sozialpädagogin: Spielerisch soziale Kompetenzen beibringen, die den Kindern im Schulalltag helfen und den Klassenzusammenhalt stärken.

„Nur im Team sind wir stark“, fasst Schiffner zusammen. Dazu zählt, dass die Kinder miteinander reden müssen, um schwierige Aufgaben zu bewältigen. Eine weitere Erkenntnis: Der Stärkere schaue auf den Schwächeren.

Verschiedene Rollenspiele

Reden ist auch der Schlüssel für Konfliktbewältigung. Und da kleine Kabbeleien, Streits und Hänseleien in jedem Klassenzimmer vorkommen, ist es Schiffner ein besonderes Anliegen, konkrete Lösungsansätze vorzustellen.

In verschiedenen Rollenspielen zeigt sie, wie man am besten reagiert, wenn man gehänselt wird. „Ärgerkinder wollen eure Aufmerksamkeit – und die dürft ihr ihnen nicht geben“, erklärt sie.

Am Ende eines jeden Streits steht im besten Fall eine Entschuldigung an und es gibt Konsequenzen für die Streithähne. So kommen zwei Jungs, die sich während der Stunde öfter gekabbelt haben, bereitwillig zur Sozialpädagogin und leisten brav ihre Strafe ab: zehn Kniebeugen.

Quelle: op-online.de

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